Hallo,

vielleicht ist dieser Artikel von mir für die Atmos-Besitzer ganz interessant....(Originaltext)



Was macht eine Uhr zum offiziellen Staatsgeschenk?

Die Jaeger Le-Coultre Atmos

(Auszug aus dem eMagazin zu 180 Jahren Jaeger-LeCoultre)
Text und Fotos: MF


Seit geraumer Zeit ist es bei den Patentämter dieser Welt nicht mehr möglich, ein Perpetuum Mobile patentieren zu lassen, da es nach den Gesetzen der Physik unmöglich ist, ein solches zu konstruieren.

Doch ist es wirklich so?

Besucht man zum ersten Mal die Manufaktur, so wird durch ein Sichtfenster voller Stolz eine Uhr gezeigt, die bei einem Gebäudeumbau 1996 sozusagen „lebendig begraben“ wurde.

Eingemauert in ihr hermetisch versiegeltes Verlies, wirkt sie auf den ersten Blick erstarrt und leblos. Doch Halt....da bewegt sich doch was...Ja- im Minutentakt schwingt ihr Pendel unverdrossen vor sich hin, ohne Hast, den Hauch der Ewigkeit vermittelnd.

Der Uhr wird keinerlei Energie zugeführt. Sie wird weder aufgezogen, noch mit Strom versorgt.
Das Prinzip der Atmos basiert auf einem Druckkörper, der mit Gas gefüllt ist- und seine Energie aus der Umgebungstemperatur bezieht.

Zeiteisen Ultimate Watch Secrets 180 Jahre JLC mit Copyright-034Zeiteisen Ultimate Watch Secrets 180 Jahre JLC mit Copyright-035

Variiert die Temperatur im Laufe eines Tages um 1 Grad Celsius, so dehnt sich das eingeschlossene Gas (Äthylchloridverbindung) entweder aus, oder zieht sich zusammen- und generiert auf diese Weise durch die Übertragung der Kräfte auf die Druckdose, die wie der Balg eines Akkordeons aufgebaut ist und so das Ausdehnen und Zusammenziehen ermöglicht, eine Gangreserve von weiteren 48 Stunden.

Die Erfindung geht auf den genialen Konstrukteur Jean Leon Reutter zurück, der seinen Prototyp 1928 der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Leider war die Technik noch nicht ausgereift und diese geniale Erfindung wäre beinah in der Versenkung verschwunden- hätte nicht Jacques David LeCoultre ein Modell zufällig bei einem Pariser Uhrmacher entdeckt und aus Interesse angekauft.
Bei der Begutachtung fielen ihm sofort mehrere konstruktive Mängel auf, die im Anschluss in Zusammenarbeit mit dem Erfinder in der Manufaktur ausgemerzt wurden- was letztlich nach gut 10 Jahren zu der noch heute gebräuchlichen Mechanik in Form des Kalibers
Jaeger-LeCoultre 30A führte.

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Die Manufaktur kaufte Reutter schließlich die Patente ab- und gliederte die Atmos in die Produktion ein.

Die Verbesserungen an der Konstruktion waren so massiv, dass man tatsächlich von einer Neukonstruktion sprechen muss- und sich Jaeger LeCoultre das Verdienst der Entwicklung auch ans eigene Revers heften kann.

So wurde das ursprünglich in einem zerbrechlichen Glasröhrchen befindliche Quecksilber durch eine Gasfüllung in einer Druckdose ersetzt. Es dauerte bis 1946, ein vollkommen dichtes Gehäuse zu konstruieren.

Die Unruhfrequenz wurde auf ein Zehntel der ursprünglichen Frequenz reduziert- und so „tickt“ die Atmos seitdem lautlos mit einer Halbschwingung pro Minute.

Nicht geringer waren die Herausforderungen zur Entwicklung des Drahtes, der den Unruhreif hält und durch seine Torsion in Bewegung hält.

Kein Geringerer als der Schweizer Nobelpreisträger Charles-Eduard Guillaume entwickelte die Legierung. Es benötigt unglaubliche 6 Jahre, um eine ausreichende Menge dieses Materials in einem streng geheimen Verfahren zu produzieren.

So ausgestattet wartet die Atmos jedoch mit Superlativen auf, die Ihresgleichen suchen:

Die Energieeffizienz ist dermaßen hoch, dass 60 Millionen Atmos weniger Energie verbrauchen, als eine 15 Watt Glühbirne.

Die Mechanik wird so präzise gefertigt, dass keinerlei Schmierung notwendig ist- was in Anbetracht der konstruktiven Lebensdauer von über 1000 (eintausend) Jahren den nahezu reibungslosen Ablauf sicherstellt.

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Wer einmal den Lauf der Uhr bewundern konnte, kann sich dieser Technik kaum entziehen.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass dieses technische Meisterwerk das offizielle Staatsgeschenk der Schweiz an ausländische Gäste geworden ist- als Zeugnis des Schweizer Innovationsgeistes.