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  1. #1
    Endgegner Avatar von Donluigi
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    Mmmh, Manufakturwerk. Der Begriff klingt wie ein alter Cognac, der sich in lässiger Welle durch den sanft rotierenden Schwenker mäandert. Der Begriff "Manufakturwerk" an sich ist schon das perfekte Marketingtool. Verströmt es doch alles: bissi Bildungsbürgertum, bissi Unikatcharakter, bissi altehrwürdiges Handwerk. Punktlandung.

    Für mich bedeutet Manufaktur überwiegend Handarbeit. Das Wort selbst sagt das ja aus. Das bieten heute die wenigsten, ist aber okay, da Handarbeit bei Uhren nur bei wirklich speziellen Komplikationen Sinn ergibt und nur für die wenigsten erschwinglich ist. Hier schau ich mir vieles an, erfreue mich an vielen Dingen und enttarne das eine oder andere als Marketinggag. Ich ziehe den Hut vor Firmen wie Richard Mille, die sich einer Idee - in dem Fall Leichtbau bis ins extreme - konsequent verschreiben oder auch vor Hublot, die echte Neuerungen bei den Materialien an den Start bringen. Oder Harry Winston, der einfach macht, worauf er Bock hat, La Ressence fiele mir noch ein, neben den anderen üblichen Verdächtigen natürlich. Allesamt Getriebene, die aufgrund ihres Lastenhefts garnicht anders können, als jede Komponente selbst zu fertigen.

    Seit kurzem gibt es ja auch viele Brot-und Butter-Uhren, die mit einem Manufakturwerk aufwarten. Nun kann man argumentieren, daß es letztlich wurscht ist, wo der Fräsvollautomat steht, der die Bauteile auswirft, ob bei ETA oder eben in den Hallen der jeweiligen Hersteller. ETA ist millionenfach bewährt, einerseits ein zuverlässiger Traktor, den man andererseits bis zur Unkenntlichkeit veredeln, verschönern, umbauen und finissieren kann. Den jeder Uhrmacher reparieren kann und der feinste Uhrmacher-DNA in sich birgt. ETA ist kein Schmutz, ein perfektes Produkt. Andererseits: als ich mir meine Pelagos reingetreten hab, hab ich automatisch zu der mit Manufakturwerk gegriffen. Obwohl ich als Kunde nicht einen Milligramm Vorteil daraus extrahieren kann. Hier griff das "Forengeschwätz", daß ETA eigentlich zweite Wahl ist. Das wissen alle Massenhersteller, die auf einmal mit "Manufakturwerken" aufwarten und lautstark werben. Und die natürlich genau wissen, daß sie in einem übervollen Markt irgendwie punkten müssen, um das prinzipiell unveränderte Produkt dennoch nochmal und nochmal und nochmal verkaufen zu können. Und hier kann man uns, das Publikum, besonders effektiv abholen. Es stand ja auch die Not hinter dieser Entwicklung - die älteren erinnern sich: viele Firmen begannen mit Eigenentwicklungen nach ETAs Drohung vor einigen Jahren, viele Einschaler nicht mehr zu beliefern. (Was ist eigentlich daraus geworden?)

    Vielleicht als Parallele: Ist ein Autohersteller besser, wenn er eigene Motoren baut? Fehlt einem Kleinserien-Hersteller, der seine Aggregate aus zuverlässiger Industriequelle bezieht, die DNA? Ist er gut beraten, auf Teufel komm raus einen eigenen Motor zu entwickeln, auch wenn dieser niemals die Zuverlässigkeit und Standfestigkeit bieten kann, wie ein bis ins letzte My austarierter Großserienmotor, hinter dem hunderte Ingenieure und gigantische Entwicklungsabteilungen stehen?
    Geändert von Donluigi (28.05.2017 um 14:22 Uhr)
    Beste Grüße, Tobias

    Warum hat unser Baby 1 Schnitzelkopf?

  2. #2
    Administrator Avatar von PCS
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    Zitat Zitat von Donluigi Beitrag anzeigen
    Ich ziehe den Hut vor Firmen wie Richard Mille, die sich einer Idee - in dem Fall Leichtbau bis ins extreme - konsequent verschreiben oder auch vor Hublot, die echte Neuerungen bei den Materialien an den Start bringen. Oder Harry Winston, der einfach macht, worauf er Bock hat, La Ressence fiele mir noch ein, neben den anderen üblichen Verdächtigen natürlich. Allesamt Getriebene, die aufgrund ihres Lastenhefts garnicht anders können, als jede Komponente selbst zu fertigen.


    Wobei interessanterweise der gesamte, ziemlich geniale, Mechanismus der Ressence-Uhren ganz streng genommen wiederum auf einem ETA 2824-2 basiert, genauer nutzt man da die Minutenachse jenes Basiskalibers. Man sieht also einmal mehr, alles nicht wirklich ganz so Schwarz oder Weiß.
    Gruß Percy



    "Ferner wird hier auch auf Ihrem Profil sehr viel Diversität benötigt."

  3. #3
    PREMIUM MEMBER Avatar von mactuch
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    Zitat Zitat von Donluigi Beitrag anzeigen

    ...

    Vielleicht als Parallele: Ist ein Autohersteller besser, wenn er eigene Motoren baut? Fehlt einem Kleinserien-Hersteller, der seine Aggregate aus zuverlässiger Industriequelle bezieht, die DNA? Ist er gut beraten, auf Teufel komm raus einen eigenen Motor zu entwickeln, auch wenn dieser niemals die Zuverlässigkeit und Standfestigkeit bieten kann, wie ein bis ins letzte My austarierter Großserienmotor, hinter dem hunderte Ingenieure und gigantische Entwicklungsabteilungen stehen?
    Vielem Dank für Deinen Beitrag, Tobias. Der Vergleich mit der Automobilen Welt lag mir auch schon das eine oder andere Mal auf der Zunge bzw. im Finger, um ihn hier zu platzieren. Ich hab es bisher gelassen, denn eigentlich passt er doch nicht so ganz. Schließlich ist der Spielraum für das angestrebte Ergebnis bei einem Uhrwerk, beispielsweise für eine klassische Dreizeiger-Uhr mit Datum eher begrenzt.

    Der Tag hat für alle Hersteller dieselben 24h, die für alle gleichermaßen schnell oder langsam ablaufen sollten. Freilich mit größtmöglicher Präzision. Und das war es dann aber auch. Wenn das Werk am Ende innerhalb der Chronometernorm läuft, im harten Alltag am Arm zuverlässig seinen Dienstverrichtet, an jedem neuen Tag auch das passende Darum ins kleine Fenster sortiert, dann hat man doch das was man will, oder? Details wie eine höhere Gangreserve oder geringeren Verschleiß, so dass die Uhr statt nach 15 erst nach 18 Jahren mal zum großen Service muss, sind eben am Ende genau das: Details!

    Mir persönlich ist ein Großserienkaliber wie etwa aus dem Hause ETA wesentlich lieber, wenn es die oben beschriebenen Anforderungen zufriedenstellend erfüllt als dass ein besonders schönes, seltenes, ausschließlich in Vollmondnächten mit Watte und nem kleinen Pinsel aus einem massiven Block Stahl herausgearbeitetes so genanntes Manufakturwerk vermissen würde, welches zwar die eben genannten Eigenschaften erfüllt, ich dafür aber aller drei Tage um zwei Minuten korrigieren muss oder ich nur mit Samthandschuhen anfassen darf.

    Bei Automotoren ist da der Spielraum für merkliche Unterschiede schon größer: Gewicht, Leistung, Größe, Drehmoment, Verbrauch. Es macht schon einen merklichen Unterschied, ob ein Motor für 150 oder 350km Vortrieb sorgen kann. 24 Stunden bleiben immer 24 Stunden. Deswegen finde ich, dass der Vergleich nur bedingt passt.
    Nicht das Erzählte reicht - nur das Erreichte zählt!

    Beste Grüße,

    Matthias


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