Es ist immer Ansichtssache, auch wegen unserem Hang zu standardisierten, auf der Erde mess- und definierbaren Einheiten.

Einstein ging anfangs noch von einem unveränderlichen, statischen Universum aus. Dann kamen Friedmann, der zum ersten mal ein expandierendes Universum beschrieb, und die schon erwähnten Slipher (der mit der Rotverschiebung) und Hubble (der Entfernungen mit Sliphers Kram gemessen hat). Irgendein Belgier (WUM?!), dessen Namen ich mir noch nie merken konnte, hat das dann kombiniert und theoretisch hergeleitet, dass Galaxien sich schneller entfernen, je weiter sie von uns weg sind. Das ist dann die beschriebene Galaxienflucht.
Der Trick ist aber bei der Galaxienflucht, dass die Flucht nicht auf der Änderung der relativen Entfernung zwischen uns und den Galaxien in Bezug auf das Gesamtuniversum beruht, sondern auf der Ausdehnung des Universums. Deshalb sei die Rotverschiebung bei Galaxien auch kein richtiger Doppler-Effekt, habe ich mal irgendwo gelernt, weil sich nur die zeitliche Distanz, nicht aber die relative räumliche Distanz der Objekte ändert (denn der Raum dehnt sich ja insgesamt aus, mit allem, was sich darin befindet, so dass räumlich in Bezug auf den Gesamtraum betrachtet keine relative Änderung zwischen einer entfernten Galaxie und uns vorliegt, zeitlich dank der konstanten Lichtgeschwindigkeit aber schon).

Es beruht also bei solchen Messungen und der Aussage, dass sich das Universum räumlich ausdehnen würde, ziemlich viel auf der irdischen Annahme der Lichtgeschwindigkeit als Konstante in unseren definierten irdischen Maßeinheiten. Was aber, wenn die Maßeinheiten aufgrund der Ausdehnung des Universums völliger Blödsinn sind? Genauso, wie man auf Basis der Lichtgeschwindigkeit sagen kann, dass die Entfernung zwischen zwei Punkten wächst, könnte dann aber auch die Zeit zwischen zwei Punkten gewachsen sein, weil sich zwischenzeitlich das Koordinatensystem durch Ausdehnung in unbekanntem Ausmaß soweit verschoben hat. Vermutlich ist die Lichtgeschwindigkeit tatsächlich konstant, aber vielleicht trifft die Definition der Maßeinheiten, mit denen wir die Lichtgeschwindigkeit beziffern, nicht zu, so dass die Aussage zur räumlichen Ausdehnung auch eine zeitliche sein könnte.
Die Frage könnte also auch lauten, wie sich Raum UND/ODER Zeit verändern und ob dies mit der jeweils gleichen Änderungsrate geschieht bzw. ob die Koordinatenachsen ggf. nicht linear sind. Würden sich Zeit und Raum zueinander gleichzeitig verändern, wäre das mit unserem persönlich-menschlichen Zeit- und Raumbegriff, -empfinden und -wahrnehmung nur schwer vergleichbar, weil wir in aller Regel keine Vorstellung von einem vierdimensionalen Raum haben dürften.

Oder anders gesagt: Die Frage, ob die Zeit mit zunehmender Geschwindigkeit der Raumausdehnung schneller oder langsamer oder konstant verläuft, lässt sich meiner Meinung nach aufgrund der Unsicherheit der Definition des Begriffs von Zeit und Raum nicht beantworten. Viel mehr erscheint es mir als Laie so, dass man Aufgrund der relativen Veränderung von Raummaßen in Verhältnis zu unserer Erde Rückschlüsse auf absolute Änderungen des Raums ziehen möchte, aber einfach noch nicht richtig durchstiegen hat, wie man das eigentlich anstellt.

Man kann, so mein Eindruck, heutzutage auch noch keinesfalls von gesicherten Erkenntnissen, sondern von einer Mischung aus Nachweisen (z.B. der Veränderung der Distanz zwischen uns und fernen Galaxien auf Basis der Lichtgeschwindigkeit) und Theorien sprechen.
Das zeigt sich auch darin, dass die bisher bekannten Vorgänge überhaupt nur dann mit der allgemeinen Relativitätstheorie darstellbar sind, wenn man sich um Erklärungsversuche bemüht, z.B. die Dunkle Energie, die im einfachsten Modell schlicht eine Konstante als Verallgemeinerung der Kosmologischen Konstante darstellt, quasi das unveränderliche Vakuum des Raums, der sich deshalb trotz der darin befindlichen Masse ausdehnt, in anderen Fällen als zeitlich veränderliche Quintessenz.

Oder, vielleicht, ist es auch so, dass wir Menschen aufgrund unserer sehr geringen Geschwindigkeit, geringen Alterserwartung und mangelnder Auffassungsgabe gar nicht in der Lage sind, die Veränderungen von Raum und Zeit korrekt darzustellen oder auch nur zu begreifen. Jede Hochkultur hatte ihre eigene Auffassung von Welt- und Entstehungsgeschichte und hat diese für die modernste, unumstößliche Wahrheit gehalten. So gesehen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis unsere heutige Vorstellung der Veränderung von Raum und Zeit im Universum wieder überholt ist und belächelt wird, so wie wir die Scheibenwelt als wirre Vorstellung abtun.

Vielleicht spricht man in ein paar Jahrhunderten nicht mehr vom sich ausdehnenden Universum, sondern vom Abnehmen der darin befindlichen Energie oder der Zunahme der Masse, weil man ein anderes Maß anlegt, z.B. die Entfernung zwischen zwei Punkten im Universum anstatt der relativen Wegänderung zwischen der Erde und einem anderen Punkt im Universum auf Basis der Lichtgeschwindigkeit.
Oder man stellt fest, dass wir eben doch auf dem Rücken von vier Elefanten ruhen, die wiederum von einer Schildkröte mit Namen Groß-Atuin getragen werden.
Die Entschlüsselung der Entstehungsgeschichte des Universums dürfte noch lange Zeit für Beschäftigung sorgen.

Nach klugem Rat gefragt hat der Rabbi mal mit verzweifeltem Gesichtsausdruck zu mir gesagt: "Ach, wer weiß das schon!"
Ich nicht, ich hab aber auch beim Mittagessen mit Papa einen gebechert