Hallo Edelweis,

danke für Deinen Bericht. Ich muss gestehen, ich habe mir gerade meine Flasche von gestern angeschaut, die hat auch eine leichte "Naht". Ich verstehe was Du meinst, aber das würde mich jetzt nicht wirklich stören, wichtiger ist, dass ein ordentlicher Korken verbaut wurde...

Das Thema Wein ist ein interessantes und weites Feld... Ich möchte nur ein paar Gedanken mit einfließen lassen.
Ich habe auch vor Jahren mit den Italienern angefangen, die ich immer noch gerne trinke. Leider werden die meisten Weine, auch ein Tiganello viel zu früh getrunken.
Der Masi, hieß irgendwie Campolongo di ...nochwas, wurde mir offeriert, als er vielleicht 5-6 Jahre auf dem Buckel hatte, er war lecker, aber kein Vergleich zu dem Masi, den ich aus 2003 ende 2014 getrunken habe. Darauf muss man aber selbst kommen, weil einem das keiner sagt und bis auf wenige Ausnahmen gibt es kompetente Weinberatung eben nur in Restos, die entsprechend auch mit einer Karte ausgestattet sind.

Es ist richtig, meistens kosten die guten Tropfen auch gutes Geld. Wenn man aber z.B. an der Mosel in den Terrassen nicht mit dem Trecker lang kann und das wird von Hand gemacht, dann kostet das eben auch mehr. Aber die Traubenauswahl ist dann oft genauer/besser, als mit der Maschine und das macht sich dann im Geschmack (und vieles mehr) bemerkbar.

Ich bin der Meinung, dass man mit dem üblichen "Preis/Leistungsverhältnis" der Sache nicht gerecht wird, denn was heißt das denn? Ein Wein, der bescheiden schmeckt und sagen wir mal 30 Cent kostet hat ja dann ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Er schmeckt bescheiden, kostet aber auch wenig, Preis/Leistung also gegeben.

Wir sind hier im Uhrenforum, eine Rolex zeigt die Zeit an, eine Uhr vom Karstadt für 15,00 EUR auch. Keiner, der beim Wein auf das Preis/Leistungsverhältnis Bezug nimmt würde (wahrscheinlich) sagen, dass Rolex ein schlechtes Preis/Leistungsverhältnis hat. Denn dann müßte er konsequenterweise den Kauf einer Krone aus ebendiesen Gründen ablehnen.
Warum macht man das nicht? Weil eine Rolex eben mehr ist, als ein Zeitmesser...Das Gleiche gilt eben für (bestimmte) Weine.

Ich entwickele mich ja auch weiter, je mehr ich probiere. Ich bin kein Weinfachmann, aber ich kann, das traue ich mir zu, einen guten von einem schlechten Wein unterscheiden (und es ist nicht immer nur Geschmackssache). Und es gibt eben diese Weinmomente, die einen flashen und neu ausrichten. Ich habe immer mal wieder Bordeaux getrunken und war nie begeistert, zu jung, zu - was auch immer... Dann hatte ich irgendwann mal einen 1995er Angelus im Glas. Das war die Stunde "0" für mein Interesse an den Franzosen. Ich war übrigens der Einzige am Tisch der geflasht war, alle anderen fanden den Wein gut, mehr nicht...

Ich finde, die Italiener sind häufig einfach nicht so "differenziert" in Geruch und Geschmack, wie es eben z.B. viele aus dem Bordeaux sind. Das ist es, was mir gefällt, mich interessiert und warum ich hier tiefer eintauche, weil es eben spannend ist. Dass die Jahrgänge, unter anderem geprägt durch unterschiedliches Wetter deutliche Unterschiede in die Flasche bringen finde ich bemerkenswert.

Das alles ist natürlich Geschmackssache. Ein Primitvo ist lecker, aber eben für mich kein Wein, der über die Zeit im Glas immer wieder neue Facetten aufzeigt und großartig ausbaut, wie es ein gereifter Bordeaux macht.

Ich verzichte mittlerweile lieber auf ein mittelmäßges und "tolles Preis/Leistungsverhältnis"-Glas und trinke nur das, was auch Spaß macht - oder Spaß verspricht, da ich natürlich immer noch neugierig bin und viel ausprobiere. Hatte ja letztens hier den Wein von J.L. Chaves gepostet, ein sehr schöner Tropfen für wirklich kleines Geld...eine tolle Entdeckung nicht, weil er einen Bruchteil von manchen Bordeaux kostet, sondern weil er schmeckt.

Grüße