Danke für die freundlichen Kommentare.



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Die vergangenen 20½ Jahre haben natürlich ein paar Spuren an der Uhr hinterlassen, besonders am Band konnte man sehen, dass die Aquatimer gerne getragen wurde – insgesamt nichts wildes, keine tiefen Kratzer, Dellen oder Schmisse, aber die polierten Mittelglieder waren doch schon recht stumpf und die satinierten Armbandglieder hatten auch schon bessere Zeiten gesehen.


Also wollte ich mich an einer möglichst schonenden Aufbereitung des Armbands probieren und dabei mit den 22 polierten Mittelgliedern der Uhr anfangen. Ich kann durchaus von mir behaupten, handwerklich nicht ganz unbegabt zu sein – ich arbeite seit mehr als 30 Jahren als Kundendiensttechniker im Außendienst, habe als Kind und Jugendlicher gerne und viel gebastelt und schraube gelegentlich auch an meinem mobilen Alteisen. Nur von Uhren habe ich bisher meine Finger gelassen.
Das sich das Armband dank seiner genialen Konstruktion aber kinderleicht vollständig in seine Einzelteile zerlegen lässt und ich nicht mit irgendwelchen Maschinen arbeiten wollte, ging ich furchtlos zu Werke.


Das Polieren:


Bei der sich nun bietenden Gelegenheit wollte ich gleich drei Metallpolituren in Leistung und Verarbeitung miteinander vergleichen:
Cape Cod Poliervlies (12 Tücher in dekorativer Blechdose; 24,95 Euro)
Nevr Dull (5 Oz. / 142 g Polierwatte in Blechdose; 8,99 Euro)
Autosol Edel-Chromglanz (75 ml Tube; 5,79 Euro)



Zuerst sollten den Mittelgliedern wieder zu ihrem ursprünglichen Hochglanz verholfen werden – jedenfalls so gut es eben geht – und dazu wurde das Band vollständig zerlegt. Ich reinige und sortiere bei der Gelegenheit gleich die Verbindungsstifte nach ihrer Größe, denn es gibt tatsächlich neun verschiedene Längen. Auch die zu polierenden Mittelglieder haben unterschiedliche Größen, was aber unproblematisch ist, da die Dinger „Technikersicher“ sind und jede Größe nur einmal passt.
Um die Polierleistung der drei oben genannten Probanden fair vergleichen zu können, begrenze ich die Polierzeit auf 3 Minuten pro Bandglied und Politur.

Cape Cod

Nachdem das Band jetzt zerlegt ist, „spanne“ ich eines der Cape Cod Tücher um eine kleine Holzbox und dann wird gerubbelt.
Das Tuch färbt sich schnell schwarz und verspricht eine ordentliche Polierleistung. Nach drei Minuten schrubben werden die Politurreste mit einem Microfasertuch abgewischt und die Oberfläche des jetzt bearbeiteten Mittelgliedes begutachtet:


vorher


nachher


Nevr Dull

Als nächstes soll das Nevr Dull zeigen, was es kann.
Die in Oldtimer- und Motorradfahrerkreisen bekannte und beliebte Politur funktioniert auf ähnliche Weise wie die Poliertücher von Cape Cod, nur dass hier die reinigenden und polierenden Erdölderivate nicht in ein Tuch eingebracht sind, sondern in Watte.

Mit der Watte muss natürlich anders gearbeitet werden, auf die Holzbox spannen entfällt aus nachvollziehbaren Gründen. Also zupfe ich ein wenig Watte das der Dose, klemme das Mittelglied fest zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und poliere mit rechts und festem Druck, die Watte verfärbt sich dabei kaum. Nach drei Minuten und einem kleinen Krampf ob der ungewohnten Haltung in der linken Hand sieht das polierte Bandglied dann so aus:


vorher


nachher


Autosol Edel-Chromglanz

Last but not least kommt das Autosol Edel-Chromglanz an die Reihe.
Der Klassiker aus Solingen ist eine echte Hausnummer im Bereich Chrompolitur und -pflege und hat sicher Stoßstangen, Relinge und Zierteile von Millionen Yachten und Oldtimern auf Hochglanz gebracht. Auch wenn das Zeug Edel-Chromglanz heißt, so taugt es doch für alle unlackierten Metalle – Vater polierte mit Autosol und Sidol das Messing auf seinem Boot zu nie gekanntem Glanz und was für’s Boot und den Wagen taugt, kann für den Stahl der Uhr ja nicht verkehrt sein.

Hier gehe ich ähnlich vor wie bei der Politur mit dem Cape Cod, ein weiches Papiertuch (Chicopee Veraclean Critical Cleaning Plus) wird mehrfach gefaltet und um die schon erwähnte Holzbox gewickelt. Auf dem Tuch wird ein kleiner Klecks Politur dünn verteilt und dann geht’s los, kreisförmig und über Kreuz. Wie schon zuvor das rosafarbene Cape Cod färbt sich auch das hellblaue Chicopee Tuch schnell schwarz und, vielleicht ist das aber auch nur Einbildung, ich fühle förmlich, wie die Oberfläche des Mittelglieds glatter wird, denn es gleitet bald leichter, flüssiger über das Tuch. Wegen der pastösen Konsistenz der Autosol Politur und weil ich verhindern möchte, dass das Zeug in die Bohrungen fließt, werden die Haltestifte während des Poliervorganges wieder in den Mittelgliedern platziert.
Nach den drei Minuten zeigt sich dann folgendes Bild:


vorher


nachher


Zwischenfazit:

Ich habe bewusst die am übelsten aussehenden Mittelglieder für diesen Test ausgewählt, so dass die drei Polituren mal so richtig zeigen konnten, was sie wirklich drauf haben. Beide Amerikaner machten einen guten Job, die Poliertücher von Cape Cod vielleicht noch eine Tick besser als die Watte von Nevr Dull. Die beste Arbeit leistet aber der preisgünstigste der drei Kandidat, das Edel-Chromglanz von Autosol, auch wenn die Fotos die Unterschiede nicht ausreichend gut wiedergeben. Sämtliche Kratzer konnten von keiner der verwendeten Polituren entfernt werden, dafür braucht es dann wohl doch Maschinenkraft. Insgesamt konnte aber eine deutliche Verbesserung des Zustands erreicht werden und ich bin mit dem Ergebnis soweit zufrieden.
Die Politur der restlichen Mittelglieder erfolgte dann natürlich mit dem Autosol Edel-Chromglanz.


Das Satinieren:


Nach den polierten Mittelgliedern sollen jetzt die satinierten Glieder des Armbands aufgearbeitet werden. Hierfür habe ich mir zwei Schleifblöcke „Garryflex“ von Garryson besorgt, einmal Medium 120 und einmal Fine 240.
Um aus den zwei Körnungen die Passende und natürlich auch die beste Arbeitsweise herauszufinden, muss erst einmal die Schliesse meiner alten und ziemlich verschrammten Dugena Poseidon herhalten.
Der mittelscharfe Block stellt sich schnell als zu grob heraus, der Block mit der feinen Körnung passt aber.

Beim über an der Dugena fand ich heraus, dass beim Mattieren das Werkstück immer in eine Richtung über den Schleifblock geschoben und keinesfalls kreisförmig gearbeitet werden sollte, da sonst Hologramme entstehen können.
Die Schleifleistung des Garryflex ist meines Erachtens nach sehr gut, es geht recht schnell, bis das gewünschte Ergebnis sichtbar ist und dass beim schleifen die Oberfläche des Gummiblocks immer glatter wird, tut der Wirkung des Schleifblocks tatsächlich keinen Abbruch.


vorher


nachher


Gesamteindruck

Fazit:

Insgesamt bin ich mit meiner Arbeit recht zufrieden, auch wenn nicht alle Kratzer vollständig entfernt werden konnte und die Bandglieder nicht aussehen, als seien sie ladenneu. Wichtig war mir in erster Linie, dass bei der Geschichte möglichst wenig Material abgetragen wird.

… die polierten Flanken der Uhr und die satinierten Oberseiten der Hörner könnten eine sanfte Aufbereitung ebenfalls vertragen, bei den Flanken sehe ich kein Problem, aber die Hörner zu satinieren traue ich mich tatsächlich nicht.


PS:
Die „Nachher“-Fotos der polierten Mittelglieder sind nicht so gut gelungen, ich bin wirklich nicht der beste Fotograf und darum bitte ich die mittelmäßige Qualität zu entschuldigen. Ich hoffe aber, dass trotz der mäßigen Bilder der Unterschied zur Ausgangslage ausreichend erkennbar ist.