Lasst es mich mit weniger philosophischen Worten versuchen. In uns steckt das starke Bedürfnis zu jagen und zu sammeln. Für unsere Jagd brauchen wir weder Pfeil und Bogen noch eine Steinschleuder sondern Wissen, Erfahrung, Bauchgefühl und gute Empfehlungen. Wir wollen geistig aktiv sein. Wir könnten auch seltene Kunst, Autos, Kleider oder Kakteen sammeln. Viele alternative Sammelobjekte brauchen enorm viel Platz und können wenn überhaupt weit weniger oft und lang gebraucht, genossen oder einfach nur betrachtet werden. In einer schnelllebigen, digital- und stromgeprägten Welt bildet die mechanische Uhr einen willkommenen Ausgleich. Ohne Austausch mit Gleichgesinnten gestalten sich die Fortentwicklung und das Vorankommen beschwerlich und der Weg ist mit noch mehr Fehlern und Rückschlägen übersät. Wer teilt nicht gerne Freud und Leid? Wann wurden wie viele von welchen Modellen hergestellt, welche Werke ticken im innern und welche Besonderheiten gilt es sonst noch im Detail zu beachten: welche Gehäuse, Lünetten, Gläser, Zifferblätter, Zeiger, Kronen, Anstösse, Bänder und Schliessen gibt es? Haben verschiedene Zulieferer während desselben Zeitraums dasselbe Teil geliefert und falls ja, wie zeigen sich die Unterschiede? Wie kann das Objekt der Begierde bestmöglich erhalten werden und wo gibt es Ersatzteile und gute Uhrmacher? Aber warum jagen wir gerade Rolex und nicht irgendwelche Uhren einer anderen Manufaktur? Ist es das einfache und gleichzeitig wunderschöne, zeitlose Design, welches sich über all die Jahre nie der Mode unterworfen hat? Spricht uns diese Kontinuität unbewusst so stark an? Sind es das Renommee und die Aura, welche die Marke umgeben und falls ja, wie sind sie entstanden? Sind es die ungeschlagenen, robusten Werke und deren uneingeschränkte Alltagstauglichkeit? Ist es die Tatsache, dass es von keinem anderen Hersteller nur annähernd so viele alte Uhren gibt, die noch immer einwandfrei ihren Dienst tun?