Quelle: Welt online 2007


Mit Holz-Aktien das Depot bereichern

Was lange als Privileg des Adels und der Großinvestoren galt, ist nun auch Privatanlegern zugänglich: Engagements in Holz. Diese Anlageklasse bietet langfristig Teilhabe an steigenden Preisen. Bei direkten Beteiligungen an Waldflächen hingegen ist besondere Vorsicht geboten

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter. Ölpreise auf Rekordniveau verderben vielen den Spaß am kuscheligen Zuhause. Selbst ein Zusatzofen, der für heimelige Atmosphäre im Wohnzimmer sorgt, wird im Betrieb immer teurer. Grund: Der Rohstoff Holz ist äußerst gefragt. Doch inzwischen können die Ofenbetreiber sich einen Teil der Preissteigerungen wieder zurückholen. Sie müssen nur in Holz als Anlageklasse investieren.

Nutz- und Edelhölzer gelten unter institutionellen Investoren längst als aussichtsreiche Kapitalanlage. Inzwischen hat die europäische Investmentbranche erkannt, dass Holz auch für private Sparer ein interessantes Feld ist. Die Gesellschaften bringen immer mehr Baumanlagen für auf den Markt.

Die Schweizer Großbank UBS hat im März 2006 das erste Holzzertifikat aufgelegt, HSBC folgte im Oktober, und 2007 kamen die Produkte von Société Générale, Deutscher Bank und ABN Ambo. Nun sitzt die Fondsgesellschaft DWS in den Startlöchern. Bis Ende Oktober will sie ihr erstes Holzzertifikat auf den Markt bringen, das die Entwicklung von 14 Firmen aus der Holz- und Forstindustrie abbildet.

Eine andere Möglichkeit, in Haine zu investieren, sind direkte Beteiligungen, die für Anleger oft von 4000 bis knapp 30 000 Euro erhältlich sind. Das kann die Pachtfläche in Paraguay sein oder der eigene Wald in Panama.

Was treibt die Nachfrage nach Laubbaum und Tanne? Die Weltbevölkerung wächst und braucht immer mehr Holz. DWS-Produktentwickler Hendrik Schwarz: "Der Lebensstandard in den Schwellenländern steigt. Eine wachsende Mittelschicht richtet sich ein, Holz ist Baustoff für Möbel und Häuser. Zudem wächst der Papierbedarf."

Fantasie sieht Schwarz auch im Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten, den das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz erlaubt. "Wald bindet Kohlendioxid, deshalb wird es immer lukrativer, neue Flächen aufzuforsten", sagt er.

Doch nicht jeder Baum schießt so schnell in die Höhe wie eine Birke. Die Aufzucht eines wertvollen Stammes à la Teak dauert etwa 20 Jahre, und darin sieht Andreas Rühl Chancen. "Von 1970 bis 1990 hat das Angebot an Edelhölzern stark zugenommen, um dann bis 2000 auf hohem Niveau zu stagnieren. Seitdem ist es rückläufig, denn viele Wälder sind abgeholzt worden, und die Besitzer haben zu spät aufgeforstet", sagt der Vorstand der Lignum Edelholz Investitionen AG aus Berlin.

Das ist nicht alles. Je teurer das Öl wird, desto stärker rückt die energetische Verwertung des Baumes in den Fokus. So verbrennen Großkraftwerke zunehmend Holz-Pellets, sprich gepresste Sägereste. Die Nachfrage ist also gesichert.

Bislang haben auch die Erträge gestimmt, wie der NCREIF Timberland Index zeigt. Er erfasst die Renditeentwicklung der US-Forstflächen und ist die wichtigste Messlatte in der Anlageklasse. Von 1990 bis 2006 hat der Index eine jährliche Rendite von 12,56 Prozent erzielt. Der Aktienindex Standard & Poor`s 500 kam in dieser Periode dagegen nur auf 10,85 Prozent.

Ein weiterer Vorteil des Holzes ist seine relativ geringe Abhängigkeit von den Kapitalmärkten. Ein kleiner Waldanteil stabilisiert das Depot, wie Anbieter versichern.

Zwar trifft das zu, dennoch ist die Statistik mit Vorsicht zu genießen. Schwarz von der DWS: "Der NCREIF Timberland Property Index besteht nur begrenzt aus echten Marktdaten, vielmehr schätzen die Experten die Preise teilweise nur einmal jährlich." Die geringe Schwankungsbreite der Holzpreise, mit der die Anbieter gerne werben, sei also künstlich erzeugt.

Das sollte der Anleger bedenken, wenn er investieren möchte. An nächster Stelle steht die Frage, ob er via Börse oder direkt einsteigen will. Mit einem Zertifikat nimmt er Kapitalmarktrisiken ins Depot, hat aber den Vorteil, das Papier jederzeit verkaufen zu können.

Andere Charakteristika hat eine Direktbeteiligung. Zunächst brauchen Anleger Geduld: Mal kauft er eine Waldfläche unbefristet, mal pachtet er sie für 25 Jahre, mal erwirbt er Holz, das eines Tages gefällt wird. Und immer harrt er auf Auszahlungen, denn die fließen erst nach sechs bis acht Jahren.

Dazu kommen Gefahren, denen jeder Wald ausgesetzt ist, sprich Brände oder Schädlinge. Ein Forst in Übersee muss zudem ins soziale Umfeld eingebunden sein. "Sonst fällen hungerleidende Menschen in den Tropen ihn möglicherweise und bauen stattdessen Soja an", sagt Harry Assenmacher, Geschäftsführer von Forest Finance.

Wie bei jeder Auslands-Anlage, bestehen auch politische und rechtliche Risiken. Markward Kerstiens, Vertriebsleiter bei Miller Forest Investment: "Wer ein Waldgrundstück in Paraguay kauft, wird dort als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Immobiliengeschäft in Deutschland." Aber wer kennt Paraguays Grundbuch so genau, um die Aussage prüfen zu können?

Der Stuttgarter Vermögensverwalter Georg Thilenius steht direkten Anlagen skeptisch gegenüber. "Wer verkauft diese Angebote, was verstehen die Leute vom Holz? Gibt es die Waldflächen wirklich? Wie rechtssicher ist ein Grundbucheintrag beispielsweise in Panama oder Paraguay", sagt Georg Thilenius. Auch Rechtsanwalt Oliver Busch von Engelhard, Busch und Partner ist auf der Hut: "Es ist schon gefährlich genug, unbesehen eine Wohnung in Deutschland zu kaufen, wie die Schrottimmobilien gezeigt haben. Bäume oder Wälder in Übersee kann der Anleger noch weniger einschätzen." Er rät, mindestens darauf zu achten, seit wann der Initiator das Geschäft betreibt und ob er testierte Bilanzen hat.

Wie wichtig das ist, zeigt der Fall Prime Forestry Switzerland. Die Firma hatte 14 Prozent Rendite aus Teakplantagen in Panama versprochen. Die Eidgenössische Bankenkommission eröffnete im Mai 2006 ein Konkursverfahren, die Untersuchung der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug läuft noch. Zwei Ex-Leiter der Prime Forestry, Robert Bühler und Peter Möckli, sind jetzt laut Schweizer Handelsregister bei der ShareWood Switzerland. Die Firma vermittelt Investments in Teak.