Als Endverbraucher sieht man ja nur die Schaufensteruhren und schnappt die eine oder andere Information auf. Als technisch interessierter Mensch ist das neue Rolexkaliber 3255, vorgestellt in der neuen 40mm Daydate, die schönste Neuheit aus Genf.

Da haben sie richtig Grundlagenforschung betrieben: auf dem Weg vom Federhaus zum Zeigerabtrieb geht sehr viel Energie der Antriebsfeder verloren bzw. wird in Wärme umgewandelt.

Reibung ist das Zauberwort: sie reduziert die Gangreserve, schmälert die lageabhängige Ganggenauigkeit und ist verantwortlich für den mechanischen Verschleiß der bewegten Teile.

Die Genfer haben sich viele Gedanken zu diesem Thema gemacht und nicht nur die Lagerungen optimiert, sondern auch Zahngeometrien, die Oberfläche der Antriebsfeder, die Form und Größe der Kontaktstellen der Ankerhemmung und den Platz für die Antriebsfeder durch ein dünnwandigeres Federhaus.

Mittlerweile produziert Rolex selbst die Öle für die Kaliberschmierung selbst. Das beeindruckende Resultat soll eine annähernde Halbierung der Gangabweichung und eine auf rund 70 Stunden gestiegene Gangreserve sein. Diese Werte sollen vom, ich hoffe ich drücke mich hier richtig aus, eingeschalten Uhrwerk erreicht werden.

Oder simpel ausgedrückt: die Uhren laufen auch nach dem Zusammenbau genauer. Gangabweichungen von mehreren Minuten/Tag, wie hier jüngst mehrfach berichtet wurden, sollten damit der Vergangenheit angehören, zumal durch geschickte Materialauswahl und -Kombination auch die Empfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern reduziert wurde.

Allerdings habe ich bei Seiko einige Uhren gesehen, unter denen ein schlichtes, kleines Schild behauptet: "maximale Gangabweichung +/-1 Sekunde/Tag. Guten Tag Seiko.