Du plädierst also für die blaue Plakette?Jetzt mag ich mich doch noch mal in die Diskussion einmischen und ein paar Dinge erklären, die hier zum Teil durcheinander geworfen werden (in loser Reihenfolge)
1.) Ja, ab 1.9.2018 wird der Partikelfilter wohl in vielen Benzinern kommen. Pflicht wird er aber nicht, denn der Gesetzgeber nennt einen Grenzwert für die Emissionen, schreibt aber keine Technik vor, wie dieser Grenzwert einzuhalten ist.
2.) Ich hoffe mal, dass man sich bei solchen Fahrverboten ausreichend Gedanken darüber macht, was man damit erreichen will und wie. Wenn ich mir die bisherigen Vorschläge aus Stuttgart dazu anschaue, habe ich so meine Zweifel. Dort wollte man ja meines Wissens bei Feinstaubalarm alle Diesel aussperren, die keine EU6- Grenzwerte erfüllen. Zwischen EU5 und EU6 gibt es hinsichtlich Partikelemissionen aber gar keine Unterschiede! Die NOx-Emissionen werden beim EU6 besser, aber warum koppele ich das Fahrverbot dann an den Feinstaubalarm?
3.) So ein Fahrverbot ist ja prinzipiell nichts komplett neues, die Umweltzonen mit ihren roten, gelben und grünen Plaketten machen seit Jahren eigentlich nichts anderes. Interessant finde ich dieses Mal die häufig vorherrschende Meinung, dass es jetzt Aufgabe der Automobilhersteller sei, auf deren Kosten EU5-Autos inkl. Hardware auf EU6-Standard umzurüsten. Auf welcher Grundlage denn? So hart wie das ist, aber das ist leider nicht mehr ganz taufrische Technik, die von der Realität zugegebenermaßen sehr zügig eingeholt wurde. Ist damals beim Einführen der Umweltzonen jemand auf die Idee gekommen, dass die Hersteller alte Autos kostenlos mit Partikelfiltern nachrüsten müssen? Und, um das bewusst zu überspitzen, muss mir VEB Sachsenring meinen Trabi jetzt auch auf EU6-Standard nachrüsten? Wo soll hier die Grenze gezogen werden? Insofern finde ich das Angebot, zumindest Software kostenlos nachzurüsten (auch andere Hersteller außer VW) gar nicht so übel. Und ja, am Anfang von allem stand der Betrug von VW. Hätten die nicht besch...en, dann würden die entsprechenden Motoren weniger NOx ausstoßen. EU6-Norm hätten sie dadurch trotzdem keine...
Schöne Grüße
Thomas
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27.02.2018, 22:38 #1Gesperrter User
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28.02.2018, 07:54 #2Daytona
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Um ehrlich zu sein, ich habe mir selbst noch keinen Meinung dazu gebildet, was hier die beste Vorgehensweise ist.
Was sind denn die Fakten? Jeder hat laut Grundgesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Aus diesem Grundrecht leiten sich die unterschiedlichsten Gesetze ab, die die Gesundheit der Menschen schützen sollen - unter anderem eben auch Grenzwerte für Stickoxide in Städten.
Jetzt wissen wir, dass diese Grenzwerte nicht eingehalten werden, daher hat das Gericht festgestellt, dass Aktionen ergriffen werden müssen, um Abhilfe zu schaffen.
An dieser Stelle kann man beliebig viele Nebendiskussionen eröffnen. (Sind diese Grenzwerte wirklich sinnvoll? Ist die NOx-Konzentration in den Städten wirklich gefährlich für die Gesundheit der Menschen und sterben wirklich jedes Jahr so viele Menschen daran? Welchen Anteil verursacht eigentlich der Pkw-Verkehr und um wie viel wird es besser, wenn ich den limitiere? Will ich den Verkehr immer limitieren oder nur an bestimmten Tagen - und woran mache ich das dann fest? Messwerte? Großwetterlagen? Geht es der Deutschen Umwelthilfe eigentlich um die Umwelt oder um die Gesundheit der Menschen oder am Ende doch nur ums Geld? Sind EU6-Diesel wirklich so viel besser als EU5-Diesel? Welchen Anteil haben die VW-Schummeldiesel? Um wie viel besser wird das Dilemma, wenn die Autos hochgerüstet werden? Bringt die Nachrüstung der Hardware so viel mehr als nur die Nachbesserung bei der Software? Helfen Fahrverbote überhaupt? Und wenn ja, was bringt es, wenn man nur die am höchsten belasteten Straßen sperrt und der Dreck im Zweifelsfall ein paar Straßen weiter entsteht? Was ist höher zu bewerten, die Einhaltung der Grenzwerte oder Ausnahmegenehmigungen für Anwohner und Handwerker, um nicht zu stark in deren Leben einzugreifen? Sind die bisherigen Messmethoden in den Städten überhaupt geeignet, ein unverzerrtes Bild von der NOx-Belastung wiederzugeben?) All das und noch viel mehr muss geklärt werden, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass etwas getan werden muss. Jetzt hat das Gericht festgelegt, dass Fahrverbote eine Möglichkeit sind, das Thema anzugehen. Und wenn es tatsächlich zu Fahrverboten kommt, dann muss man auch über Möglichkeiten nachdenken, die entsprechenden Autos zu identifizieren und das ganze zu überwachen. Die blaue Plakette wäre eine Möglichkeit. Ob des eine gute ist, weiß ich nicht. Davon habe ich in meinem vorherigen Beitrag eigentlich auch gar nichts geschrieben.
Ich wollte u.a. nur einmal mehr meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, dass jetzt die Erwartungshaltung an die Automobilindustrie ist, hunderttausende Autos auf eigene Kosten mit neuer Hardware nachzurüsten, die angeblich pro Fahrzeug bis zu 3000€ kostet. Mit welcher Legitimation denn?
Nochmal: Es gibt unterschiedliche Emissionsgrenzwerte in den einzelnen Abgasnormen, von gar nichts über EU1 bis hin zu EU6. Jetzt hat man festgestellt, dass alles kleiner als EU6 nicht dazu geeignet ist, die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Jetzt unterstellen wir mal, VW aktualisiert all seine "Problemfahrzeuge" (über die Nebenwirkungen möchte ich jetzt nicht auch noch eine Diskussion aufmachen, obwohl wir ja eigentlich genau deshalb diesen Faden hier angefangen haben), und in Kürze macht jeder EU5-Diesel, was er soll. Das reicht aber trotzdem nicht, um die Stickoxid-Grenzwerte in den Städten einzuhalten. Jetzt gibt es mittlerweile zum Glück einen technischen Fortschritt, der das Einhalten von EU6-Grenzwerten erlaubt. Diese Technik kann man eventuell auch in bestehende Fahrzeuge nachrüsten. Warum aber soll der Hersteller dafür bezahlen?
Noch ein Beispiel fällt mir gerade ein: Den BMW 730d (F01) gab es mal eine Zeit lang als EU5-Modell, man konnte ihn optional aber auch schon mit der Abgasnorm EU6 bestellen. Das hat seinerzeit meine ich über 1000€ Aufpreis gekostet. Keine Ahnung, ob das oft bestellt wurde. Wenn ich jetzt also so einen EU5-7er hätte und den nachträglich auf EU6 umbauen lasse, kann ich dann wirklich vom Hersteller erwarten, dass er mir das schenkt, weil ich seinerzeit keine Lust hatte, den Aufpreis zu bezahlen? Aus welchem Grund? Weil VW zwischenzeitlich betrogen hat?
Ich möchte meinen Monolog jetzt beenden, bevor er epische Ausmaße annimmt. Nein, ich habe keine allumfassende Lösung für diese ganzen Probleme und Fragen. Ich plädiere aber einmal mehr dafür, die Dinge seriös und differenziert zu betrachten, anstatt halbgare Scheinwahrheiten nachzuplappern (das bezieht sich ausrücklich nicht auf Beitrag #113, um hier Missverständnissen vorzubeugen).
Schöne Grüße
ThomasOffizieller Finisher der "r-l-x-Triathlon-Challenge 2020"- und "521 Tage im November - die Lockdown Streak Running Lauf-Challenge"
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Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist.
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