Inwiefern und ob überhaupt bei solchen Dingen Corporate Governance Mechanismen eingegriffen hätten und ob die überhaupt ausreichende Kompetenz und Mittel dazu gehabt hätten, treibt mich dabei am meisten um.
Ich kenne die Motorenhomologation nicht von innen, jedoch die Schadstoffprüfungen aus den Interieurs und da läuft das eher nach Vertrauen als nach Prüfung ab. Die Prüfungen für die Interieurs hätte ich auch be********* können und es hätte niemand gemerkt - einfach, weil keiner fragt.

Auf der anderen Seite gehts hier nicht um einen Einzelfall eines einzelnen Modells, die schließlich allesamt die Homologation einzeln durchlaufen müssen. Insofern könnte man eine gewisse Systematik unterstellen. Wenn nicht wissentlich und willentlich, dann durch Fehler im System. Ich könnte mir vorstellen, dass die Homologationsabteilungen der VW-Konzern-Hersteller bei ihren eigenen Prüfungen nie den Realfall auf der Straße untersucht haben, sondern nur den Prüfffall auf dem Prüfstand und so gar nicht involviert waren oder gar nicht wussten, was da aus der Motorenentwicklung geliefert wurde.

Gleichzeitig muss es ja ein Ziel gegeben haben, nämlich eine Senkung des Kraftstoffverbrauchs, weil man die Speicherkats nicht so häufig reinigen wollte, bzw. Senkung des SCR-Verbrauchs, weil man dem Fahrer nicht so häufig das Nachkippen der Brühe zumuten möchte. Da wirds für mich spannend: Wer wollte das, warum wollte er das, auf welcher Ebene fiel diese Entscheidung und war den Beteiligten der Rechtsverstoß bewusst? Letztes kann man fast nicht ausschließen, selbst bei positivstem Menschenbild.

Insofern halte ich das von Miguel geschilderte Szenario schon für möglicherweise treffend.
Eine andere spannende Frage wäre, wann dieser Zielkonflikt entstanden ist. Ich halte es auch für möglich, dass die ersten ausgelieferten Fahrzeuge keine Probleme hatten, jedoch einen erhöhten Diesel- und SCR-Verbrauch und dann einfach die Ansage kam, dass das nachzubessern ist.