Die Geschichte geht weiter. Nachdem Weihnachts- und Neujahrstrubel halbwegs überstanden waren, bin ich also vor ein paar Wochen zur freundlichen Firma B. getapert, um die alten Knickzeiger einbauen zu lassen. Eine höfliche junge Dame führte mich in den Wartebereich (nett) und servierte kurz darauf einen hervorragenden Espresso (sehr nett). Dann kam ein Herr aus der Werkstatt und eröffnete mir, dass er nicht gewillt sei, meinen Auftrag entgegen zu nehmen (gar nicht nett).

Die Begründung haben wir so oder ähnlich hier schon seit Jahren rauf und runter diskutiert (…blabla…ist ja schon auf SL umgebaut…blabla…Tritium…blabla…12 Jahre Halbwertszeit…blabla…Radioaktivität…blabla…Million en Tote…blabla…bröseliges Zinksulfid im Uhrwerk…blabla…Schäden in Milliardenhöhe…blabla…). Der Inhalt der Klammer war jetzt sowohl unfair als auch maßlos übertrieben. Wenn sie den Job nicht machen wollen, dann ist das okay. Also Plan B.


Ihr ahnt wahrscheinlich, was jetzt kommt…


- Exkurs –

Den Mutigen gehört die Welt – welch ein Dummspruch. Rangiert in meiner Liste der blöden Motivationsweisheiten für die mittlere Managementebene mit Ambitionen auf Platz 2, gleich hinter „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Rolf Dobelli hat in seinen wunderbaren Büchern den zugrundeliegenden Mechanismus für die Popularität dieses Unsinns sehr schön erklärt – eine fatale Kombination aus einfachster Psychologie und simpler Statistik.

Es gibt eine hohe Anzahl Menschen, die ohne groß zu Überlegen nicht ganz triviale Projekte angehen. Z.B. Kündigen und eine Internet-Firma gründen. Oder zu Fuß zum Nordkap marschieren. Oder eine teure Uhr reparieren. Und einigen gelingt dies auch. Sagen wir mal 2 Prozent. Und diese berichten dann in „Den Mutigen gehört die Welt“-Artikeln im Internet davon. Problem: Die 98 Prozent, die mangels vernünftiger Vorbereitung gescheitert sind, stellen keine „Die Deppen zahlen kräftig Lehrgeld“-Artikel ins Netz. So entsteht ein fatales „You can do it if you really try“-Grundrauschen im Universum.

Warum erzähle ich das? Einfach nur, um eine kleine Warnflagge in den Wind zu hängen. Es ist keine schlechte Idee, auf kostengünstigem Terrain in Ruhe Laufen zu lernen und Sicherheit zu gewinnen, anstatt mal eben hektisch einen Tausender durch den Schornstein zu jagen. Und wenn es dann soweit ist und geklappt hat, dann kann man sich ja zur Belohnung einen schwarzen Van und ein Schweißgerät kaufen, sich eine Zigarre anzünden und „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ sagen – das ist nämlich ein guter Spruch.

- Exkurs Ende –



Zur Sache. Die Ausgangssituation. Passende Anstösse und ein neues Faltband hatte ich ihr schon im Dezember verpasst.





Aufmachen und Welle raus. Werkhalteschrauben lösen und aufs Kissen kippen.














Rein in den Werkhalter und das wichtigste Teil überhaupt platzieren.








Jetzt eine Abweichung von Manons hervorragender Anleitung (http://www.r-l-x.de/forum/showthread...New-Generation). Ich komme mit diesem Presto-Zeigerabheber nicht klar. Habe damit diverse Übungs-Citizens geschrottet. Also die klassischen Gabeln. Und ein Stück Folie, damit die Zeiger nicht quer durch die Wohnung fliegen, wenn sie von der Welle floppen.











Alle Dots noch da, keine Kratzer. Geht doch.





Zwischendurch immer wieder Staub ausblasen. Und sei es nur, weil mir das Puste-Dings so gut gefällt.





Vorsichtig die neuen, alten Zeiger positionieren und auf die Wellen drücken.








Zusammenbauen und genießen.










Manon: Danke für deinen Spitzen-Thread und die Hilfestellung bzgl. der Aufzugswelle.

Michi: Nochmal Danke für das Angebot. Hat sich aber erledigt.


Gruß

Erik


P.S.: Mein Psychiater hat übrigens inzwischen rausgefunden, woher dieser Selber-mach-Zwang kommt. Ich habe als Kind in Schleswig-Holstein zu viele lokale Comics gelesen.