Da auch ich zu den Älteren hier gehöre, war ich in den"besten Jahren" als die Mauer fiel. Auch wir hatten viel Verwandtschaft in der DDR und somit mit den Problemen dort gut vertraut.

Dienstlich begründet war ich nach dem Mauerfall mit westlichen Spitzenpolitikern im Osten. Anfänglich immer mit Begleitung von Kollegen der Staatssicherheit, die bei den ersten Besuchen mit uns überhaupt nicht sprachen. Erst nach mehreren Besuchen waren sie vorsichtig bereit außerdienstliche Gespräche zu führen. Bei jedem Besuch fehlten dann wieder ein zwei der Kollegen. Bei Nachfrage kam dann "Die sind nicht mehr im Dienst", was einen so oder so nicht kalt liess.

Bei einem Besuch im Verteidigungsministerium in Straußberg habe ich nach meiner Cousine gefragt, die dort arbeitete. Man merkte, welche Überwindung dazu gehörte, dem ehemaligen "Klassenfeind" Auskunft zu geben, aber mir wurde dann gesagt, wo ich sie finde. Das folgende Gespräch mit meiner Cousine, die ich mit 6 einmal gesehen hatte, ließ mich völlig ratlos zurück. Mit typischer westlicher Naivität wollte ich mal Guten Tag sagen und traf auf eine Frau, die damals alle Fälle wegschwimmen sah und mich 10 Minuten lang beschimpfte. Es dauerte zwei Jahre, bis wir wieder zusammen kamen und normal miteinander reden konnten. Sie behielt übrigens ihren Job und bekam nach ca. drei Jahren eine Auszeichnung für ihre herausragende Mitarbeit beim Zusammenführen der beiden Armeen.

Das war jetzt nur ein Wimpernschlag der Erlebnisse damals und ich bin froh, trotz aller Probleme bis heute, dass es so gekommen ist. Viele Familien haben die Vereinigung ganz persönlich erlebt und dort gitb es nur Freude, jedenfalls bei uns.

So, das war das Wort zum Montag