Fragen und Antworten zusammegestellt vom Online-Redaktionsteam der Rheinischen Post
Die Fragen zum Skandal-Spiel
VON G. COSTA, S. GEILHAUSEN UND C. SCHWERDTFEGER -
Die Verantwortlichen von Hertha BSC Berlin erheben schwere Vorwürfe gegen den Schiedsrichter und fordern ein Wiederholungsspiel. Der Deutsche Fußball-Bund verhandelt ab morgen über den Fall. Die Politik fordert schnelle Veränderungen.
Muss das Spiel wiederholt werden?
Unwahrscheinlich. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wird über mögliche Sanktionen intensiv beraten. Nach Informationen unserer Zeitung gilt als ein wahrscheinliches Szenario: Fortuna Düsseldorf wird zu einem Geisterspiel (keine Zuschauer) und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Laut Regelwerk wurde das Spiel von Schiedsrichter Wolfgang Stark ordnungsgemäß beendet. Ein Einspruch von Hertha hat deshalb kaum Chancen auf Erfolg.
Wird die Bundesliga jetzt mit Hertha von 18 auf 19 Klubs aufgestockt?
Darüber müsste die Sportgerichtsbarkeit entscheiden. Morgen beginnt die Verhandlung in Frankfurt. Aktuell sieht es nicht danach aus, dass Hertha ein zusätzlicher Platz eingeräumt wird.
Wie argumentiert Hertha?
Rechtsanwalt Christoph Schickhardt, der die Berliner juristisch vertritt: "Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel einwirken, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden. Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation – man hat von einem Blutbad gesprochen – zu verhindern. Es war ein irreguläres Spiel."
Was sagen die Ordnungskräfte?
Die Polizei verwahrt sich gegen die Darstellung des Anwalts von Hertha. Nachdem der Innenraum wieder frei gewesen sei, habe der Schiedsrichter den Einsatzleiter nach Einwänden gegen eine Fortsetzung gefragt. Dieser habe versichert, dass es keine Bedenken gebe. "Und das war's", sagt der Düsseldorfer Polizeipräsident Herbert Schenkelberg.
Wieso musste das Spiel überhaupt zweimal unterbrochen werden?
Zunächst sorgten Chaoten aus Berlin um 21.46 Uhr für eine Zwangspause, als sie verbotene "Bengalos" zündeten und Leuchtraketen auf das Spielfeld feuerten. Schiedsrichter Stark ließ die Gemüter abkühlen und dann weiterspielen. Um 22.27 Uhr, 67 Sekunden vor dem Schlusspfiff, stürmten Fans auf das Feld.
Warum haben ausgerechnet Anhänger von Fortuna vorzeitig den Platz gestürmt?
Die Fans dachten nach einer Szene im Strafraum der Berliner, Stark habe die Partie abgepfiffen. Tatsächlich hatte er aber auf Abstoß entschieden. Nach dem wiederholten Spielabbruch konnte es erst nach 22 Minuten weitergehen.
Wie konnten die Zuschauer so einfach auf den Rasen gelangen?
Der Masse von Fans, die von den Tribünen in den Innenraum drängten, konnte von den in der Anzahl deutlich unterlegenen Ordnern nicht zurückgehalten werden. Das Sicherheitspersonal sei gehalten, in solchen Situationen die Tore zu öffnen, damit durch den Druck der Massen keine Menschen gefährdet würden, sagte ein Sprecher des Sicherheitsunternehmens Klüh. 900 Ordner seien eingesetzt gewesen.
Wie konnten trotz Kontrollen Feuerwerkskörper und Leuchtraketen ins Stadion geschmuggelt werden?
Die Sicherheitskräfte sind bei den Einlasskontrollen in der Regel überfordert. "Es fehlt bei dem Tempo, in dem der Einlass erfolgt, an Zeit, Aufmerksamkeit und Konzentration", räumt der Klüh-Sprecher ein. "Kontrollen wie am Flughafen böten deutlich mehr Sicherheit, aber dann müssten die Fans drei Stunden früher im Stadion sein." Zum Teil werden Fans nur stichprobenartig oder nur im Verdachtsfall nach Waffen und Knallkörpern kontrolliert.
Hat das Sicherheitskonzept der Ordnungskräfte in Düsseldorf versagt?
Aus Sicht der Polizei hat der Einsatz funktioniert: Der befürchtete Sturm der Hertha-Fans auf den Platz, für den es konkrete Hinweise gegeben habe, sei verhindert worden, ebenso wie Zusammenstöße zwischen Fortuna-Fans und dem Hertha-Anhang. Beim Sicherheitsdienst dagegen wird man sich Fragen stellen müssen. Schließlich sind die Ordner des Unternehmens rund um das Spielfeld postiert, auch um frühzeitig zu erkennen, dass sich Fans aus den Blöcken zum Innenraum bewegen.
Werden die "Rasen-Schneider" bestraft?
Nur wenn der Veranstalter Anzeige erstattet – dann muss die Polizei wegen Sachbeschädigung ermitteln. Düsseldorf wird zunächst abwarten, wie das Urteil der Sportgerichtsbarkeit ausfällt. Zu erwartende finanzielle Sanktionen könnte sich der Verein in einem Zivilverfahren von den Anhängern zurückholen.
Was unternimmt der DFB?
Der größte nationale Sportfachverband der Welt steht dem Problem mit gewaltbereiten Fans relativ hilflos gegenüber. Der DFB appelliert vor allem an die Vernunft der Fans, auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu verzichten. Ein ziemlich hilfloses Signal.
Was fordert die Politik?
Wolfgang Bosbach, Innenausschussvorsitzender des Deutschen Bundestags und Sicherheitsbeauftragter des Zweitligisten 1. FC Köln, erklärte unserer Zeitung: "Angesichts der Vorfälle in Köln, Karlsruhe und Düsseldorf können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. DFL, DFB, Sicherheitsbehörden, Fanvertreter und Politik müssen sich dringend zusammensetzen und überlegen, wie die Sicherheit in den Stadien erhöht werden kann." Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) betonte, die Vereine müssten ihren Fans klar machen, dass Gewalt nicht geduldet werde.
Kann man noch mit sicherem Gefühl ins Stadion gehen?
Die Arenen hierzulande gelten als die sichersten und modernsten der Welt. Sie werden von der Polizei mit Kameras überwacht. Dennoch kommt es gelegentlich zu Ausschreitungen, meist bei sogenannten Risikospielen zwischen rivalisierenden Vereinen mit deren verfeindeten Fangruppen. Das ist aber die Ausnahme.
Quelle: RP
Ergebnis 1 bis 20 von 1942
Thema: 2. Bundesliga 2011/12
Baum-Darstellung
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17.05.2012, 13:37 #11

Rheinische Grüße, Frank
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