Eigentlich ist es ROLEX, der die Überfälle verursacht, da sie eine Rückhaltungs-Verkaufspolitik betreiben und dies weltweit, läd es förmlich zu einem Überfall ein.
Mit Verlaub, das ist so nicht richtig: die Alternative wäre eine Überschwemmung des Marktes mit entsprechendem Preis- und Wertverfall. Rolex gäbe es bei der Metro (wie Cartier) und bei Tchibo zu kaufen, jeder Bankazubi hätte seine Sub am Arm und unsereins würde sich umschauen, wie Wert und Image auf einmal in den Keller rutschen. Das wäre dann die Stunde der Vintagesammler.

Dank meines Berufs kenne ich viele Konzessionäre, die schon häufig Opfer von Überfällen wurden. Denen zu raten: hey, sagt eurem Mutterkonzern doch mal, die Schleusen auf und jedem Interessenten seine Uhr... Diebe würden sofort das interesse an der Uhr verlieren, Kunden aber auch. Rolex ist immer gut mit der Reglementierung des Warenflusses gefahren, das Ergebnis sieht man heute auf dem Uhrenmarkt: wieviele Marken sind in der Versenkung verschwunden, geschluckt worden, billig geworden, schlecht geworden, weil sie aus welchem Grund auch immer ihren Prinzipien untreu geworden sind?

Stichwort Bruchteil des Wertes: man wäre überrascht, zu sehen, wie gering dieser Verfall tatsächlich ist. Ich vermute, daß man auch auf dem Graumarkt für eine neue Rolex mindesten 60% des Ladenpreises erzielt. Das ist bei normalem Schmuck nicht zu machen. Dort bekommt man höchstens den Materialwert und der ist vielleicht 20% des VK-Wertes. Einfache Rechnung: 18-karätiges Gold hat einen Materialwert von ca. 8,- pro Gramm, wird aber mindestens für 30,-, bei Juwelieren meist für 60,- pro Gramm verkauft. Bei Diamanten (großen, wohlgemerkt) mag die Lage anders sein. Noch dramatischer wird der Verfall bei Farbsteinen und am schlimmsten ist er bei Perlen. Da gibt es quasi garnichts für. Hat was mit der Nachfrage zu tun, oder hat schon mal jemand einen Moskauer Unterweltler mit einer Südseeperlenkette am Hals gesehen? Und der kann seine Uhr ein Leben lang perfekt warten lassen, ohne jemals einen Konzi zu besuchen. Naja, den hat er vermutlich in Düsseldorf und co. besucht...

Stichwort Auftragsüberfall: in dem Fall bindet man sich eine Sprengstoffweste um den Wanst oder kettet sich an die Heizung und haut sich selbst eine rein. Dafür ein Überfallkommando zu heuern, welches sich zur Mittagszeit, wild um sich ballernd, den Weg durch die Düsseldorfer Innenstadt bahnt, halte ich für verwegen. Aber es stimmt schon: es wird extrem viel Schindluder getrieben, der Branche geht es schlecht und Not macht erfinderisch.

Gruß,

Tobias