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Babbelschnuut
21.07.2026, 23:58
Rolex Datejust Vintage Referenz 16014 aus 1983.

„Mein Loblied auf die Datejust“

Viele Zeitgenossen neigen ja dazu das schönzureden, was sich bereits in ihrem Besitz befindet.
Diesbezüglich bin ich keine Ausnahme. Die Uhr vermachte mir mein Erzeuger Ende der 80er. Ich wäre nie auf die Idee gekommen für eine so unspektakuläre Armbanduhr so viel Geld auszugeben.

Da aber meiner Meinung nach die sogenannten Sportmodelle in den letzten Jahren sehr gehypt wurden, will ich der typischen und klassischen Schmuckuhr (mit dem alten Durchmesser 36mm), heute mal demonstrativ meine besondere Wertschätzung aussprechen.

Wie gesagt, die o.g. Datejust habe ich seit 1988 und sie hatte in dieser Zeit ca. 80% Wristtime. In dieser Zeit hat sie mich gut bedient. Sie blieb nicht stehen und wurde kaum langsamer. Und sie hat von allem etwas.
Sie ist leicht (unter 100g mit Band - das ist bequem), hat ein robustes Jubiband dran das ich nur 1x neu verstiften lassen musste und kann schnell und unauffällig unter meiner Hemdmanschette verschwinden, wenn es darauf ankommt.
Sie hat eine hübsche schmuckige Riffellünette, sie hat Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger und (!) ein Datum.
Ich finde diesen Funktionsumfang sollte man von einer Armbanduhr im täglichen Einsatz -mit einem solchen Preis- schon erwarten dürfen.

Warum ich da absolut nichts vermisse:
Ich tauche nicht (eigentlich nie !!) auf 100 m Tiefe, ich durchquere nicht im Flugzeug mehrere Zeitzonen pro Monat, ich sitze nicht täglich neben einer Maschine mit starkem Magnetfeld (Krankenhäuser sind mir ein Greuel), ich klettere nicht regelmäßig in Höhlen, wo es mich tierisch nervt, wenn die Leuchtmasse meiner Uhr nach 2-3h spätestens schlappmacht.

Den Mount Everest mit der alten Explorer (ohne Datum) überlasse ich gerne jüngeren und fitteren Zeitgenossen, die es anscheinend nicht stört zum Gipfel hoch in einer Schlange zu warten, die man eigentlich eher an einem Infoschalter der Deutschen Bahn erwartet (wenn mal wieder was nicht geklappt hat).

Ich brauche auch kein neueres Uhrwerk mit tierischer Gangreserve ( was ja bei den neuen Werken als so großer positiver Technologiesprung beworben wird), da ich die Uhr nur Nachts für 6-8h maximal ablege. Dafür geht diese Uhr verblüffend genau, macht keine Mätzchen, Ersatzteile sind vergleichsweise günstig, das Material ist kratzfest.
Das Deckglas ist aus Plexiglas (also Kunststoff oder „Plaste“). Wenn sie herunterfliegt geht es nicht in 1000 Teile und muss dann wegen der Gefahr von Splittern im Werk auch nicht komplett zerlegt werden. Bei diesen Anlässen werden dann gerne auch vorgezogene Komplett-Revisionen angeboten, die so viel wie 5 „normale“ Uhren kosten - aber das gehört hier nicht hinein.
Die entstehenden Kratzer und Dellen im Plexiglas bleiben entweder drin, oder werden mit Spezialmittel durch mich höchstpersönlich herauspoliert.
Das ist dann auch eher günstig.

„Kofferartige“ Uhren sind mir ein Gräuel, deswegen werde ich wohl bei dieser, meiner altgedienten Begleiterin bleiben, das sogenannte „Flippern“ ist nicht mein Problem. Ich halte das für ein typisches Syndrom unserer schnelllebigen Modeströmungen. Gerade mit einer Rolex zeige ich aber doch, dass mir Qualität und Kontinuität viel wichtiger ist, oder ?:bgdev:

WUM
22.07.2026, 07:11
na denn, zum Wohle!


Gruss


Wum

oskrnbg
22.07.2026, 07:58
Und jetzt bitte Fotos :)

Norbert
22.07.2026, 08:11
Sehr schön beschrieben. :gut:

myself
22.07.2026, 08:58
Wirklich eine schöne Beschreibung! :gut:

Ich vernachlässige meine leider schon seit einiger Zeit, diese Worte sollte mich animieren, ihr mal wieder die Aufwartung zu machen. ;)

mcloud44
22.07.2026, 09:15
Die Datejust ist eine wunderschöne zeitlose Uhr. Mittlerweile mag ich sie (mit dem richtigen Blatt) sogar in Bicolor.

Uhromat
22.07.2026, 11:30
eine schöne Huldigung der Datejust.
zu Recht :-)

R.O. Lex
22.07.2026, 11:41
Jetzt weiß ich endlich warum sich bei mir über die Zeit ein paar DateJusts angesammelt haben. =)

siggi415
22.07.2026, 11:56
Das war jetzt göttlich. ;)

Die Datejust ist auch sehr wandlungsfähig, von dezent bis auffällig ist alles möglich. :gut:

AndreasL
22.07.2026, 16:57
Und eine DJ geht eigentlich immer.

Babbelschnuut
22.07.2026, 17:07
https://thumbs.picr.de/51122491cr.jpg (https://show.picr.de/51122491cr.jpeg.html)

https://thumbs.picr.de/51122492ma.jpg (https://show.picr.de/51122492ma.jpeg.html)

https://thumbs.picr.de/51122493ah.jpg (https://show.picr.de/51122493ah.jpeg.html)

https://thumbs.picr.de/51122494rp.jpg (https://show.picr.de/51122494rp.jpeg.html)

https://thumbs.picr.de/51122495or.jpg (https://show.picr.de/51122495or.jpeg.html)

Danke für das wohlwollende Echo !
Ich fand, es wurde mal Zeit für einen solchen Beitrag.

Ich vergaß noch zwei Punkte:
Muss nicht aufgezogen werden
„Napft“ nicht bei Hitze am Arm.:D

So. Das sollte jetzt erst einmal reichen.
Wenn noch einer einen Vorzug kennt: her damit :jump:

Prof. Rolex
23.07.2026, 05:50
Dann erlaube ich mir hier noch einige historische und textlastige Ergänzungen zur Datejust, die ich vor einigen Jahren in einem anderen Zusammenhang schon einmal gepostet habe.

Wer wie ich in den 70er Jahren mit Rolex aufgewachsen ist, für den ist die Datejust einfach DIE Rolex schlechthin. Wer damals „eine Rolex“ tragen wollte, kaufte eine Datejust oder auch ihre Schwester Day-Date (was im Vergleich zur Stahl- oder Rolesor-Datejust naturgemäß erhebliche zusätzliche finanzielle Mittel erforderte). Und natürlich wurde eine Datejust damals mit einem Jubilee-Band getragen, das neben dem Präsidentband als DAS Erkennungsmerkmal einer Rolex gesehen wurde. Submariner, GMT-Master und erst recht Explorer, Daytona oder gar die Milgauss wurden damals (im Vergleich zur Datejust) in eher homöopathischen Dosen und zumeist nur an Spezialisten verkauft. Zu diesen Spezialisten gehörte ich damals übrigens auch, als ich mir als erste Rolex dann doch keine Datejust, sondern eine Explorer II 1655 aussuchte, die aufgrund entsprechender Vorkonditionierung natürlich kaum als Rolex wahrgenommen wurde.

Die damaligen Verkaufszahlen zeigten die Datejust-Lastigkeit übrigens auch ganz deutlich: Rolex gab im Rahmen des bekannten Rolex/Tchibo-Prozesses 1984 beispielsweise den Anteil der Rolex Modelle 6917/3 (Lady-Date in gelbem Rolesor) und 16013 (Herren-Datejust in gelbem Rolesor) mit 40% des Stückumsatzes und 25% des Wertumsatzes der Oystermodelle (die wiederum 95% des Gesamtumsatzes ausmachten) an. Nehmen wir nun noch die Gold-, die Stahl- und die weißen Rolesormodelle hinzu, wage ich zu behaupten, daß damals ca. 70% des Stückumsatzes auf die Datejust (inkl. Damen- und Mediumgrößen) entfielen. Und natürlich war die Nachahmung einer Datejust (und nicht etwa einer Submariner) das „Corpus Delicti“ in diesem ersten großen Prozeß um eine Rolex-Nachahmung.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine recht selten Datejust erwähnen, die Referenz 1600, die über eine polierte Stahllünette verfügt. Warum ist aber die 1600 im Vergleich zur 1603 (geriffelte Stahllünette) und 1601 (gerippte Weissgoldlünette) so selten anzutreffen?

Nun, dies hängt mit der Modellpolitik von Rolex in den 70er Jahren zusammen. Die 1600 war nämlich in keinem Kundenkatalog und keiner Kundenpreisliste in Europa aufgeführt und führte daher ein Schattendasein. Kaum ein Kunde und auch kaum ein Konzessionär wusste überhaupt von dieser Referenz. In den Kundenkatalogen waren nur die 1601, die 1603 und die Date 1500 (34 mm, polierte Stallünette) bzw. 1501 (34 mm, geriffelte Stahllünette mit Stundenindices) aufgeführt. Die Datejust wurde dabei immer mit Jubilee- und die Date mit Oysterband abgebildet.

Kam nun damals ein Kunde zum Konzessionär und fragte nach einer Rolex ohne ein genaues Modell zu benennen (was damals sehr oft vorkam), so wurde ihm zunächst die Datejust 1603 und/oder 1601 vorgelegt, die dann in 99% der Fälle „kataloggemäß“ mit Jubilee-Band ausgerüstet war. Auch die Schaufenster der Konzessionäre waren damals „voll“ mit 1601/1603. Es war halt die typische Rolex der damaligen Zeit und ein absoluter Bestseller. Wollte ein Kunde nun aber ein schlichtere Uhr ohne die gerippte oder geriffelte Lünette, so wurde ihm nicht etwa eine 1600 (auch kaum ein Konzessionär wusste von der Existenz der 1600), sondern eine Date 1500 gezeigt, die dann in 99% der Fälle „katalogmäßig“ mit Oysterband ausgestattet war. Selbst wenn sich ein Kunde vorher mit dem Katalog beschäftigt hatte, so ist ihm die Existenz der 1600 verborgen geblieben, wobei dem „gemeinen“ Kunden wohl auch kaum der Unterschied zwischen einer 1600 und einer 1500 aufgefallen wäre.

All dies ist der Grund warum wir auch heute noch ein sehr großes Angebot an Datejust 1601/1603 und auch Date 1500/1501 finden, aber so gut wie keine 1600.

Übrigens tauchte auch die Nachfolgereferenz 16000 erst 1984 im Kundenkatalog auf und wurde so erstmals einem größeren Publikum bekannt.

Vielleicht darf ich mir noch einen kleinen Exkurs in die Fersehgeschichte erlauben, der ebenfalls zeigen wird, daß die Datejust in den 70er und 80er Jahren das Synonym für „Rolex“ war.

Wer wie ich in den 70er schon ein „Rolex-Fan“ war und sich zusätzlich für Krimis interessierte, hat natürlich auch die diversen Krimiserien „Der Kommissar“, „Derrick“, „Der Alte“ und ab 1981 auch „Ein Fall für Zwei“ im Fernsehen mit Begeisterung verfolgt. Das Interesse galt dabei nicht nur den oftmals verzwickten Kriminalfällen, sondern auch den Uhren, denn diese Serien hatten eine extrem hohe „Rolex-Dichte“. In den meisten Fällen waren der damaligen Zeit entsprechend Datejust-Modelle mit Jubilee-Band zu sehen und auch dies ist ein Beweis für die damalige „Vorherrschaft“ der Datejust.

Bereits 1969 trug Reinhard Glemnitz in der Rolle des Robert Heines in „Der Kommissar“ eine Rolex Datejust, die in einigen Folgen sehr gut zu erkennen ist. Die Tradition setzte sich dann über „Derrick“ und „Der Alte“ fort. Sowohl Erwin Köster (Siegfried Lowitz) als auch sein Mitarbeiter Gerd Heimann (Michael Ande) in „Der Alte“ trugen beide eine Datejust. Stephan Derrick (Horst Tappert) trug bekanntermaßen u.a. eine Day-Date 1803/8. Harry Klein (Fritz Wepper) trug sowohl in „Der Kommissar“, als auch bei „Derrick“ eine GMT-Master 1675/0 und zeigte, daß es doch noch „andere“ Rolex-Modelle gab. Nach dem Wechsel von Harry Klein zu Derrick (1974) war übrigens in „Der Kommissar“ als Ersatz der Bruder von Fritz Wepper, Elmar Wepper in der neuen Rolle des Erwin Klein zu sehen. Auch er trug eine Rolex Datejust, die auch noch in den Serien „Polizeiinspektion 1“, „Zwei Münchener in Hamburg“ und „Unsere schönsten Jahre“ aus den 80ern zu sehen ist. Und als 1981 „Ein Fall für Zwei“ begann trug Josef Matula (Claus-Theo Gärtner) ebenfalls eine Datejust.

Die „Rolex-Dichte“ in den damaligen Krimiserien war aber nicht nur bei den Hauptdarstellern sehr hoch, sondern auch die jeweiligen Darsteller in den einzelnen Folgen trugen sehr häufig eine Rolex Datejust wie beispielsweise Iris Berben, Louise Martini, Dieter Schidor, etc.. Raimund Harmstorf hingegen fiel mit seiner goldenen Daytona 6265/8 damals völlig aus dem Rahmen.

Alle diese Serien sind heute auf DVD erhältlich und zeigen ein Abbild der damaligen Zeit und beweisen, daß die Datejust damals das Maß aller Rolex war.

Für mich jedenfalls ist und bleibt die Datejust (neben Ihrer Schwester Day-Date) DER Klassiker im Rolex-Programm.

Viele Grüße
Matthias

Perseus
23.07.2026, 06:19
Danke für diesen Beitrag :dr:

AndreasL
23.07.2026, 06:39
Besten Dank, Matthias.

Die 1600 mag ich auch. Schön dezent.

367525

Norbert
23.07.2026, 06:57
Vielen Dank, Matthias! :verneig:

thewatchjoe
23.07.2026, 07:28
Sehr cooler Thread! Danke, Jochen und Matthias! :dr:

R.O. Lex
23.07.2026, 10:07
Die 1600 mag ich auch. Schön dezent.

Finde ich auch.

https://up.picr.de/50506355fk.jpg



https://up.picr.de/48826496ee.jpeg

Babbelschnuut
23.07.2026, 14:38
Klasse Matthias !
Du machst den Unterschied mit deinen Beiträgen.
:)

mcloud44
23.07.2026, 15:11
Sehr schön Miguel😍

MisterE
23.07.2026, 16:12
Danke an Euch beide, Jochen und Matthias!

A) für das Thema insgesamt und B) für die wertvolle Ergänzung

Auch meine erste Rolex war eine DJ. Warum? Weil man mit der schlicht und ergreifend nix falsch macht. Ich kann nur beipflichten. Für mich die Rolex schlechthin. Trotz Edelmetall und Sportys in meiner Sammlung.

trk1969
23.07.2026, 19:20
Die Datejust ist auch sehr wandlungsfähig, von dezent bis auffällig ist alles möglich.

Dezent vs. auffällig. Beide alt. :D

https://up.picr.de/51125567ui.jpeg

volvic
23.07.2026, 19:21
Hattest die rechte D. gerade an?

Yachtmaster16622
23.07.2026, 19:22
Die sogen. "Sportys" gab es zwar auch in den Schaufenstern der Konzis, aber nur relativ selten an den Handgelenken in freier Wildbahn zu sehen. Das waren dann i. d. R. eher etwas "komische Typen", die solche Uhren trugen. Heute ist eher fast umgekehrt! ;)

LG Ed

P.S.: Meine erste "richtige Uhr" war eine Datejust 16030 in blau, Jubilé, kostete seinerzeit im Jahre 1986 genau 2.200,- DM. Die Weißgold-Rolesor hätte dagegen 3.000,- DM gekostet. 800,- DM fuer die Luenette war es mir damals nicht wert. Dafuer war mein damaliges Azubi-Gehalt doch zu klein ...

trk1969
23.07.2026, 19:27
Hattest die rechte D. gerade an?

Yep! Gutes Auge! :gut:

volvic
23.07.2026, 19:38
:D

Babbelschnuut
25.07.2026, 08:43
In dieser Form wird meine Datejust heutzutage angeboten - das ist Kontinuität :op:
https://thumbs.picr.de/51130738nq.jpg (https://show.picr.de/51130738nq.jpeg.html)

Babbelschnuut
25.07.2026, 09:19
Abschließend meinerseits zum Thread:
Die Uhr kostete 2475 DM und das gab es dazu (Hang-Tags fehlen, keine Ahnung warum):
https://thumbs.picr.de/51130792jp.jpg (https://show.picr.de/51130792jp.jpeg.html)

Vintage George
25.07.2026, 09:36
Schöner thread.

Die Datejust war auch meine erste Rolex vor genau 30j. Der Klassiker schlechthin

Edit:Rolex 16233 Bicolor Listenpreis März 1996 7350DM wenn ich mich gut erinnere. An der Kasse verlangte der Herr nur 6900DM, von selber ohne zu fragen.

Babbelschnuut
08.08.2026, 11:54
Das war jetzt göttlich. ;)
Die Datejust ist auch sehr wandlungsfähig, von dezent bis auffällig ist alles möglich. :gut:

Danke für diese besondere Huldigung meines kleinen Aufsatzes Siggi !:dr:

Babbelschnuut
08.08.2026, 11:58
Schöner thread.

Edit:Rolex 16233 Bicolor Listenpreis März 1996 7350DM wenn ich mich gut erinnere.
An der Kasse verlangte der Herr nur 6900DM, von selber ohne zu fragen.
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Da kann man mal sehen wie sich die Zeiten geändert haben.
Heute soll der „Normal-Kunde“ sich gedulden. Nicht jedermanns Sache.