Kleine Anekdote zu Rio: Ernesto, der beste Freund meines Großvaters ist vor den ****s ende der 1930er aus Deutschland abgehauen, da er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln schlimmeres befürchten musste. Neue Destination war Rio, wo er auch bis zu seinem Tod noch fast 70 Jahre lebte. Ungefähr 2001 sah ich Ernesto zum letzten mal bei einem Besuch in Deutschland und eine Geschichte ist mir bis heute hängen geblieben:
Als er in einer hübscheren Gegend Rios spazieren lief, kamen zwei Jugendliche mit einem Moped angefahren, hielten neben ihm, bedrohten ihn mit einer Schusswaffe und nahmen ihm die Rolex und die Brieftasche ab. Danach fuhren sie weiter. Ernesto dachte, dass er zumindest ohne Verletzung glimpflich davon gekommen sei und ging weiter, als er die Gangster wieder zurück kommen sah. Ernesto bekam es mit der Angst zu tun, konnte aber nicht fliehen - so gut war er nicht mehr zu Fuß. Die Gangster hielten wieder neben ihm, reichten ihm seine Rolex mit der Bemerkung, dass die ja gar nicht echt sei und er sie behalten könne. Eine Rolex würde nicht ticken, sagte der jüngere der Gangster. Es war eine Oysterquartz!
Die Brieftasche bekam er auch wieder, natürlich ohne das Geld darin. Dass es noch so eine Art Kleinkriminellenehre gab, freute Ernesto enorm. Ich hatte keinerlei Verständnis für ihn.