Tja, wie fährt sich das Teil ...

Wie Ihr vielleicht wisst, bin ich ja eigentlich durch und durch Harley-affin. Aber schieben kann ich die Großen nicht mehr, LWS macht Probleme.
Deshalb dieses kleine Ding, das sich spielerisch bewegen lässt. Der GS-Lenker trägt viel zur Handlichkeit bei. Und die Höhe der Sitzbank in Relation zu den Fußrasten lässt auch mein operiertes Knie in Ruhe. Tiefer darf nicht - ich hatte mir nur zur Probe eine alte Giuliari besorgt, deren Grundplatte identisch mit der der OEM-Bank (Erstausrüster Denfeld!) ist. Offenbar hat Denfeld und nicht BMW die Grundplatten zum Aufbau an Giuliari geliefert, denn das optisch identische Bürzel hinten ist bei der G. aus Blech! Diese Platte wollte ich auf die Länge des Heckrahmens einkürzen und einen Höcker aufpolstern lassen. Probiert und gleich wieder verworfen - die Linie muss bleiben.

Giuliari.JPG

Die R45N ist extrem kurz auf ihre 27PS übersetzt. Das Video von Siebenrock zeigt die Auswirkungen des Tunings, man achte auf den DZM.

https://www.youtube.com/watch?v=HHDLxc_kbqk

Also: kleine Ventile, kleine Vergaser, großer Hubraum = ein Drehmomentmotor. In der Praxis heißt das iVm dem kurzen Endantrieb:
Müsste ich die 40 Jahre alte Schüssel schnellstmöglich von 0-100km/h beschleunigen, würde ich im 2. Gang loslegen. Die Schaltzeit von 1 auf 2 kann man sich sparen. Man kann im 5. Gang bei 40km/h das Gas voll aufreißen, der Bock beschleunigt sehnig durch.
Das Warmfahren wird dadurch zur Tortur: bei 75km/h im 5. Gang liegen fast 4000 rpm an! Allerdings geht das sehr schnell, nach ca. 4km sind 80° C Öltemperatur erreicht. Die hintere Bremse ist fast ein Placebo, vorn empfiehlt sich der Einbau einer zweiten Scheibe, auch wenn die Kiste bei 150km/h bereits beinahe ausdreht.

Der Nachteil der kurzen Übersetzung ist hier auf den Bergischen Landstraßen gleichzeitig der Vorteil. Serpentinen gehen sogar im Dritten. Aber wie gesagt: ich will keinen Krieg damit gewinnen. Für das bislang aufgebrachte Geld bekäme ich auch eine gebrauchte Suzuki Doppel-R.

Der Sound des 900ers mit den Hoske-Tüten ist genial. Sehr ursprünglich, kräftig und bassig, nicht so super laut. Und im Gegensatz zu den dicken Harleys, die ich zuvor besaß, hole ich das kleine Ding auch mal für 20 Minuten aus dem Stall, wenn die Zeit nicht weiter reicht. Es ist, als würde ich ein Fahrrad aus der Garage holen.