Naja, vielleicht doch ein Erklärungsversuch:

ich habe eine gewisse Abneigung gegen Marken, die durch Ihr Erscheinungsbild, Ihr Design und ihre Namensgebung suggerieren, ein uraltes Uhrenhaus von Weltformat und höchster Güte zu sein. Dafür braucht es ja nicht allzuviel: einen wohlklingenden Namen, der irgendwie nach altehrwürdigem Uhrmachermeister klingt, der von morgens bis abends an seiner Werkbank sitzt und Tourbillons feilt (Jacques Lemans klingt nun mal eher nach Champs-Elysées und La Chaux-de-Fonds als Norbert Riedl). Ein dickes, schwervergoldetes Gehäuse, leuchtend bunte Zifferblätter, die durch Metallicglanz und guilloche-ähnliche Strukturen Exklusivität und die Verwendung seltener, kostspieliger Fertigungstechniken (Email, Guillochierung) vorgaukeln. Pseudokomplikationen, die aus irgendwelchen anonymen Quartzwerken gewrungen werden und handwerkliche Qualität und Exclusivität imitieren. Tand und Zierrat wie jede Menge Drücker und blau lackierte Zeiger, dutzende Hilfsskalen, Tachymeter, Glasböden und offene Unruhen. Dicke, schwere Hochglanzholzboxen, die nach Patek Philippe aussehen und für 5 Euro auf jedem Chinamarkt zu haben sind. Und nicht zuletzt durch die Vertriebskanäle Internet und co. Liest man die Internetangebote, glaubt man, die Lieblingsuhr von Lady Di persönlich zu erwerben. Man kann Jacques Lemans sogar an Autobahnraststätten kaufen, was zweifellos für die Leistungsfähigkeit der Vertriebssparte spricht, aber nicht wirklich für die Seltenheit der Uhr. JL ist ja nicht die einzige Marke, die so arbeitet. Man kann sich einen guten Überblick verschaffen, indem man bei Ebay die Sparte "Luxusuhren" und "andere Marken" anclickt. Ab 300 Euro Sofortkauf hat man die ganze Geschmeißparade vor sich. Nur die obskuren Millionsmart-Tourbillons, die sind etwas teurer...