So, ich zieh das mal eben hoch.
Kleiner Erfahrungsbericht während meiner Kaffeepause. Von einem der auszog, das Reiten zu lernen. Und weiß, dass er nichts weiß.
Ich habe letzten August angefangen. Also wirklich angefangen. Bei Null. Englischer Stil.
Ich kam da eher zufällig dazu und ich muss sagen, ich kann von mir behaupten, dass ich Sport in seiner Gesamtheit vorher immer für etwas gehalten habe, das (mit Verlaub) ausschließlich für Schwachsinnige erfunden wurde.
Gut, das tue ich immer noch. Allerdings jetzt mit einer Ausnahme: Reitsport!
Bombastisch!
Ich kann mich an nicht viele Dinge erinnern, die mich so derart vom Fleck weg begeistert haben, wie der Umgang mit Pferden, die Verantwortung für sie und vor allem die Tatsache, dass Reiten ein sehr "ganzheitlicher" Sport ist, denn - ich sag's mal, wie es ist:
Reiten lernen - und ich meine richtig lernen, ist - bockschwer.
Auch etwas, das ich nicht gedacht hätte.
Aber seit ich nun das erste mal auf einem Pferd saß - nein, nicht "saß", sondern hockte, klemmte, mich festkrallte, schwitze, da wusste ich: Ich will das lernen! Unbedingt! Koste es mich, was es wolle!
Seitdem ist der Ofen aus und man muss mich regelrecht einsperren, wenn man nicht will, dass man mich nur eine halbe Stunde später wieder irgendwo im Stall einfangen muss.
Es ist fast schon beängstigend, denn ich bin sicher leicht zu begeistern, aber in aller Regel verfliegt diese Aufregung gleich nach ein paar Wochen wieder irgend etwas Neues kommt um die Ecke gebogen.
Dieses "Problem" habe ich allerdings jetzt seit August am Hals. Das sind, wenn ich richtig rechne, fünf Monate. Und es wird eher schlimmer als besser.
Ich bin seit dem ersten mal grundsätzlich 2x die Woche auf der Bahn - manchmal, wenn die Zeit es zulässt - 3 oder 4 mal und wenn ich genügend Kohle hätte, würde ich wahrscheinlich jeden Tag dort sein und versuchen zu lernen, was man, wenn man als Erwachsener das allerste mal auf einem Pferd sitzt, eigentlich für überhaupt nicht lernbar hält.
Hatte ich nämlich schon erwähnt, dass Reiten lernen sauschwer ist?
Hatte ich?
Das aber Interessante daran ist: je mehr man sich als Anfänger damit beschäftigt, je mehr man übt, je tiefer man sich in die Materie hinein gräbt, je mehr Theorie man verschlingt und versucht, in die Praxis umzusetzen – desto stärker wird die Erkenntnis, dass man noch gar nichts weiß. Und noch weniger kann.
Es ist in etwa so, als zeichnete sich im fahlen Morgennebel ein so unaussprechlich langer Weg ab, dass einem ganz anders wird.
Und trotzdem: winzige Kleinigkeiten verbessern sich nach und nach - auch wenn das Wort "verbessern" viel zu stark ist.
"Weniger schlecht" passt vielleicht eher:
Hier ein paar Schritte endlich eine Ahnung bekommen, wie sich der richtige Sitz anfühlen „könnte“, dort festgestellt, dass die Lehrer möglicherweise doch recht haben könnten, wenn sie empfehlen, sich beim Angaloppieren nicht vorzubeugen. Wenn einem (noch eher zufällig) gelingt, das Pferd tatsächlich mit Gewicht und Schenkel auf eine Schlangenlinie zu reiten, dass der Zügel wirklich nicht zum daran reißen da ist.
Dass die Schmerzen und Blessuren (am Reiter!) immer weniger werden.
Hätte mir jemand noch im Frühjahr letzten Jahres gesagt, dass ich mir so eine Tortur antun würde, immer und immer wieder und dass ich das auch noch toll finden würde, dem hätte ich höchstwahrscheinlich den Vogel gezeigt.
Wir haben das Glück, bei einem (sofern ich das beurteilen kann) recht guten Reitverein mit (sofern ich das beurteilen kann) recht guten Schulpferden und (sofern ich das beurteilen kann) recht guten Lehrern untergekommen zu sein und ich gehöre (und das beurteilen jetzt andere) nicht zu den ganz Unbegabten.
Die Rahmenbedingungen sind also schon mal gar nicht so schlecht.
Trotzdem heißt das noch lange und drei Tage nicht, dass ich auch nur die entfernteste Ahnung davon habe, wie Reiten können geht.
Das ist übrigens nicht „billig selber schlecht machen“, sondern eine Erkenntnis, zu der ich (und wie ich glaube auch korrekt) gelangt bin: Man darf sich niemals selbst überschätzen, besonders nicht im Reitsport. Und ganz besonders nicht als Anfänger. Und Anfänger, das bin ich. Aber hallo!
Genauso wichtig ist es aber auch, keine Angst zu haben. Ich denke, daran scheitern so einige. Vor allem in meinem Alter.
Ein grundgesunder Respekt, Ruhe und Bedacht, den Kopf (sammt Inhalt) beisammen halten, das ist wichtig. Und fragen, abschauen, nachmachen, ausprobieren, üben, scheitern, wieder fragen, wieder nichts verstehen weil ganz anders gedacht, nichts klappt und plötzlich reagiert das Pferd auf eine gegebene Hilfe und für einen Moment ist es so, als hätte man hinter einen Schleier geblickt.
Diese Momente sind selten. Aber es gibt sie.
Das sind die Momente, in denen die Verbindung zwischen Tier und Reiter steht. Bis sie dann bei mir Pfeife natürlich sofort wieder abreisst.
Aber manchmal hält diese Verbindung plötzlich eine paar Schritte länger, als sie das noch vorgestern getan hat.
Und da ich ein Anfänger bin, der weiß, dass er nichts weiß, denke ich, habe ich das Recht, hier in diesem Thread zu schreiben!
Also ja. "Pferdeleute" im Form! Bestätige!
Ach so, in diesem Laden hier ging's ja eigentlich um Uhren...![]()
Ergebnis 1 bis 20 von 56
Thema: Pferdeleute im Forum
Hybrid-Darstellung
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09.01.2012, 15:15 #1
Geändert von retsyo (09.01.2012 um 15:18 Uhr)
Gruß,
Martin
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