Percy, die Frage ist, ob es wirklich zu einer Sättigung des Marktes gekommen ist?
Es gab 2-3 Jahre einen Rückgang der Verkäufe, aber jetzt geht es wieder bergauf.
Weltweit gibt es über 16,5 Millionen sogenannter High-Net-Worth-Individuals, die über eine Millionen Vermögen haben plus ihr jährliches Einkommen. Und diese Gruppe wächst seit Jahren beständig.
https://www.economist.com/news/econo...th-individuals
Dazu kommen vermutlich noch deutlich mehr Menschen, die zwar keine Millionen Vermögen haben, aber ein Netto-Einkommen im Sechsstelligen Bereich. Und diese Menschen können sich - wenn sie denn möchten, alle 1-2 Jahre eine Uhr für 10-15K leisten.
Alle Top-Uhrenmarken zusammen werden vermutlich pro Jahr keine 1 Millionen Stück fertigen bei geschätzt weit über 20 Mio. potenziellen Kunden weltweit.
Ich denke, wir erleben gerade einen völlig anderen Trend: viele Uhrenhersteller hatten vor 10 Jahren jede Menge Uhren im Angebot, die preislich eher im Premiumsegment angesiedelt waren und so auch für Menschen mit z.B. 4000 bis 6000 Euro Nettoeinkommen erreichbar waren. Durch die hohen Preiserhöhungen der letzten Jahre positionieren sich immer mehr Marken konsequent im Luxussegment, das für eine Vielzahl der Menschen nicht mehr erreichbar ist und vermutlich auch gar nicht erreichbar sein soll, um eine zunehmende Exklusivität sicherzustellen.
Hier finde ich einen Vergleich mit der Autoindustrie ganz passend. BMW, Audi und Mercedes sind für viele gutverdienende Menschen erreichbar. Wie viele aber können sich einen 911er, Ferrari etc. leisten? Und genau in dieses Marktsegment sehe ich viele der Top-Uhrenmarken "wandern" - das ist dann wirklicher Luxus und nur für relativ wenige möglich. Ein frei verfügbarer Betrag von 300-500 Euro im Monat zum Sparen reicht da nicht mehr aus.
Schade für alle, die Uhren als Hobby haben, sich aber die Preise heute auf Dauer nicht leisten wollen oder können.
Andererseits gibt es so viele faszinierenden Uhren aus der Vergangenheit, die zu attraktiven Preisen zu haben sind. Man muss sich nur davon lösen können, der Masse hinterherzulaufen und stets auf zB die neueste Rolex oder Einsteiger-Patek zu schielen, sondern sich Uhren zu kaufen, die einem wirklich selbst gefallen und nicht anderen gefallen sollen.
Vielleicht wäre es für dieses Forum spannend, künftig gar nicht mehr so viel Fokus auf neue Uhren zu legen bei Vorstellungen von Messen etc, sondern sich vermehrt auf tolle Uhren aus den 90er Jahren und den Anfängen der 2000er Jahren zu konzentrieren.
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25.02.2018, 16:22 #1Viele Grüße
Ralf
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25.02.2018, 16:40 #2
Von einer Sättigung des Marktes sprach ich auch nicht. Mein Post war nur auf die Sättigung der (bisherigen) Stammkundschaft bezogen, die Gerzo ansprach.
Ansonsten, ja, das stimmt schon, dass sich die Hersteller in den letzten Jahren dahingehend positioniert haben. Aber die momentane, wieder gegensätzliche Entwicklung des Produktportfolios lässt eher darauf schließen, dass das für den überwiegenden Teil der Hersteller eben gerade nicht aufging.
Klar, Firmen wie Patek, AP oder Richard Mille betrifft das eher weniger und auch in den Rolex Chefetagen dürfte man da die Stirn nicht in Falten legen.Gruß Percy

"Ferner wird hier auch auf Ihrem Profil sehr viel Diversität benötigt."
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25.02.2018, 17:33 #3
Wenn man den gelegentlich hier und anderswo zu lesenden Zahlen glauben schenken mag, dann kommen Rolex und Omega allein schon auf deutlich über 1 Mio. Uhren pro Jahr.

Und von den erwähnten 20 Mio. potentiellen Kunden sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle jungfräulich, was den Besitz einer oder mehrerer Uhren aus dem Luxussegment angeht, wie viele da schon genug haben und deshalb nicht mehr zum Kreis der potentiellen Käufer zu zählen sind, vermag zumindest ich nicht beurteilen.
Wo die Reise hingehen wird, fällt mir schwer vorzustellen. Sowohl der Ansatz des "immer währenden Bedarf auch in der Zukunft" wie auch "der Wandel der Zeit und die daraus resultierende, perspektivisch nachlassende Freude an der Technik von gestern" haben gute Argumente für und gegen sich.
Wenn man manchen Zukunftsforschern (oder wie auch immer man die Leute nennt) glauben schenken mag, dann werden Werte wie Freizeit, Familienzeit, Erlebnisse und Erfahrungen sammeln in der westlichen Welt nach und nach das Sammeln von materiellen Dingen ablösen, getreu dem Motto "Lieber ein schönes Erlebnis als eine schöne Uhr". In der heute nachwachsenden Generation ist beispielsweise das Thema (Luxus-) Auto auch bei weitem nimmer so spannend und erstrebenswert wie zu Zeiten, als vielleicht viele von uns aufgewachsen sind. und eine Uhr ist da auch nicht weit weg von dieser Entwicklung. Wir werden sehen... Zumindest wird ein solcher Wandel sicherlich nicht schnell von statten gehen, in welche Richtung auch immer. Eher im Verlauf von Jahrzehnten als von Jahren. Meine ich zumindest.Nicht das Erzählte reicht - nur das Erreichte zählt!
Beste Grüße,
Matthias
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25.02.2018, 23:18 #4
Vielleicht sind 1 Mio. Uhren ein wenig niedrig geschätzt. Rolex hatte ich mit ca. 800.000 angesetzt. Dazu Lange, AP, Patek, Breguet, VC, JLC und noch einige kleinere Marken. Omega, IWC, Panerai, Breitling, Tag Heuer und Co. zählte ich nicht dazu. Diese würden zwar gerne Top Marken sein, schaffen das aber aufgrund des Shareholder-Value-Drucks nicht, in die richtige Richtung zu gehen. Nur Preise anheben reicht da leider nicht. Aber das ist ein Thema für sich.
Viele Grüße
Ralf
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