Uuuh, genau mein Thema.

Wichtig ist zu bedenken, dass der Spot Price für Module in den letzten vier Monaten mal eben um gut 35% GESUNKEN ist. Noch am 25.05.2011 war zum Beispiel das Kilo Silizium bei $62,50, jetzt ist es bei $33,50 bei manchen chinesischen Anbietern.
Die Branche ist so richtig am Arsch und der Verbraucher kann so günstig wie nie zu vor abgreifen.

Sofern Dir keine absoluten Top-Markenmodule angeboten wurde, halte ich in der aktuellen Marktlage alles, was bei der geplanten Größe über 1,90 € / Wp installierten Preis hinaus geht, für überzogen. Der derzeitige Marktpreis (Händler-EK) für ein Wattpeak Modulleistung liegt im Schnitt bei 0,80 €, wobei auch die teuersten im Moment selten mehr als ca. 1,12 € / Wp erlösen.

Inklusive Wechselrichter und Zubehör blieben meiner Meinung nach bei 1,90 € / Wp und qualitativ ordentlichen Modulen auf Siliziumbasis immer noch gut 0,325 € / Wp für die Montagearbeit und Gewinn des Händlers. Ich halte das immer noch für eine sehr ordentliche Marge im Handwerk.
Mehr halte ich wirklich nur dann gerechtfertigt, wenn absolute Spitzenqualität namhafter Hersteller aufs Dach kommt.

Viele Händler versuchen sich mit den derzeit gefallenen Preisen die Taschen voll zu machen, so zumindest mein Eindruck.

Würde ich mir PV aufs Dach legen wollen, würde ich einen Händler suchen, der Dir einen bestimmten Ertrag in kWh pro Jahr garantiert und nicht nur einfach Module mit einer bestimmten Leistung aufs Dach legt. Effizienz ist nicht alles, aber in weiten Teilen immer noch preisbestimmend. Je nach Einbaulage kommen teilweise ganz andere Modultypen plötzlich groß raus.
Interessanter als die Peakleistung ist das Betrachtungskriterium NOCT (Normal Operation Cell Temperature), was von 48,4°C Zelltemperatur, 800 W/qm Einstrahlung und 20° Umgebungstemperatur ausgeht. Ein Bosch c-Si M60 Modul mit einer Nennleistung von 245 Wp und Fläche von 1,64 qm bringt dann z.B. nur noch 177 W Leistung, was viel eher dem entspricht, was man in Deutschland erwarten darf.

Ich bin ein großer Freund von Dünnschicht, denn Dünnschichtmodule sind immer noch gut 20% billiger als kristalline Module im Preis je Wattpeak. Man bekommt aufgrund der geringeren Effizienz natürlich nicht so viel aufs Dach, dafür bieten Dünnschichtmodule den Vorteil, dass sie auch verschmutzt oder mit leichter Abschattung (Stichwort diffuses Licht) schon vernünftige Leistung erzielen, während kristalline Siliziummodule damit gar nicht können. Ausserdem ist das Thema Temperaturkoeffizient bei Dünnschicht weit weniger von Bedeutung. Siliziummodule heizen sich auf und je wärmer, desto weniger Saft kommt raus und das mess- und spürbar (im Geldbeutel). Bei den wirklich guten Bosch-Modulen kommt z.B. je Grad Temperaturerhöhung rund 0,46% weniger Strom raus. Ein First Solar FS 280 Modul verliert da nur um 0,2%. Die Moduleffizienz gibt man immer bei 1000 W/qm Einstrahlung und 25° Zelltemperatur an. Hat ein First-Solar Modul also im Sommer bei aufgehender Sonne und 25°C noch die 11,1%, bringt ein Bosch c-Si M60 Siliziummodul da noch gut 14,9%. Nun brennt aber die Sonne auf das Dach, die Temperatur nimmt zu und Mittags hat es auf dem Dach in Deutschland im Sommer schnell mal 70°C in der Solarzelle. Das Bosch Modul bringt dann schon nur noch 11,8% Moduleffizienz, während das First Solar FS-280 immer noch 10,1 % bringt. In dieser Situation schrumpft der Effizienzvorteil von 34% auf 16% zusammen.
Oben genanntes Bosch Modul mit einer Nennleistung von 245 Wp und Fläche von 1,64 qm bringt nach NOCT 177 W Leistung, das 80 Wp First Solar Modul FS-280 mit einer Fläche von 0,72 qm bringt dann noch 60 W Leistung. Rechnet man die Fläche auf jeweils einen Quadratmeter um, entspricht das 107,7 W bei Bosch und 83,3 W bei First Solar. Das sind zwar 23% weniger Ertrag, allerdings kostet das First Solar Modul auch gut 21% weniger je Wattpeak (NICHT ABSOLUT!).
Soll heißen: Wenn 8400 Wp mit Bosch-Modulen Kosten für die Module selbst von gut 14.000 € verursachen (Händler-VK inkl. MwSt), bekomme ich mit First Solar zwar nur 6257 Wp aufs Dach, die aber nur 8500 € kosten. Ich bekomme also für fast 40% geringere Kosten 23% weniger Ertrag. Auch nach Installation und Wechselrichter sieht es immer noch so aus, dass ich für gut 37% geringere Kosten nur 23% geringeren Ertrag in Kauf nehmen muss. Klingt für mich nach 14% gespart.
Ausserdem sind Dünnschichtmodule leichter (Dachstatik bedenken!) und in aller Regel wesentlich hübscher anzusehen. Mitnichten geht der Ertrag bei Dünnschicht im gleichen Verhältnis runter, wie es die Moduleffizienz tut und das macht die Sache in meinen Augen sehr interessant.

Zu meinem Hintergrund: Ich mache Business-Development bei einem Anlagenbauer für die Photovoltaikbranche (Anlagen für die ganzen chemischen Prozesse in der Solarzelle- und Siliziumwaferherstellung) und gut zwei Drittel der Zellen, die im Handel sind, wurden auf unseren Maschinen produziert, egal ob chinesische oder deutsche Module