Uhren sind schlechte Spekulationsobjekte. Im Einkauf liegt der Gewinn und wenn sich Laien an die Thematik ranwagen, haben sie normalerweise weder den Einblick, noch die Kontakte, noch das Einkaufsvolumen. Irgendeine Uhr aus dem Konzifenster zu kaufen ist ähnlich gewinnversprechend, wie dem freundlichen Sparkassenmann sein Geld anzuvertrauen. Die Spekulationsgewinner sind ganz selten die Privatiers, die halt zufällig im entscheidenden Moment zugegriffen haben und sich ende der Siebziger für die Patek Nautilus Jumbo entschieden haben. Eher sind es Profis, die den Markt systematisch sondieren, ihn genau kennen und zur Not über entsprechende Liquidität verfügen, um das echte Schnäppchen dann auch zu realisieren oder eben um den Hammer aus der Sammlung rauszueisen, indem man eben die ganze Sammlung kauft (oder eben dem unwissenden Privatier seine "schäbbige alte Nautilus" für Kleines abnehmen und dann vergolden). Ansonsten sind Spekulationsuhren doch eher unentspannt: man darf sie nicht tragen, jeder Kratzer kostet Rendite. Omega-Uhren haben wie jedes Massenprodukt zudem den entscheidenden Nachteil, daß jeder, der einen Konzi gut kennt, das Ding mit echten Prozenten rauseisen kann. Diese Prozente hast du vermutlich nicht und genau die wären dein Gewinn.

Eines noch: die Tatsache, daß Vintage-uhren heute so lohnende Objekte sind, ist erklärbar. Es hat nur bedingt was mit Hype zu tun und was mit der Lust auf das ganz Besondere. Mit dieser Lust wirbt heute jeder Luxushersteller, jeder suggeriert mit limitierten Sondermodellen und dem Herumreiten auf der Tradition, daß sein Stück eine Anschaffung fürs Leben sei - unterschwellig assoziiert man natürlich enorme Werthaltigkeit. Aber die entscheidende Frage ist: warum ist eine wertvolle Uhr aus den 50ern und 60ern heute so selten? Weil es kaum eine gab. Weil die Leute geschichtsbedingt ärmer waren und ganz andere Dinge im Kopf hatten, als wertvolle Uhren und wertvolle Autos. In den Aufbauzeiten waren ganz andere Werte gefragt als Luxus und Pomp, die Herstellungszahlen beweisen das eindrucksvoll. Heute ist das anders. Schau dich um: Hinz und Kunz trägt Tausende Euro schwere Wecker durch die Gegend, jeder fährt Mercedes Cabrio. Früher hat man sich umgedreht nach einem SL, heute schon lange nicht mehr. Kaum einer der Freunde meiner Eltern - obwohl viele Unternehmer - trugen Rolex und co. Heute trägt sogar unser Azubi Breitling. Wenn diese ganzen heute erworbenen Spielzeuge irgendwann durch die Erbengeneration zu den Auktionshäusern getragen werden - Ende Gelände. Will kein Mensch mehr. Voller Markt ist schlecht für die Rendite.

Kauf sie, wenn sie dir gefällt und sieh den Spaß am Tragen und am Besitz als Rendite, dann machst du Gewinn, aber eine lohnende Anlage sieht anders aus.