Ich bin im gleichen Alter, in der gleichen Branche und ich hatte nach ca. 1,5 Jahren im Job auch diese Probleme. Ich hatte noch vor einem Jahr überlegt, ob ich es nicht an den Nagel hänge und noch mal studieren gehe, weil ich so sehr unter der Arbeit gelitten hatte.
Wie die Automobilbranche läuft, ist aussenstehenden oft nicht bekannt; keiner ahnt, dass der Ton häufig eher dem auf dem Bau entspricht, dass der Termin- und Kostendruck ausserordentlich ist und dass häufig mit unfairen Mitteln gespielt wird.
Ich würde behaupten, dass mein Job nicht weniger stressig geworden ist, aber ich habe zwischenzeitlich gelernt abzuschalten. Ein Arbeitskollege hat mir beim Feierabendbier erzählt, dass er meditiert, um abzuschalten - er hatte dafür im Raum Waldshut einen Kurs besucht.
Bei mir wars ein Hobby, das mir geholfen hat: Schießen. Klingt jetzt irgendwie abartig, aber seit ich zwei mal die Woche auf den Schießstand gehe und mit dem Gewehr auf 50m Schieße, geht's mir deutlich besser. Beim Schießen muss ich mich so sehr auf das Schießen konzentrieren, dass eine absolute Leere im Kopf entsteht, dass ich keine Möglichkeit mehr habe an die Arbeit zu denken. Ich bin ein furchtbar schlechter Schütze, aber allein die notwendige Konzentration, dass ich überhaupt im Schwarzen lande, lässt es nicht zu, dass ich zwischendurch noch an andere Dinge denke. Danach bin ich entspannt, ruhig, gelassen, wie früher nur nach mindestens zwei Wochen Urlaub. Inzwischen gelingt es mir, diese Leere im Kopf auch von alleine zu erlangen. Heimkommen, kurz aufs Sofa vor die Glotze, mich berieseln lassen und noch mal durchgehen, was den Tag über passiert ist. Dann ist's auch schon vorbei mit den Gedanken an die Arbeit und ich kann den Feierabend so erleben, wie er sein soll: Erholend.

Es ist nicht immer der totale Wechsel, der der einzige Ausweg ist.

Ich habe selbst erfahren und mir von vielen Kollegen sagen lassen, dass man häufig erst einen Weg finden muss, wie man mit der Situation umgehen kann, um in ihr nicht zu leiden. Fast alle, denen ich davon erzählt hatte, dass es mir nicht gelingt, abzuschalten, haben mir von den gleichen Problemen erzählt, die sich aber durch Hobbies, Übungen oder auch einfach durch die Zeit gegeben haben.

Bei mir war es der verspätete Praxis-Schock, nachdem die ersten anderthalb Jahre so gut liefen. Warum er kam, kann ich bis heute nicht sagen, aber ich bin froh, dass ich ihn los bin. Ich bin immer noch in der gleichen Branche, immer noch in der gleichen Firma, wenn auch inzwischen an höherer Position als damals. Aber viel wichtiger: Ich bin glücklich.

Ich wünsch Dir alles Gute!