ÜIch glaube da steckt noch mehr Botschaft drin. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass die Preisentwicklung nicht mehr von passionierten Sammlern oder Liebhabern getrieben ist.
Da kann man natürlich sagen, dann muss man alles halten was man hat und nichts mehr zu kaufen, beim Liebhaber dar auch mal Abwechslung haben möchte, ist das ab schon schwierig.
Es gab noch vor wenigen Jahren und zwar genau vor dem historischem Datum "November 2013" jede Vintage in bezahlbar. Als Beispiel; hat man damals eine BigCrown toll gefunden, hat man sich die schönste gekauft für 70-75 k mit swissblatt, rotem Dreieck und allem Gedöns. War das Budget kleiner, bekam man eine 5508 / 5536-1 dafür, die ähnlich aussah auch ein Glanzblatt hatte und eine schöne Alternative war oder ggf. Ne Glanzblatt 5512, alles um die 15- 20 k. War das Budget nich kleiner gab es für 10 k+ ne schöne 5513 gilt.
Heute kostet die gleiche oder soll ich sagen dieselbe BigCrown 200 k, die selbe 5512 40 k. Das schlimme daran kommt aber noch oben drauf, man hatte vor drei Jahren noch die Wahl zu den genannten Modellen, konnte sich sogar noch die beste am Markt aussuchen, heute ist man nur noch am suchen, um was gescheites zu finden.
Ich kann Beispiele für alle Uhren im kleinen, wie großen aufzeigen, ob 5513 matt, 1675 oder eben die oben beschriebene weisse 6263 PN, sie sich mal eben in 5 Jahren von 70 auf 350 k entwickelt hat.
Dass heute total inflationäre und damals uninteressante Uhren gehypt werden ist alleine ein Händlerding, denn die haben wenig gute Ware und machen die Schubladen auf und holen die Stücke hervor, die damals eben noch nicht gefragt waren.
Und wenn vor 5 Jahren eben 4 k an einer UG Tricompax geschrieben wurde, dann schreibt man dann eben mal schnell 10 k dran, denn es gibt ja sonst nix mehr für 10 k. Ist der der erste Tricompax verkauft, kosten die nächsten verkauften eben 12, 14, 16, 18, 20 k. Kein fiktives Beispiel, alles innerhalb eines Jahres passiert.
So wie schon geschrieben, alle setzen auf Wertsteigerung, keiner will verlieren, eigener Geschmack entwickelt sich kaum noch. Die Agenda muss abgearbeitet werden, das wertlose Geld muss weg.
Wer die Verbindungen im Vinatgemarkt kennt, weiß auch wie lange es braucht und wieviel Stationen es benötigt, bis eine Uhr an dem dafür vorgesehenen Besitzer ankommt. Da "findet" Händler A eine seltene Uhr für 20 k und hat auf seiner Agenda bereits Händler B stehen, weil er weiß dass er sowas sucht und gibt sie auf die Schnelle weiter für 23 k. B ist ein wenig gieriger und weiß, dass C einen potenziellen und wohlhabenden Kunden und gibt sie für 28 an C weiter. Der gibt sie zum mutmaßlichen "Endkunden zum Preis von 39k ab, weil das Ding selten ist und einzigartig im Zustand.
Der "Endkunde" freut sich total über seinem Deal und inhaliert nochmal die schöne Optik, hat er doch noch ein Funken mehr Passion wie A, B oder C. Legt sie aber schnell drei Monate weg, um sie dann bei einem Bekannten Auktionshaus einzuliefern, welches die Uhr in seinem Auftrag über Netzwerke, Blogger etc. quasi gratis pusht, bis es dann zu seiner Auktion kommt.
Auf dieser Auktion bieten sich dann 2-3 Interessenten hoch, die enormes Potential für die nächsten Jahre in diese Uhr sehen (oder war es nur 1 Jahr oder eine halbes...ach egal) und treiben das Teil auf 70 k. Der zufriedene neue Besitzer freut sich und verbucht schon mal den künftigen imaginären Gewinn.
Überzogen ? Nein, genauso läuft es hundertfach ab und es gibt viele Beispiele, die man genauso nachverfolgen kann.
Lösungen gibt es auch; Zeit ! Genauso wie Wum schrieb, abwarten bis was bezahlbares kommt, am besten abseits das Mainstreams. Oder Tauschmasse aufbauen und einen "Uhrenfreundschaftskreis" im denen man mit Tauschmasse und zu fairen Preisen kaufen und tausche kann. Klingt einfach , ist es aber nicht und funktioniert auch nur bedingt.
Ergebnis 1 bis 20 von 37
Thema: Die Sache mit der Nostalgie
Hybrid-Darstellung
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03.12.2016, 09:46 #1
Geändert von EX-OMEGA (03.12.2016 um 09:51 Uhr)
Gruß, Peter
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03.12.2016, 11:15 #2
" Aber irgendwie haben wir doch auch eine "Mitschuld", wenn wir bei diesem Treiben mitmachen?"
... Anfang der 1990er Jahre haben die Sozialforscher Jean Lave und Etienne Wenger dafür den Begriff „Community of practice“ eingeführt. Das ist nicht nur ein sozialer Raum des Austausches, sondern viel grundsätzlicher eine notwendige Voraussetzung für die Existenz von Wissen. Die Communities of practice sind also immer auch epistemische Gemeinschaften, die sich um gewisse Sichtweisen auf die Welt und das eigene Handeln darin bilden. Was eine Community of practice ausmacht, ist demnach der gemeinsame Erwerb, die Entwicklung und die Erhaltung eines spezifischen Praxisfeldes, das abstraktes Wissen, konkrete Fertigkeiten, notwendige materielle und soziale Ressourcen, Handlungsanweisungen und Erwartungen sowie die Interpretationen der eigenen Praxis beinhaltet.
Alle Mitglieder sind aktiv an der Konstituierung dieses Felder beteiligt, deshalb die Betonung der Praxis: Sie bringen aber meist unterschiedliche Voraussetzungen und Erfahrungen mit, denn ihre Handlungen sind eingebettet in zahlreiche konkrete Lebens- und Arbeitssituationen. Abläufe innerhalb der Community sind meist informell, aber strukturiert, denn Autorität ist ungleich verteilt, je nachdem wie die Mitglieder das Wissens- und Erfahrungsniveau einschätzen - das eigene und das der anderen.
Kurzum, diese Gemeinschaftlichkeiten entstehen in einem Praxisfeld, geprägt durch informellen, aber strukturierten Austausch, sie sind fokussier auf die Generierung neuer Wissens- und Handlungsmöglichkeiten und werden zusammengehalten durch die reflexive Interpretation der eigenen Praxis (d.h. das gemeinschaftliche Erstellen, Bewahren und Verändern des interpretativen Rahmens, in dem Handlungen, Prozesse und Objekte eine feste Bedeutung und Verbindlichkeit erlangen, macht die zentrale Rolle der gemeinschaftlichen Formation aus).
Und Kommunikation (z.B. über Foren) ist in ihnen von besonderer Bedeutung: der Einzelne muss viel und kontinuierlich kommunizieren, um sich innerhalb der Felder und Praktiken zu konstituieren, sonst bleibt er unsichtbar.
Solche gemeinschaftlichen Formationen konstituieren sich selbst, sie erhalten und verändern sich durch ständige Einübung der Grundlagen ihrer Konstitution. So ist der Prozess der reflexiven Selbstkonstitution letztlich zirkulär im Sinne der Steuerung durch kontinuierliches, selbstgeneriertes Feedback= Selbstreferentialität ist eine Struktureigenschaft dieser Formatierung.
Eine andere wesentliche Eigenschaft ist die Freiwilligkeit der Teilnahme. Dies kann zunächst ein Freiheitsgewinn für den Einzelnen darstellen, d.h. die Freiheit auszusuchen aus den gebotenen Möglichkeiten. Auf der alltäglichen Ebene der kommunikativen Selbstkonstitution und der Schaffung eines persönlichen kognitiven Horizontes bleibt aber die wichtigste Ressource die Aufmerksamkeit der anderen, deren Feedback und die daraus resultierende gegenseitige Anerkennung - ein Like, das dem Sender versichert, dass es irgendwo einen Empfänger gibt. Ohne diesen hätte Kommunikation keinen Sinn ...... Grüße!
Ein Brief erreicht immer seinen Bestimmungsort. | Jacques Lacan
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03.12.2016, 18:09 #3
Ich weiss nicht ob das originär von Dir oder zitiert ist, aber es ist bis ins Detail treffend! Musste es allerdings öfters lesen. Sehr oft eigentlich. Aber Chapeau!
Und für meine Person muss ich sagen: Das Forum ist tatsächlich schuld, es hat mich eindeutig zu einem Teil in diesem Zirkus gemacht. Es hat meinen Horizont erweitert, meinen Sinn für Ästhetik geschult. Mein Faible für Dinge geweckt, die alle in meiner sozialen Umgebung einen shice interessieren. Pathetisch aber doch wahr: es hat mein Leben wirklich bereichert.
Meine Beiträge hier mögen überschaubar sein, und leider auch die Kontakte zu interessanten Foristen. Die irgendwie auch immer weniger werden? Oder sich in ihre eigenen Zirkel zurückziehen? Nicht nur der "Markt", auch dieses Forum haben sich stark verändert, meine ich.
Und trotzdem vielen Dank! Auch ich hab sicherlich mit meinen unwissenden Einkäufen Preise angetrieben, und ich bin mit meinen doch sehr subjektiven Vorstellungen von Schönheit und Begehrenswürdigkeit einer Uhr eher eine Lachnummer für kompetente Sammler mit Expertenwissen.
Und trotzdem: Vielen Dank! Denn ich darf mich bei jedem Blick auf mein Handgelenk freuen!Geändert von zooey (03.12.2016 um 18:10 Uhr)
greetings JC
it is always a longer walk to the men's room
buckaroo
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