Nanu, keine weiteren Beiträge mehr?

Dann erlaube ich mir noch einige „textlastige“ Ergänzungen, da mir ja bekanntermaßen weder die poetische Schreibweise (meine Bewunderung an Anatol), noch die äußerst prägnante, singularistische Kulmination (meine Bewunderung gilt wieder einmal Werner: Hammer!!!) liegen.

Wer wie ich in den 70er Jahren mit Rolex aufgewachsen ist, für den ist die Datejust einfach DIE Rolex schlechthin. Wer damals „eine Rolex“ tragen wollte, kaufte eine Datejust oder auch ihre Schwester Day-Date (was im Vergleich zur Stahl- oder Rolesor-Datejust naturgemäß erhebliche zusätzliche finanzielle Mittel erforderte). Und natürlich wurde eine Datejust damals mit einem Jubilee-Band getragen, das neben dem Präsidentband als DAS Erkennungsmerkmal einer Rolex gesehen wurde. Submariner, GMT-Master und erst recht Explorer, Daytona oder gar die Milgauss wurden damals (im Vergleich zur Datejust) in eher homöopathischen Dosen und zumeist nur an Spezialisten verkauft. Zu diesen Spezialisten gehörte ich damals übrigens auch, als ich mir als erste Rolex dann doch keine Datejust, sondern eine Explorer II 1655 aussuchte, die aufgrund entsprechender Vorkonditionierung natürlich kaum als Rolex wahrgenommen wurde.

Die damaligen Verkaufszahlen zeigten die Datejust-Lastigkeit übrigens auch ganz deutlich: Rolex gab im Rahmen des bekannten Rolex/Tchibo-Prozesses 1984 beispielsweise den Anteil der Rolex Modelle 6917/3 (Lady-Date in gelbem Rolesor) und 16013 (Herren-Datejust in gelbem Rolesor) mit 40% des Stückumsatzes und 25% des Wertumsatzes der Oystermodelle (die wiederum 95% des Gesamtumsatzes ausmachten) an. Nehmen wir nun noch die Gold-, die Stahl- und die weißen Rolesormodelle hinzu, wage ich zu behaupten, daß damals ca. 70% des Stückumsatzes auf die Datejust (inkl. Damen- und Mediumgrößen) entfielen. Und natürlich war die Nachahmung einer Datejust (und nicht etwa einer Submariner) das „Corpus Delicti“ in diesem ersten großen Prozeß um eine Rolex-Nachahmung.

Kommen wir in diesem Zusammenhang noch einmal zurück zu der 1600 von Claus und Milou. Werners „hammermäßige“ Reaktion auf die 1600 ist dabei wohl ihrer relativen Seltenheit geschuldet. Warum ist aber die 1600 im Vergleich zur 1603 und 1601 so selten anzutreffen?

Nun, dies hängt mit der Modellpolitik von Rolex in den 70er Jahren zusammen. Die 1600 war nämlich in keinem Kundenkatalog und keiner Kundenpreisliste in Europa aufgeführt und führte daher ein Schattendasein. Kaum ein Kunde und auch kaum ein Konzessionär wusste überhaupt von dieser Referenz. In den Kundenkatalogen waren nur die 1601, die 1603 und die Date 1500 bzw. 1501 aufgeführt. Die Datejust wurde dabei immer mit Jubilee- und die Date mit Oysterband abgebildet.

Kam nun damals ein Kunde zum Konzessionär und fragte nach einer Rolex ohne ein genaues Modell zu benennen (was damals sehr oft vorkam), so wurde ihm zunächst die Datejust 1603 und/oder 1601 vorgelegt, die dann in 99% der Fälle „kataloggemäß“ mit Jubilee-Band ausgerüstet war. Auch die Schaufenster der Konzessionäre waren damals „voll“ mit 1601/1603. Es war halt die typische Rolex der damaligen Zeit und ein absoluter Bestseller. Wollte ein Kunde nun aber ein schlichtere Uhr ohne die gerippte oder geriffelte Lünette, so wurde ihm nicht etwa eine 1600 (auch kaum ein Konzessionär wusste von der Existenz der 1600), sondern eine Date 1500 gezeigt, die dann in 99% der Fälle „katalogmäßig“ mit Oysterband ausgestattet war. Selbst wenn sich ein Kunde vorher mit dem Katalog beschäftigt hatte, so ist ihm die Existenz der 1600 verborgen geblieben, wobei dem „gemeinen“ Kunden wohl auch kaum der Unterschied zwischen einer 1600 und einer 1500 aufgefallen wäre.

All dies ist der Grund warum wir auch heute noch ein sehr großes Angebot an Datejust 1601/1603 und auch Date 1500/1501 finden, aber so gut wie keine 1600.

Übrigens tauchte auch die Nachfolgereferenz 16000 erst 1984 im Kundenkatalog auf und wurde so erstmals einem größeren Publikum bekannt.

Vielleicht darf ich mir noch einen kleinen Exkurs in die Fersehgeschichte erlauben, der ebenfalls zeigen wird, daß die Datejust in den 70er und 80er Jahren das Synonym für „Rolex“ war.

Wer wie ich in den 70er Jahren mit Rolex aufgewachsen ist und sich zusätzlich für Krimis interessierte, hat natürlich auch die diversen Krimiserien „Der Kommissar“, „Derrick“, „Der Alte“ und ab 1981 auch „Ein Fall für Zwei“ im Fernsehen mit Begeisterung verfolgt. Das Interesse galt dabei nicht nur den oftmals verzwickten Kriminalfällen, sondern auch den Uhren, denn diese Serien hatten eine extrem hohe „Rolex-Dichte“. In den meisten Fällen waren der damaligen Zeit entsprechend Datejust-Modelle mit Jubilee-Band zu sehen und auch dies ist ein Beweis für die damalige „Vorherrschaft“ der Datejust.

Bereits 1969 trug Reinhard Glemnitz in der Rolle des Robert Heines in „Der Kommissar“ eine Rolex Datejust, die in einigen Folgen sehr gut zu erkennen ist. Die Tradition setzte sich dann über „Derrick“ und „Der Alte“ fort. Sowohl Erwin Köster (Siegfried Lowitz) als auch sein Mitarbeiter Gerd Heimann (Michael Ande) in „Der Alte“ trugen beide eine Datejust. Stephan Derrick (Horst Tappert) trug bekanntermaßen u.a. eine Day-Date 1803/8. Harry Klein (Fritz Wepper) trug sowohl in „Der Kommissar“, als auch bei „Derrick“ eine GMT-Master 1675/0 und zeigte, daß es doch noch „andere“ Rolex-Modelle gab. Nach dem Wechsel von Harry Klein zu Derrick (1974) war übrigens in „Der Kommissar“ als Ersatz der Bruder von Fritz Wepper, Elmar Wepper in der neuen Rolle des Erwin Klein zu sehen. Auch er trug eine Rolex Datejust, die auch noch in den Serien „Polizeiinspektion 1“, „Zwei Münchener in Hamburg“ und „Unsere schönsten Jahre“ aus den 80ern zu sehen ist. Und als 1981 „Ein Fall für Zwei“ begann trug Josef Matula (Claus-Theo Gärtner) ebenfalls eine Datejust.

Die „Rolex-Dichte“ in den damaligen Krimiserien war aber nicht nur bei den Hauptdarstellern sehr hoch, sondern auch die jeweiligen Darsteller in den einzelnen Folgen trugen sehr häufig eine Rolex Datejust wie beispielsweise Iris Berben, Louise Martini, Dieter Schidor, etc.. Raimund Harmstorf hingegen fiel mit seiner goldenen Daytona 6265/8 damals völlig aus dem Rahmen.

Alle diese Serien sind heute auf DVD erhältlich und zeigen ein Abbild der damaligen Zeit und beweisen, daß die Datejust damals das Maß aller Rolex war.

Für mich jedenfalls ist und bleibt die Datejust (neben Ihrer Schwester Day-Date) DER Klassiker im Rolex-Programm.

Gruß
Matthias