Eine Guillochierung ist jedenfalls was anderes. Aber was?
Bei der Technik des Guillochierens handelt es sich um eine halbautomatisierte Gravurtechnik. Man verwendet hierfür eine sog. Guillochiermaschine. In diese wird das Werkstück - idR eine große Platte - eingespannt auf einen Sockel, der sich um seine eigene Achse drehen kann wie eine Töpferplatte. Der Guillocheur (war mal ein Ausbildungsberuf) kann nun diverse Graviermeißel einstellen und die Platte rotieren lassen. Die Meißel und Stichel können nun mechanisch auf die rotierende Platte aufgebracht werden. Abstände, Schwünge und Taktungen können vom Guillocheur eingestellt werden. Durch Drehung der Platte, Variation der Abstände, Schwünge und Taktungen die unterschiedlichsten konzentrischen Muster auf dem Metall erzeugen. Die simpelste Art der Guillochierung wären konzentrische Kreise um einen zentralen Mittelpunkt. Durch Erfahrung an der Maschine und Kenntnisse der Geometrie kann man nun die gewagtesten Überschneidungen, Spiegelungen, Verwirbelungen und Mäanderungen erzeugen. Man kann das am besten vergleichen mit einem Spirographen
Die Dinger kennt man vielleicht noch aus seiner Jugend, es handelt sich dabei um diese bunten Zahnräder und Zahnrahmen. Wenn man hier einen Kuli durch die vorgesehenen Bohrungen führt und dann kräftig im Kreis malt, kann man schöne geometrische Muster erzeugen. Eine Guillochiermaschine macht dasselbe in echt.
Das klingt simpel,ist aber hochkompliziert und erfordert viel Erfahrung. Die Maschinen sind teilmanuell gesteuert, Drehteller werden von Hand betrieben und jede Kurve, jeder Schwung braucht exakt die richtige Geschwindigkeit und den richtigen Druck, sonst spant das Metall falsch, der Meißel bricht oder die Glanzkante sitzt nicht richtig. 50% Ausschuß sind eigentlich üblich. Meisterhaft wird es, wenn man verschiedene Muster übereinander setzen will. Hier eine falsche Position gewählt bei der Rejustage und alles geht von vorn los. Reparaturen, Verbesserungen, Neuanfang: unmöglich.
Große Vertreter der Guillochierkunst waren u.a. Faberge und Cartier, bei Zifferblättern ist hier Breguet als Vorreiter zu nennen.
Heutzutage werden "guillochierte" Blätter allerdings gelasert oder geätzt. Alte Guillochiermaschinen sind echte Ungetüme und wahre Wunderwerke der Technik, ihr Wert ist sechsstellig. Im Pforzheimer Goldschmiedemuseum stehen welche, die kann man sogar ausprobieren. Spannend!
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Baum-Darstellung
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03.09.2007, 22:59 #10Beste Grüße, Tobias
Die Banken kratzen an den Wolken
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