Gut, ja. Aber was genau steht da drin?

  • So sollen neue Antriebstechnologien, die Nachrüstung älterer Schiffe und die Versorgung mit Landstrom in den Häfen den Schadstoffausstoß spürbar verringern.
Die ersten LNG-betriebenen Schiffe sind nun auf dem Markt, viele weitere werden in den kommenden Jahren hinzukommen. Es wird schon jetzt mit alternativen Antriebstechnologien experimentiert. Da übernimmt die Kreuzfahrtbranche eine Vorreiterrolle für die gesamte Handelsschifffahrt. Das meine ich jetzt nicht als Lobhudelei, die machen das zum Großteil nicht, weil sie so nett sind, sondern weil sie in den letzten Jahren, gerade in Deutschland, unter Druck geraten sind. Hier geht also bereits was voran. Geht halt alles nur ned von heut' auf morgen.

Diverse ältere Schiffe sind bereits mit Scrubbern nachgerüstet worden, aktuell arbeitet man daran, wie das mit den Schadstoffen belastete Wasser besser gereinigt werden kann. Es ist aber auch klar, dass sich die Nachrüstung nur bei Schiffen lohnt, die noch einige Jahrzehnte vor sich haben. Wir werden in den kommenden Jahren, und da wird die Pandemie wohl tatsächlich etwas ändern, aber viele alte Schiffe sehen, die vorzeitig abgewrackt werden. Einfach weil der Bedarf zurückgeht. Das passiert aber unabhängig von einem Papier einer deutschen Partei.

Landstrom in Häfen klingt auch erstmal gut, da müssen aber a) auch die Häfen mitspielen und b) sollte man nicht unterschätzen, wieviel Strom da gebraucht wird. Wo kommt der her? Wie wird der produziert? Verlagert man damit den Schadstoffausstoß nicht einfach nur?


  • Reisen zu besonders sensiblen Zielen wie Venedig, Dubrovnik oder in die Polarregionen sollen Grenzen gesetzt werden.
Auch hier gab es ja bereits Lösungen vor diesem "Papier". Venedig baut einen neuen Kreuzfahrthafen, sodass die Pötte nimmer an der Stadt vorbei fahren und in Dubrovnik hat man ein System entwickelt, wann welche Schiffe wie lange anlanden können, um die Besucherströme in der Altstadt zu regulieren. Gerade Dubrovnik hat aktuell aber eher ein ganz anderes Problem. Denen fehlen die (zahlenden) Kreuzfahrtschiffe und deren Gäste nämlich massiv und zur Zeit wünscht man sich ziemlich, die würden bald wieder kommen.


  • Die Passagierzahl je Schiff soll weltweit auf maximal 5000 begrenzt werden, für arktische und ähnlich schützenswerte Gebiete auf bis zu 500. In Wismar wird derzeit für einen asiatischen Auftraggeber ein Schiff gebaut, das Platz für 9000 Reisende bieten soll.
Keines der Deutschland regelmäßig anlaufenden Schiffe hat eine Kapazität von über 5.000 Passagieren. Derzeit käme da eh nur die AIDAnova infrage, doch die bleibt im Mittelmeer und auf den Kanaren. Grundsätzlich bin ich ebenfalls kein Fan dieser Menschenmassen, insofern kann ich mich mit dem Vorschlag auch durchaus anfreunden. Nur: je kleiner die Schiffe, desto teurer der Passagepreis. Und somit nimmt man einem Teil der Bevölkerung die Möglichkeit, so einen Urlaub machen zu können. Spielt für mich somit schon ein wenig in Richtung "Verbotspartei", obgleich ich da nicht schon wieder zu politisch werden will.

Das angeführte, derzeit in Wismar im Bau befindliche Schiff, die Global Dream, soll sogar eine Kapazität von 9.500 Passagieren haben! Ich vermute allerdings, bei 2.500 Passagierkabinen ist das eher ein sehr theoretischer Wert, der nur dann zustande kommt, wenn fast jede Kabine mit 4 Personen belegt ist. Da geht's wohl eher um Superlative, die sich in der asiatischen Welt einfach gut machen. Und entsprechend egal wird es denen auch sein, was man hier in Deutschland fordert.

Kommen wir zu den 500 Passagieren in speziellen Gebieten. In der Antarktis ist dies bereits seit Jahren umgesetzt. Hat ein Schiff mehr als 500 Personen an Bord, darf es dort keine Landgänge durchführen. Ähnliches gilt, wenn ich richtig informiert bin, auch für die Arktis. Norwegen verschärft ebenfalls die Auflagen an Kreuzfahrtschiffe. Also ist auch das nicht wirklich eine neue Forderung.


  • Die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung für Schiffspersonal sollen über neue, international verpflichtende Standards verbessert werden.
Tja, an dem Punkt kann ich nur sagen, ja. Wäre schön. Würde mich sehr freuen. Allein, mir fehlt in einer derart global vernetzten Branche der Glaube.


  • Das "Ausreizen von Steuersparmodellen" etwa mit Firmensitzen großer Kreuzfahrtunternehmen in Panama, Liberia oder auf den Bermudas soll auf internationaler Ebene konsequent eingedämmt werden.
Selbiges hier. Sowas kann man fordern, das klingt auch ganz furchtbar gut, aber ich denke, wir wissen alle, dass große Konzerne immer irgend eine Lösung finden werden und es immer Staaten gibt, die da irgendwie mitspielen.


  • Technische Innovationen in der Schiffbaubranche sollen staatlich gefördert, die Zuschüsse aber an Nachhaltigkeitskonditionen geknüpft werden.
Der Punkt erstaunt mich ein wenig, heißt es doch, dass der Steuerzahler den Bau von Kreuzfahrtschiffen finanzieren soll. Da sähe ich dann in Folge durchaus Empörungspotenzial.


Alles in Allem, ja, nette Liste, aber über die meisten Punkte wird in der Branche schon länger nachgedacht und Teile davon werden sogar bereits umgesetzt. Es hat jetzt auch nur sehr begrenzt was mit der Pandemie zu tun.