" Aber irgendwie haben wir doch auch eine "Mitschuld", wenn wir bei diesem Treiben mitmachen?"
... Anfang der 1990er Jahre haben die Sozialforscher Jean Lave und Etienne Wenger dafür den Begriff „Community of practice“ eingeführt. Das ist nicht nur ein sozialer Raum des Austausches, sondern viel grundsätzlicher eine notwendige Voraussetzung für die Existenz von Wissen. Die Communities of practice sind also immer auch epistemische Gemeinschaften, die sich um gewisse Sichtweisen auf die Welt und das eigene Handeln darin bilden. Was eine Community of practice ausmacht, ist demnach der gemeinsame Erwerb, die Entwicklung und die Erhaltung eines spezifischen Praxisfeldes, das abstraktes Wissen, konkrete Fertigkeiten, notwendige materielle und soziale Ressourcen, Handlungsanweisungen und Erwartungen sowie die Interpretationen der eigenen Praxis beinhaltet.
Alle Mitglieder sind aktiv an der Konstituierung dieses Felder beteiligt, deshalb die Betonung der Praxis: Sie bringen aber meist unterschiedliche Voraussetzungen und Erfahrungen mit, denn ihre Handlungen sind eingebettet in zahlreiche konkrete Lebens- und Arbeitssituationen. Abläufe innerhalb der Community sind meist informell, aber strukturiert, denn Autorität ist ungleich verteilt, je nachdem wie die Mitglieder das Wissens- und Erfahrungsniveau einschätzen - das eigene und das der anderen.
Kurzum, diese Gemeinschaftlichkeiten entstehen in einem Praxisfeld, geprägt durch informellen, aber strukturierten Austausch, sie sind fokussier auf die Generierung neuer Wissens- und Handlungsmöglichkeiten und werden zusammengehalten durch die reflexive Interpretation der eigenen Praxis (d.h. das gemeinschaftliche Erstellen, Bewahren und Verändern des interpretativen Rahmens, in dem Handlungen, Prozesse und Objekte eine feste Bedeutung und Verbindlichkeit erlangen, macht die zentrale Rolle der gemeinschaftlichen Formation aus).
Und Kommunikation (z.B. über Foren) ist in ihnen von besonderer Bedeutung: der Einzelne muss viel und kontinuierlich kommunizieren, um sich innerhalb der Felder und Praktiken zu konstituieren, sonst bleibt er unsichtbar.
Solche gemeinschaftlichen Formationen konstituieren sich selbst, sie erhalten und verändern sich durch ständige Einübung der Grundlagen ihrer Konstitution. So ist der Prozess der reflexiven Selbstkonstitution letztlich zirkulär im Sinne der Steuerung durch kontinuierliches, selbstgeneriertes Feedback= Selbstreferentialität ist eine Struktureigenschaft dieser Formatierung.
Eine andere wesentliche Eigenschaft ist die Freiwilligkeit der Teilnahme. Dies kann zunächst ein Freiheitsgewinn für den Einzelnen darstellen, d.h. die Freiheit auszusuchen aus den gebotenen Möglichkeiten. Auf der alltäglichen Ebene der kommunikativen Selbstkonstitution und der Schaffung eines persönlichen kognitiven Horizontes bleibt aber die wichtigste Ressource die Aufmerksamkeit der anderen, deren Feedback und die daraus resultierende gegenseitige Anerkennung - ein Like, das dem Sender versichert, dass es irgendwo einen Empfänger gibt. Ohne diesen hätte Kommunikation keinen Sinn ...
Ergebnis 1 bis 20 von 37
Thema: Die Sache mit der Nostalgie
Baum-Darstellung
-
03.12.2016, 11:15 #30... Grüße!
Ein Brief erreicht immer seinen Bestimmungsort. | Jacques Lacan
Ähnliche Themen
-
Die Sache mit der Sache: wie benutzt man die Tachymeterskala bei derDaytona (16520)?
Von Dr.Rolex im Forum Rolex - Haupt-ForumAntworten: 14Letzter Beitrag: 08.12.2016, 19:49 -
nostalgie pur...
Von nice watch..er im Forum Technik & AutomobilAntworten: 80Letzter Beitrag: 29.03.2008, 22:47 -
nostalgie pur...
Von nice watch..er im Forum Off TopicAntworten: 80Letzter Beitrag: 29.03.2008, 22:47 -
Nostalgie pur...
Von red_sub im Forum Rolex - Haupt-ForumAntworten: 20Letzter Beitrag: 24.03.2007, 16:16 -
Ein bißchen Nostalgie >>>>>>
Von Hannes im Forum Rolex - Haupt-ForumAntworten: 13Letzter Beitrag: 15.03.2004, 23:13





Zitieren
Lesezeichen