Guten Morgen allerseits,
dies ist mal ein Threat, der mich aus der Passivität des Mitlesens heraus zum Antworten zwingt.
FirstWerner: treffend beschrieben. Das Bedürfnis, Unendlichkeit zu schaffen (oder zumindest zu deren Schaffung beizutragen). Und dass sich die Uhr als das mit "unmittelbarste" eines Mannes wie der Schmuck der Dame am besten zum Geschichte Fortschreiben eignet, wohl wahr. Nur wenige Gegenstände können dieses Bedürfnis "materialisieren". Wenngleich es sie doch auch abseits des Handgelenkes gibt: das Käfer Cabrio aus 1965 des Arztes aus dem Nachbarort, das er sich damals von seinen ersten Einkünften leistete. Oder die Ferlacher Büchsflinte des Förstersohnes, in Form derer sich sein Vater am Ende eines langen Dienstlebens seinen Traum erfüllte. Bei mir ist es der Steinweg Flügel aus Familienbesitz, auf dem die nunmehr vierte Familien-Generation von den ersten Gewaltverbrechen am Quintenzirkel bis hin zur Pianistenreife Geschichte fortschreibt. Geschichte dessen, was im jeweiligen Kulturkreis -ob im engeren der Familie oder im weiteren einer ganzen Nation- Werte repräsentiert. Ich werde -genau wie mein Vater seinerzeit- wohl den jeweiligen Gegenwert eines respekablen Zuffenhausener Sportwagens in die Überholung des Instruments investieren, und die Geschichte geht weiter.
So weit so gut. Nur müssen wir nicht glauben, damit neuartig zu denken: "Sustainability" ist der Megatrend dieses Jahrzehnts. Ein Wert, den die Nach-Dot-Com-Generation just aus der zweiten Reihe geholt, entstaubt und enorm geboostet hat. Nach dem "Anti"-Trend, dem "Spaß"-Trend ist es nun eben dieser, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete. Zu erkennen u.a. an den Absatz-Zuwächen bei Rolex, aber auch an der Anzahl derer, die sich einen SLK einmotten in der Hoffnung, er möge zum Klassiker reifen (als einer von 400'000 produzierten). In 10-20 Jahren werden wir von sog. "Klassikern" jeglicher Art überschwemmt werden, dann, wenn längst ein anderer Wert dominiert. Dann, wenn wir den "Sustainability" Trend als solchen -wieder mal- im Rückspiegel klarer als solchen erkennen werden als zu dem Zeitpunkt, an dem wir mitten in ihm steckten.
Also freuen wir uns an unserern eigens begonnen oder würdig fortgeschriebenen Geschichten, im Bewußtsein, dass wir damit nicht allein sind und es uns somit auch niemand ausser uns selbst honorieren wird.
In diesem Sinne uns allen viel bewußten Spass auf dem Weg zur "Commoditization der Unendlichkeit" ;-)
Beste Grüsse
Bernd
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Thema: Die Unendlichkeit!
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30.08.2005, 10:29 #1Air-King
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RE: Die Unendlichkeit!




Werner: treffend beschrieben. Das Bedürfnis, Unendlichkeit zu schaffen (oder zumindest zu deren Schaffung beizutragen). Und dass sich die Uhr als das mit "unmittelbarste" eines Mannes wie der Schmuck der Dame am besten zum Geschichte Fortschreiben eignet, wohl wahr. Nur wenige Gegenstände können dieses Bedürfnis "materialisieren". Wenngleich es sie doch auch abseits des Handgelenkes gibt: das Käfer Cabrio aus 1965 des Arztes aus dem Nachbarort, das er sich damals von seinen ersten Einkünften leistete. Oder die Ferlacher Büchsflinte des Förstersohnes, in Form derer sich sein Vater am Ende eines langen Dienstlebens seinen Traum erfüllte. Bei mir ist es der Steinweg Flügel aus Familienbesitz, auf dem die nunmehr vierte Familien-Generation von den ersten Gewaltverbrechen am Quintenzirkel bis hin zur Pianistenreife Geschichte fortschreibt. Geschichte dessen, was im jeweiligen Kulturkreis -ob im engeren der Familie oder im weiteren einer ganzen Nation- Werte repräsentiert. Ich werde -genau wie mein Vater seinerzeit- wohl den jeweiligen Gegenwert eines respekablen Zuffenhausener Sportwagens in die Überholung des Instruments investieren, und die Geschichte geht weiter.
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