Super Percy:gut::dr:
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Super Percy:gut::dr:
Gut geschriebener Artikel! Bin gespannt, ob sich das jetzt seit langem etablierte System auflöst. Würde man ja schnell merken, wenn auf C24 keine neuen, ungetragenen Uhren mehr auftauchen.
Haben du und Jan gestern zusammen gesessen Percy ? ;)
https://www.fratellowatches.com/cert...owned-watches/
Die Grauen werden es jedenfalls zunehmend schwerer haben. Wenn ich da an frühre Zeiten denke, da konnte man fast jede Sporty umgehend beim Grauen 10-12 Punkte unter Liste bekommen.
Durch die Margenkürzung Rolex - Händler können die Grauen nicht mehr ganz so stark unter Liste anbieten. Dann noch die Problematik, dass in neuerer Zeit zunehmend sehr gute Fakes von Neuuhren mit B&P auftauchen. Jetzt blasen die Hersteller zum Angriff.
Kann mir vorstellen, dass es den Graumarkt in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird.....
So sehe ich das auch Jürgen und die Grauhändler haben noch ein anderes Problem, nämlich das gleiche wie die ganzen Vintagehändler dort draußen, es werden / wurden immer mehr.
Viele die auch nur etwas Ahnung von der Materie hatten, kein Bock mehr den schlecht bezahlten Job nachzugehen und etwas Kapital in der Tasche, fühlten sich zum "staatlich ungeprüften Uhrendealer" berufen. Es gibt da eine alten Spuch: "Dummheit ist immer wieder das selbe zu tun und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten".
Viele Graue haben sich bereits jetzt schon auf eine veränderte Situation eingestellt, ob eigenes Ladenlokal, Erweiterung der Produktpalette, Ankauf von Gebrauchtuhren, Serveiceleistungen wie eigenen Uhrmacher usw. Das alles steht den fliegenden Vintagehändlern noch bevor. Am Ende überleben die guten, die schon vor mehr als 10 Jahren ihre Hausaufgabe gemacht haben.
Ganz so einfach wird das nicht passieren. In Bezug auf gut nachgefragte Modelle ließe sich der Graumarkt sicher schnell austrocknen. Was aber passiert mit der Menge an Uhren im Sortiment jedes Herstellers, die lange liegen? Ohne Graue müssten die Hersteller die alle zurücknehmen oder ihr Sortiment stark bereinigen.
Das komplette Vermarktungssystem lässt sich m.E. nur ändern, wenn Hersteller sich wieder auf die Funktionsmechanismen von wirklichem Luxus besinnen und Menge hinten anstellen. Die Kapazitäten sind aber da.
Bei nicht-börsennotierten Firmen wie PP, AP und Rolex kann das klappen, beim Rest eher nicht.
Mit dieser Einschränkung bestätigst Du das was Jürgen und im Prinzip auch ich geschrieben habe. Denn genau diese Marken sichern neben Omega das "Grundrauschen" eines jeden Uhren- und auch Gruhändler.
Schau Dir an, wieviel Graue momentan bereits auf Gebrauchtuhren gehen... Es wird sich alles verändern und der Prozess hat durch Margenkürzung und Verknappung schon begonnen.
Was leider im Text vom Autor nur angeschnitten wurde ist die Tatsache, dass die Preise ein Niveau erreicht haben, zu dem Kunden langsam nicht mehr fähig sind (wollen/können) zu kaufen.
Die Hersteller sollten sich mal Gedanken machen, wie sie das wieder ins Lot bekommen. Oder bin ich der einzige, der keine Gehaltssteigerung in der gleichen Größenordnung wie die Preissteigerung der Uhren bekommt?
Auch ne spannende Frage. Hier müssen die Hersteller wohl erstmal entscheiden, in welchen Marktsegmenten sie anbieten möchten.
Bei den jährlichen Mengen zB bei PP, Lange und AP halte ich die Preise insgesamt nicht für zu hoch. Das ist Luxus pur und für mich vergleichbar mit einem 911er oder auch darüber. Diese Marken würden einen Fehler machen, wenn Sie die Preise nicht so hoch halten wie sind.
Schwierig wird es bei den Marken in der Mitte mit 6-stelligen Produktionszahlen im Jahr. Hier werden einige justieren müssen - Menge oder Preis. Das hängt aber auch von der Stärke der jeweiligen Marke ab. Rolex zB kann aus meiner Sicht die Preise auch weiter anheben. Die Nachfrage weltweit ist hoch genug und das Geld vorhanden. Das kann dann allerdings dazu führen, dass sich etliche bisherige Käufer eine Rolex nicht mehr leisten können oder wollen. Aber für Rolex dürfte das kein Problem sein, solange die Nachfrage stimmt und dadurch Exklusivität und Begehrlichkeit steigt.
Für Marken wie Breitling oder Panerai hingegen könnte es schwierig werden, weiter an der Preisschraube zu drehen, ohne Volumen zu verlieren.
Oh, aber da sind sie doch gerade schon mittendrin und zum Teil bereits schwer dabei, das zu tun.
Siehe auch https://www.luxify.de/sihh-2018-mess...ueckbesinnung/
da bin ich mal gespannt, wie das weitergeht.
Für mich persönlich ist der aufgerufene Preis beim Grauen nicht das Wichtigste (da ist zur Zeit eh kaum ein großer Unterschied zum Konzessionär) sondern mir geht es eher um die Verfügbarkeit bestimmter Modelle, wie zum Beispiel die der 126600. Ich kann nicht jedes Jahr Uhren im sechsstelligen Bereich kaufen, nur um mir einen gewissen Stand beim Konzi (und ja, ich habe bestimmt 15 Uhren beim Konzi gekauft, auch GG, StG, Rolex und Panerai, alles beim gleichen) zu erkaufen und es widerspricht meiner Natur dort zu buckeln, selbstgebackene Kekse vorbeizubringen und wieder und wieder nach dem Modell zu fragen, nur um dann gnädigerweise in 6 Jahren nach Einhergehen der dritten PE eine "zugeteilt" zu bekommen. Da nehme ich lieber 10 Punkte über LP in Kauf und habe sie dafür zeitnah (binnen 2 Tagen!) am Arm. Dafür zahle ich beim nächsten Edelmetall-Modell weniger als beim Konzi. Bisher verlief eine Inzahlungnahme auch immer fair. Leben und Leben lassen.
Und es glaubt sicher niemand hier, dass sich für die meisten von uns etwas an der Liefersituation bei der SD50 oder D beim Wegfall der Grauen signifikant ändern würde?!
+1 Frank! :gut:
Wenn die Grauen wegfallen, wird aber der Uhrenabsatz insgesamt auch fallen. Es kauft doch kein Privatkäufer mehrere Uhren im Paket, vor allem auch die weniger gefragten.
Die Hersteller müssten auch viel mehr auf den jeweiligen Markt eingehen. Die Grauen sind doch ein bequemer Weg die Fehlproduktion abzuverkaufen, und die Marktanteile hoch zu halten.
Wenn die Uhren bis zum Verkauf Eigentum der Hersteller wären, und der Konzi nur eine Verkaufsprovision bekäme, würden die Hersteller auch erstmal nachdenken was sie produzieren, der Graumarkt wäre aber sofort weg (bei Neuuhren). Von den Margen wäre das kein Problem, zur Not dünnt man die Anzahl der Uhren in der Auslage eben etwas aus. Und häufig muss man doch auch jetzt schon auf die Uhr warten, da ändert sich für den Kunden erstmal nichts.
Das man es nicht tut, liegt meiner Meinung nach daran, dass man den Graumarkt durchaus will. Die Grauen sind gegenüber Fakes das deutlich kleinere Übel. Bei Mode sind neue Vertriebskanäle über Internet oder Outlets nicht mehr wegzudenken. Welcher Hersteller kappt schon einen funktionierenden Vertriebskanal (das sind die Grauen nämlich) ?
Was die Ladenhüter angehen, irren hier manche. Zumindest hier in D bleiben nicht viele Modelle liegen. Bi u Edelmetall gehen auch Top. Ok, die eine oder andere Pearlmaster liegt etwas länger. Aber dafür braucht es keine Grauhändler. Für Daytona u Sub in SG gibt es auch teilweise Wartelisten. Die liegen auch nicht bei jedem zweiten Konzi im Fenster......
Unglaublich aber wahr: die Uhrenwelt besteht aber auch nicht nur aus Rolex. ;)
:rofl::gut:
und neben Deutschland gibt es noch ein paar andere Märkte.
Die Schweizer exportieren gerade mal gut 5% ihrer Uhren nach D.
Im Januar gingen die Schweizer Exporte in die Welt übrigens deutlich hoch mit +12,6%.
Nach Deutschland wurden hingegen 4,1% weniger geliefert.
Hier scheint also tatsächlich immer mehr die Lust zu vergehen - dafür kaufen andere deutlich mehr.
Was viele Uhrenhersteller immer wieder vergessen: der Kunde sollte Mittelpunkt sein. Dann klappt es auch langfristig. Wenn nicht, gibt es eine Lücke, die in einer freien MArktwirtschaft selbstverstaendlich eine eigene Dynamik entwickelt.
Mich stört ungemein, wie zentralplanerisch die Konzerne ihr selbst geschaffenes Problem aus der Welt zu schaffen suchen. Von der einen zentral geplanten in die nächste zentral geplante Richtung.
Die Grauen sind Überlebenskünstler. Sie überleben einzig und allein, weil sie dem Kunden etwas bieten können - das die OEMs und Konzis nicht bieten wollen - oder können. Von daher - schau mer mal...
Exporte generell oder bezogen auf die Uhrenindustrie?
Das Problem ist doch, dass es eines gibt.
Die Hersteller merken, dass es schwer wird und versuchen jetzt irgendwie die Löcher zu stopfen.
Nur löst das nicht das eigentliche Problem.
Nachwuchsmangel & Sättigung der älter werdenden Stammkundschaft.
Stellt Euch mal vor, in 10 Jahren werden viele der wunderschönen Sammlungen als Erbmasse den
Markt fluten, klar wird der Haupterbe eine Patek für sich behalten, aber die anderen Kronen etc.
kommen unters Volk. Wo die schönen Stücke dann wieder auf Nachwuchsmangel und eine stetig kleiner
werdende und total gesättigte Stammkundschaft trifft.
Deshalb glaube ich, dass die Preise sich in einigen Jahren extrem entspannen werden, völlig unabhängig davon,
wer die Uhren verkauft.
Meine 5 Cent.
DASS es zu dieser Sättigung kommt, hat aber halt auch was mit der massiven Erhöhung der Listenpreise zu tun. Das ist Seitens der Kunden ja nicht ganz freiwillig.
Wenn ich mir jeden Monat - keine Ahnung, sagen wir rund 300 Euro beiseite legen kann, dann kann ich mir jedes Jahr eine Uhr im Preissegment 3,5-4k leisten. Kosten die Uhren dann auf einmal 7k, 10k oder gar 14k, was bei normalen Modellen der großen Hersteller inzwischen ja auch keine Seltenheit mehr ist, geht das halt nur noch alle zwei, drei oder vier Jahre.
Solange immer neue Märkte auftauchen, die die immer höheren Produktionen aufsaugen, passt das ja für die Hersteller wunderbar. Fällt das weg, gibt's ein Problem. Ich denke, das ist - neben dem Secondary Market - das spannendste Thema. Wie schafft man es, wieder in ein vernünftiges Preis-Segment zurückzukommen, ohne das Gesicht zu verlieren....
Es ist, denke ich, den aktuellen Kunden kaum zu vermitteln, wenn die Preise spürbar sinken würden...denn wer 10k für eine Uhr gezahlt hat, wird kein Verständnis haben, wenn das Nachfolgemodell (womöglich nachgefragter...technisch besser...) nur noch 8k kosten würde.
Bspw. in der Elektrobranche (TV usw.) hat das geklappt...aufgrund Generationenwechsel...aber bei einem Luxusgut?
Ich bin gespannt, wie die Entwicklung sein wird.
Zur Zeit habe ich das Gefühl, dass das nur geht, indem man sichtlich was weglässt, z.B. was Gangreserve, Wasserdichtigkeit oder andere Features angeht, oder, indem man die Uhren weniger aufwändig gestaltet, etwa beim Zifferblatt. Da kann dann der, der für das Vorgängermodell 50% mehr gezahlt hat immer noch sagen ja, aber ich habe ja noch das schöne, alte Modell.
Auf der anderen Seite ergibt's aber auch keinen Sinn, dann Uhren für 5-6k zu haben, die in der optischen Erscheinung eher nach 3-4k aussehen. Es bleibt - echt - spannend..... =)
Ich werfe da mal noch die Bevölkerungsentwicklung in den Raum. Und es erblicken ja nicht alle neuen Erdenbürger in den Entwicklungsländern das Licht d Welt. Um Nachfrage bei Rolex, PP u AP mache ich mir 0 Sorgen. Im Gegenteil, bei gleicher Produktion wird es in 10 o 20 Jahren noch knapper.....
Wer macht den Markt?
Sammler & Flipperer oder "normale" Menschen, die sich mal eine wertvollere Uhr gönnen wollen?
Ich denke, die Letztgenannten.
Und da bin ich zu 100% bei Percy, die verdienen nicht genug und sind nicht "leidenschaftlich" genug,
um so viel zu kaufen, damit es der Luxusuhrenindustrie weiterhin blendend geht.
Am Ende ist es doch egal, wem man letztes Jahr ne Uhr für 10k verkauft hat, der hat sie ja bezahlt und
wenn das Nachfolgemodell nur 7k kostet, kommt ein neuer Kunde und dem Graumarkt ist auch der Wind aus
den Segeln genommen.
Da ist einfach inzwischen zu viel Gier im Markt - bei allen Beteiligten;-)
Viele Junge (u30) tragen heute gar keine Uhr mehr, oder wenn ein Fitnessarmband. Die haben keinen Bezug zur Uhr als Sammelobjekt, folglich fallen Sie als künftige Kunden weitestgehend aus, oder werden als Erben Verkäufer. Das kann ganz schnell gehen, vgl. Briefmarkensammlungen.
Weltweit wird der Reichtum eher ungleich verteilt. Die wenigen, die sich da teure Uhren leisten können, können auch zu Edelmetall greifen, ob die große Menge an Stahluhren da Käufer findet, wird spannend.
Ja, das Argument liest man öfter. Aber ist es auch wahr? Man muss ja auch sehen, dass für die überwiegende Anzahl an Menschen immer schon eine Uhr nur Mittel zum Zweck war. Wenn all diejenigen nun statt irgendeiner 10-200 Euro Modeuhr keine Uhr mehr tragen oder auf eine Smartwatch umsteigen, dann tut das den Luxusherstellern nicht wirklich weh.
Ihre Aufgabe ist es - wie vorher auch schon - den Nachwuchs "geil" zu machen auf das Produkt mechanische Armbanduhr. Und immer wieder, diese dann interessierten Uhren-Newbies holt man in einem Preisbereich ab, der für sie halbwegs erreichbar erscheint. Und der beginnt eben nicht bei 7-12k.
Exporte der Schweizer Uhrenindustrie.
-> http://www.fhs.swiss/eng/statistics.html
Danke! Sehr sehr interessant. Speziell auch die Entwicklung in UK und Frankreich.... 8o
Percy, die Frage ist, ob es wirklich zu einer Sättigung des Marktes gekommen ist?
Es gab 2-3 Jahre einen Rückgang der Verkäufe, aber jetzt geht es wieder bergauf.
Weltweit gibt es über 16,5 Millionen sogenannter High-Net-Worth-Individuals, die über eine Millionen Vermögen haben plus ihr jährliches Einkommen. Und diese Gruppe wächst seit Jahren beständig.
https://www.economist.com/news/econo...th-individuals
Dazu kommen vermutlich noch deutlich mehr Menschen, die zwar keine Millionen Vermögen haben, aber ein Netto-Einkommen im Sechsstelligen Bereich. Und diese Menschen können sich - wenn sie denn möchten, alle 1-2 Jahre eine Uhr für 10-15K leisten.
Alle Top-Uhrenmarken zusammen werden vermutlich pro Jahr keine 1 Millionen Stück fertigen bei geschätzt weit über 20 Mio. potenziellen Kunden weltweit.
Ich denke, wir erleben gerade einen völlig anderen Trend: viele Uhrenhersteller hatten vor 10 Jahren jede Menge Uhren im Angebot, die preislich eher im Premiumsegment angesiedelt waren und so auch für Menschen mit z.B. 4000 bis 6000 Euro Nettoeinkommen erreichbar waren. Durch die hohen Preiserhöhungen der letzten Jahre positionieren sich immer mehr Marken konsequent im Luxussegment, das für eine Vielzahl der Menschen nicht mehr erreichbar ist und vermutlich auch gar nicht erreichbar sein soll, um eine zunehmende Exklusivität sicherzustellen.
Hier finde ich einen Vergleich mit der Autoindustrie ganz passend. BMW, Audi und Mercedes sind für viele gutverdienende Menschen erreichbar. Wie viele aber können sich einen 911er, Ferrari etc. leisten? Und genau in dieses Marktsegment sehe ich viele der Top-Uhrenmarken "wandern" - das ist dann wirklicher Luxus und nur für relativ wenige möglich. Ein frei verfügbarer Betrag von 300-500 Euro im Monat zum Sparen reicht da nicht mehr aus.
Schade für alle, die Uhren als Hobby haben, sich aber die Preise heute auf Dauer nicht leisten wollen oder können.
Andererseits gibt es so viele faszinierenden Uhren aus der Vergangenheit, die zu attraktiven Preisen zu haben sind. Man muss sich nur davon lösen können, der Masse hinterherzulaufen und stets auf zB die neueste Rolex oder Einsteiger-Patek zu schielen, sondern sich Uhren zu kaufen, die einem wirklich selbst gefallen und nicht anderen gefallen sollen.
Vielleicht wäre es für dieses Forum spannend, künftig gar nicht mehr so viel Fokus auf neue Uhren zu legen bei Vorstellungen von Messen etc, sondern sich vermehrt auf tolle Uhren aus den 90er Jahren und den Anfängen der 2000er Jahren zu konzentrieren.
Von einer Sättigung des Marktes sprach ich auch nicht. Mein Post war nur auf die Sättigung der (bisherigen) Stammkundschaft bezogen, die Gerzo ansprach.
Ansonsten, ja, das stimmt schon, dass sich die Hersteller in den letzten Jahren dahingehend positioniert haben. Aber die momentane, wieder gegensätzliche Entwicklung des Produktportfolios lässt eher darauf schließen, dass das für den überwiegenden Teil der Hersteller eben gerade nicht aufging.
Klar, Firmen wie Patek, AP oder Richard Mille betrifft das eher weniger und auch in den Rolex Chefetagen dürfte man da die Stirn nicht in Falten legen.
Aber gerade der Vergleich zu der Automobilindustrie hinkt leider. Die Premiumhersteller wurden hier zwar mit dem Topprodukten auch immer exklusiver, haben aber gleichzeitig die Modellpalette untenrum deutlich ausgebaut.
Klar werden 911, Cayenne, S-Klasse und Co immer unereichbarer, aber da sind auch Boxster, Macan und A Klasse dazugekommen. Und in der Summe verkaufen die deutschen Premiumautohersteller heute mehr Autos als vor 20 Jahren.
Gut, jetzt kann man natürlich Swatch als Vorreiter sehen, dann gibt es heute mehr Schweizer Uhren. Aber irgendwie ist das für mich kein Vergleich. Beim Auto fällt mir auf, dass jeder noch so kleine Kundenwunsch als Marktlücke identifiziert wird, und mit Modellen besetzt wird. Man baut also die Autos, für die es Kunden gibt, und man beliefert die auch. Bei den Uhren sehe ich das nicht so, da macht man es unverändert so, wie man es immer gemacht hat.
Und im Sog der Neupreise haben auch die Gebrauchtuhren angezogen, so dass auch hier relativ viel frei verfügbares Monatseinkommen nötig ist. Ich denke, hier sind dann auch mehr Topverdiener im Markt, die sich Ihren Jugendtraum als eine von vielen Uhren dazu kaufen. Die Mittelschicht mit knappen monatlichen Überschüssen sehe ich nicht die „letzten Reserven“ in eine gebrauchte Luxusuhr stecken, die kaufen denke ich lieber neu und deutlich tiefer im Markt. Die fahren auch keine gebrauchte S-Klasse, und die 11er bis zum 993 auch nicht.
Wirklich sehr interessanter Thread, die Standpunkte und Analysen finde ich sehr spannend.
Ich sehe das sehr ähnlich wie Gerzo, was die Stammkunden angeht.
Die Klientel, die sich den Erwerb einer Uhr aus dem Einkommensprozess heraus leistet, wird unter normalem Umständen kein Sammler mehr werden. Dazu reicht das (rel. gute) Einkommen meist nicht, bzw. verlagern sich die Prioritäten.
Junge aufsterebende Gutverdiener werden nicht Bock haben irgendwelche Juweliere im Plüschambiente bitten sie auf eine Liste zu setzen, auf der man evtl. nach 10 Jahren eine Uhr ohne Sekundenstopp für die nächste Generation abholen kann. Die dann auch noch ein paar Tausender mehr kostet, als man zum Bestellzeitpunkt annahm.
Ich bin etwas indifferent, was die Wette bzgl. der von Ralf angesprochenen Klientel angeht. Kann gut gehen, muss es aber nicht.
Wenn man den gelegentlich hier und anderswo zu lesenden Zahlen glauben schenken mag, dann kommen Rolex und Omega allein schon auf deutlich über 1 Mio. Uhren pro Jahr. :grb:
Und von den erwähnten 20 Mio. potentiellen Kunden sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle jungfräulich, was den Besitz einer oder mehrerer Uhren aus dem Luxussegment angeht, wie viele da schon genug haben und deshalb nicht mehr zum Kreis der potentiellen Käufer zu zählen sind, vermag zumindest ich nicht beurteilen.
Wo die Reise hingehen wird, fällt mir schwer vorzustellen. Sowohl der Ansatz des "immer währenden Bedarf auch in der Zukunft" wie auch "der Wandel der Zeit und die daraus resultierende, perspektivisch nachlassende Freude an der Technik von gestern" haben gute Argumente für und gegen sich.
Wenn man manchen Zukunftsforschern (oder wie auch immer man die Leute nennt) glauben schenken mag, dann werden Werte wie Freizeit, Familienzeit, Erlebnisse und Erfahrungen sammeln in der westlichen Welt nach und nach das Sammeln von materiellen Dingen ablösen, getreu dem Motto "Lieber ein schönes Erlebnis als eine schöne Uhr". In der heute nachwachsenden Generation ist beispielsweise das Thema (Luxus-) Auto auch bei weitem nimmer so spannend und erstrebenswert wie zu Zeiten, als vielleicht viele von uns aufgewachsen sind. und eine Uhr ist da auch nicht weit weg von dieser Entwicklung. Wir werden sehen... Zumindest wird ein solcher Wandel sicherlich nicht schnell von statten gehen, in welche Richtung auch immer. Eher im Verlauf von Jahrzehnten als von Jahren. Meine ich zumindest.
Vielleicht sind 1 Mio. Uhren ein wenig niedrig geschätzt. Rolex hatte ich mit ca. 800.000 angesetzt. Dazu Lange, AP, Patek, Breguet, VC, JLC und noch einige kleinere Marken. Omega, IWC, Panerai, Breitling, Tag Heuer und Co. zählte ich nicht dazu. Diese würden zwar gerne Top Marken sein, schaffen das aber aufgrund des Shareholder-Value-Drucks nicht, in die richtige Richtung zu gehen. Nur Preise anheben reicht da leider nicht. Aber das ist ein Thema für sich.
Ich mag mit Dir nicht so weit vom Thema abkommen, lieber Ralf, doch das "Shaeholder-Value-Problem" haben so ziemlich alle außer Rolex, PP und AP. Und selbst die drei produzieren keine Uhren aus einem rein beschäftigungstherapeutischem Ansatz heraus sondern wollen auch, dass sich der Aufwand am Ende auch betriebswirtschaftlich gelohnt hat, selbst wenn das Ergebnis in der eigenen (Stiftungs-) Kasse verbleibt, statt Aktionären einen Anteil daran abgeben zu dürfen.
VC, Breguet, JLC müssen ebenfalls an die Aktionäre denken. Und auch beispielsweise Omega. Panerai, IWC, Cartier, Harry Winston, Roger Dubois nur aufgrund derer Zugehörigkeit zu bestimmten Gesellschaftsstrukturen NICHT zum Luxussegment zu zählen, liest sich für mich irgendwie befremdlich... :grb:
Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich zähle Omega, Panerai und IWC nicht aufgrund ihrer Gesellschaftsstrukturen nicht zum Luxussegment, sondern schlicht aufgrund ihrer Geschäftspolitik inkl. der Positionierung im Markt.
Und zu PP und Co: klar wollen diese Firmen auch betriebswirtschaftlichen Erfolg. Sie können es sich jedoch leisten, langfristig zu denken und dabei auch mal eine gewisse Zeit die Rendite hinten anstellen, wenn sich das langfristig auszahlt. Bei börsennotierten Unternehmen ist das deutlich schwieriger.