Nach meinem Ausflug in die Miniaturmesserwelt Mitte Juni darf zum Ausgleich jetzt wieder was Großes ran. In der Vergangenheit hatte ich immer nur Gutes über den Hersteller des Gegenstands dieser Vorstellung gelesen. Auch der Stil des bisher Gesehenen sprach mich an. Grund genug, da auch mal zuzugreifen und bei der Gelegenheit zu schauen, ob die Lobhudelei gerechtfertigt ist.
Am Wochenende durfte der Bestellbutton dran glauben und heute ist es angekommen: ein WE Knife 814A Chimera Bronze.
Das Messer ist geöffnet 22,7 cm lang, von denen im geschlossenen Zustand 12,8 cm übrig bleiben; ohne den nur tip-up/r montierbaren Clip ist das Chimera 1,3 cm breit. Das Gewicht beträgt 141 Gramm.
Die satinierte, flachgeschliffene Clippoint-Klinge mit beidseitiger Fuller Groove ist 4 mm stark, 9,9 cm lang und besteht aus CPM S35VN in einer Rockwell-Härte von ca. 59-61 HRC.
Das Griffstück aus 6AL4V-Titan ist im Twotone-Bronzefinish anodisiert; alternativ gibt es eine Lefthand-, eine Fullblack-, eine silberfarbene und eine Variante mit Damast-Klinge.
Griffigkeit gewährleisten ein ausgeprägter Choil sowie diverse Einfräsungen in den Linern und Jimpings auf dem Backspacer.
Thumbstuds gibt´s nicht; geöffnet wird per skelettiertem Flipper. Die Verriegelung übernimmt mit lautem Klacken ein Framelock.
Nutzen manche Marken gerne die Flächen auf der Klinge und teilweise auch dem Griffstück für mehr oder weniger umfangreiche Romane so hält sich das Chimera hier vornehm zurück. Bis auf das zwar große, aber minimalistische Firmenlogo über dem linksseitigen Klingenlager und den ganz subtil unten auf dem Flipper-Tab eingelaserten Hinweis auf den verwendeten Klingenstahl gibt es nichts zu lesen.
Was auch gut ist. Denn mit der nach „This is Sparta!“ aussehenden Klingenform und den vielen Aus- und Einfräsungen hat das Auge genug zu tun; sie geben dem Look das gewisse Etwas.
Überall an diesem Messer gibt es was zu entdecken. Rillen treffen auf Bohrungen treffen auf Vertiefungen treffen auf Sicken treffen auf Zacken. Passend zum Namen ein ziemliches Durcheinander: die feuerspeiende Chimäre der griechischen Mythologie vereint lt. Homer den Kopf eines Löwen, den Rumpf einer Ziege und das Hinterteil eines Drachens bzw. einer Schlange.
Das Chimera ist hervorragend…nein, überragend verarbeitet. Egal ob Griffstück oder Klinge, keine Grate, keine Lunker, nicht eine kleine Riefe trübt das Bild.
Dabei korrespondiert die bronzefarbene Hardware wunderbar mit den angefasten, airbrushmäßig in den Grundfarbton übergehenden Kanten.
Die einzelnen Parts fügen sich einwandfrei zusammen. Nirgends steht irgendwas vor; alles sitzt und passt. Die Klinge ist exakt mittig zentriert und weist kein Spiel auf.
Auf der Habenseite addieren sich weiterhin der pulvermetallurgische Hochleistungsstahl sowie die Keramikkugellagerung der Klinge. Der Lock verfügt über ein Edelstahlinsert.
Hardware und Schrauben sind ebenso aus Titan wie der lange, stabilitätsfördernde Backspacer mit integriertem Schlagstück und Lanyard-Öse. Ausfräsungen an den Innenseiten der Liner sparen Gewicht.
Auch der mit nur einer Schraube befestigte Titan-Clip verdient eine Erwähnung: kein Drahtbügel oder gebogenes Metall, sondern aus dem Vollen gearbeitet und damit einerseits verwindungssteif, andererseits dank schlankem Mittelteil dennoch flexibel. Selbst auf ihm finden sich Zierfräsungen.
Die Funktion kommt ebenfalls nicht zu kurz. Für den kräftigen Detent braucht es zwar ordentlich Zeigefingermuskeln, aber hat man ihn überwunden schwingt die Klinge wunderbar weich, gleichmäßig und vor allem schnell heraus.
Die Handlage ist aufgrund der abgerundeten und ergonomischen Form ideal. Selbst der Choil an der Klinge ist einigermaßen verwertbar, auch wenn zumindest mein Zeigefinger nur gerade so eben dort hineinpasst. Die großzügige Daumenmulde vor der Swedge hingegen lädt geradezu zum Kurzfassen ein.
Last but not least kommt das Chimera monsterscharf out of the box.
Zum Lieferumfang gehören eine gut gepolsterte Nylontasche mit Platz für zwei Messer (clever!), ein Putztuch (da jubiliert die PTM in mir) und zwei Sticker.
Mein persönliches Fazit:
Wenn alle WE Knives so gemacht sind wie dieses kann ich sagen, dass die allfällige Begeisterung berechtigt ist. Haptik, Optik, Passgenauigkeit und Ausstattung sind so dermaßen perfekt, makellos, detailverliebt und umfangreich, dass man das Chimera spontan auch glatt 2-3 Preisklassen höher angesiedelt vermuten könnte.
Ergebnis 1 bis 20 von 8672
Baum-Darstellung
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24.06.2020, 20:06 #11Lasky
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