Um auch noch meinen Senf zu Miguels und Elmars sehr lesenswerten Beiträgen zu geben, möchte ich anmerken, dass ich selbst der Meinung bin, dass Prozesse jedweder Art keinen Einfluss auf diesen Vorgang gehabt hätten. Für mich ist das eine Frage der Moral, Ethik und der Kultur und wie diese bei VW entstanden ist bzw. unterwandert wurde. Wie mehrfach angemerkt wurde, müssen recht große Kreise über den Misstand informiert gewesen sein. Dass sich über eine so große Gruppe eine derart kriminelle Energie (unterstelle ich!) ausbreiten und erfolgreich entfalten kann, veranlasst bei mir viel mehr Rückfragen nach der Unternehmenskultur, dem dortigen Umgang der Menschen miteinander und vielleicht auch dem Selbstbild dieser Menschen, als nach Kontrolle.
Kontrolle würde ich für die Bekämpfung des Symptoms halten, die Unternehmenskultur jedoch für die Voraussetzung für das Nichtaufkommen des Fehlers.
Man mag mir Naivität unterstellen, jedoch bin ich überzeugt, dass Menschen in der überwältigenden Mehrheit von sich aus ein gutes Gemüt besitzen, solange man von ihnen "works as designed" sagen kann. Solange der Mensch nicht durch Umstände, Erziehung, Krankheit oder irgendwie gearteter Beeinträchtigung leidet, wird der Mensch nicht kriminell. Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Deutschland ist mit Werten, Erziehung und Moralvorstellungen aufgewachsen, die zumindest ausreichend sind, um sie als der Gesellschaft zuträgliche Mitglieder dieser zu sehen.
Wenn jedoch eine Organisation Menschen in so großer Zahl, so (naheliegend unterstellt bei Entwicklern) detaillierter Kenntnis der Sachlage und über Organisationseinheitsgrenzen hinweg zur Kriminalität verleitet, dann stimmt in dieser Organisation eindeutig weder das Menschenbild, noch der Führungsstil oder die Unternehmenskultur. In so einem Fall muss sich meiner Meinung nach die gesamte Unternehmensführung gewisses Versagen vorwerfen lassen, aber auch der Aufsichtsrat und der Betriebsrat sollten sich Fragen, was sie zur Vermeidung hätten beitragen können.
Wenn eine Organisation so kaputt ist, wäre meiner Meinung nach zu erwarten gewesen, dass GRC Prozesse entweder umgangen worden wären oder zumindest an ihre Grenzen stoßen. Die Vergangenheit hat bei VW immer wieder genau das gezeigt. Die innere Revision kam bei quasi allen öffentlich gewordenen Prüfungen in der Vergangenheit immer zum Schluss, dass es die Verfehlung einzelner kleiner Lichter war, das Management nichts wusste und einzelne, eigentlich unbedeutende alles alleine vergeigt hätten. Wer's glaubt, wird selig, wenn ihr mich fragt.
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Thema: Corporate Governance
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05.10.2015, 16:26 #1PREMIUM MEMBER
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05.10.2015, 16:52 #2
Ja, so was kann man "predigen", aber schlussendlich gibt es immer welche, die Anfällig für so was sind und wenn dann der Druck entsprechend wird, wird das halt gemacht. Und so was kann man nicht finden im Vorhinein, wenn man das Problem nicht kennt. Jetzt wo es zum ersten mal aufgetreten ist, kann man zukünftig gegensteuern. Man kann ja auch nicht "alles" von vornherein kontrollieren, man will ja auch keine Kultur des Misstrauens in der Firma haben. Das ist nämlich genauso übel. Das ist ja auch wieder so eine Gratwanderung.




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