Weiter geht es mit der Zerlegung des Datumsmechanismus. Die Sicherungsscheibe wird aufgedreht und die Datumscheibe entnommen.


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Dann werden die 5 gebläuten Schrauben demontiert und die Führungsplatte incl. Datumsraste entnommen. Wieder so ein Detail zum Thema Servicefreundlichkeit. Die Schrauben besitzen unten einen kleinen, zylindrischen Führungsansatz, der problemloses Einsetzen ermöglicht. Kein Gewackel, kein Verkippen, keine Nervenbelastung.


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Der Kopf der Raste als Detail. Beim 3035 war der drehbar, damit konnte man die Höhenposition der Zahl im Datumsfenster feinjustieren. Ich wollte das hier auch mal probieren, das Ding sitzt aber so fest, dass es mir nicht gelungen ist. Entweder ist das nicht mehr vorgesehen oder ich habe einfach ein besonders störrisches Exemplar erwischt. Macht aber nix, da das Datum bei meiner Uhr korrekt sitzt.


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Die Unterseite, hier ist die Datumsraste eingehängt.


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Der freigelegte Mechanismus.


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Ich werde hier nicht das Prinzip der augenblicklichen Datumschaltung erklären, das hatte ich in diesem Thread

https://www.r-l-x.de/forum/showthrea...-Kalibers-1575

schon mal gemacht. Und obwohl der sich auf das 1575 bezieht, das Grundprinzip ist auch nach all den Jahren gleich geblieben.

Stundenrad und Zwischenrad für den Antrieb des Datumrads können einfach entnommen werden.


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Das Prinzip der augenblicklichen Schaltung mag gleich geblieben sein, die involvierten Einzelteile haben sich deutlich geändert. So sind die Nockenwippe und die starke Feder zu einem federnd wirkenden Frästeil zusammengefasst worden, welches natürlich wieder die Rubinrolle trägt.


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Hier nochmal ausgebaut. Daneben die Unterseite des Datumrads mit der Nockenscheibe.


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Und nochmal von oben. Die sichelförmige Nut gibt es noch, die ist ja für die Funktion unabdingbar. Sie ist aber vollständig verdeckt.


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Jetzt zur Schnellverstellung. Hier sieht man die Raste für die 3 Kronenpositionen (blauer Pfeil), das Antriebsrad für die Schnellverstellung (grüner Pfeil), ein Zwischenrad und das auf einer Art Wippe gelagerte Verstellrad.


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Hier mal ohne Zwischenrad und dann nochmal die Einzelteile, ich denke da kann man den Aufbau ganz gut erkennen.


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Die Funktion ist als Film mal wieder einfacher zu erfassen. Nicht wundern, ich musste hier 2 Filme zusammenstückeln, da mir beim Ziehen der Krone in Position 3 durch die Erschütterung immer die Teile rausgesprungen sind. Zunächst steht die Krone in Position 1, also Aufzugstellung. Bzgl. Schnellverstellung tut sich nichts, das Antriebsrad ist offensichtlich ausgekuppelt. Dann ziehe ich die Krone in Position 2, Schnellverstellung. Jetzt ist das Antriebsrad eingekuppelt und es wird klar, warum das Verstellrad beim Wechseln der Drehrichtung nach innen bzw. außen schwenkt. Der Schwenkweg wird dadurch begrenzt, dass das V-förmige Ende des Wippenarms an einem Pin anschlägt. Dann ziehe ich die Krone in Position 3, Zeigerstellen. Das Antriebsrad ist wieder ausgekuppelt, die Schnellverstellung steht still. Allerdings in einer definierten Position, da beim Ziehen der Krone der Pin nach innen geschwenkt ist und nun den Arm blockiert.

https://vimeo.com/793103002

Die Erklärung für diese ganze Kuppelei folgt dann später bei der Demontage des Aufzug- und Zeigerstellmechanismus.

Nun wird das Viertelrohr abgezogen, welches gekerbt ist und darüber die Zeigerreibung herstellt. Also das seit Jahrzehnten bekannte und bewährte Prinzip.


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Jetzt wird es spannend. Die obere Lagerstelle des Sekundenrads liegt frei. Da steht ja zumindest der Verdacht im Raum, dass an dieser Stelle die Schmierung versagt und in der Folge erhöhte Reibung die Amplitudenwerte ruiniert.


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Großaufnahme. In die Hohlwelle des Minutenrads ist ein Rubin eingepresst. Aber zu meiner Überraschung einer ohne Ölsenkung. Ich kann allerdings mangels Know-how nicht beurteilen, ob die an dieser Stelle evtl. gar nicht sinnvoll ist oder ob sie sich bei diesen Durchmesserverhältnissen überhaupt nicht realisieren lässt.


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Es sei noch erwähnt: In diesem Stadium der Demontage beträgt die Amplitude bei ZO und Vollaufzug heute mal 224 Grad. Und unter dem Mikroskop kann man ganz klar erkennen, dass die Hemmung nicht trockengelaufen ist. Da ist definitiv Öl auf den Ankerpaletten. Das kann ich leider noch nicht fotografieren, muss da noch das richtige Setting finden.


Das war’s für heute (nicht meckern – „Western von gestern“ hat auch immer an der spannendsten Stelle aufgehört). Beim nächsten Mal geht es erst mal nicht mit der Zerlegung weiter, sondern ich erlaube mir einen Exkurs zur genaueren Analyse dieser Lagerstelle.

Gruß

Erik