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    Daytona Avatar von Flopi
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    Zitat Zitat von Uhrenturm Beitrag anzeigen
    Guten Morgen zusammen,

    nach langer Zeit des stillen Mitlesens habe ich mich aktiv angemeldet.

    Ich selbst war bisher ein großer Freund von Rolex habe im laufe des Lebens ein paar Modelle angesammelt und war doch in den letzten Jahren mehr und mehr enttäuscht von der vermeintlichen Rolex-Marketingstrategie, Uhren anzubieten, diese aber nicht liefern zu können / wollen.
    Wenn auch ein bereits bekannter Kunde mit Kaufhistorie bei einem Konzessionär jahrelang auf eine Einsteiger-Rolex warten muss mit der Begründung, diese sei aktuell nicht verfügbar, ist es schon bedenklich. Klar, eine Uhr ist nicht überlebenswichtig, jedoch stellt sich mir die Frage, wo denn alle jene 800.000 Uhren hingehen, die ja geschätzt jährlich bei Rolex hergestellt werden.

    Daher ging mein Blick in letzter Zeit auf andere Hersteller und was mir sowohl geschichtlich als auch optisch ins Auge fiel war ALS.
    Ich habe mich in der Vergangenheit intensiv mit der Geschichte befasst und stelle aber nun auch hier fest, dass ALS wohl vor kurzem damit begonnen hat, die Rolex-Strategie der vermeintlichen Verknappung anzuwenden.

    Was sich mir bisher noch nicht erschlossen hat, ist die Preispolitik von ALS. Nachdem - wie hier auch schon berichtet wurde - die Preise zum Teil sehr happig angezogen wurden (Thin von 17k€ -> 21k€) verstehe ich aber wirklich nicht, warum man z.B. im Internet eine 2 Jahre alte, gebrauchte Thin (ich unterstelle mal Originalität) für 13.900€ erwerben kann, diese Uhr seit Monaten online ist und der Preis schon zum wiederholten Male weiter gesenkt wurde.

    Ich kaufe eine Uhr nur deshalb, weil sie mir gefällt und nicht primär als Wertanlage. Mir ist bewusst, dass Uhren jenseits von AP, PP und Rolex auch nicht unbedingt im Preis steigen.
    Aber hier sprechen wir von fast 45% Verlust in 2 Jahren bei einer gleichzeitig aus dem Hause Richemont verkündeten "Verknappung" des Angebots. Meiner Meinung nach passt das nicht wirklich zusammen und verzerrt mein bisher stets positives Bild über ALS & meine Intention, eine Saxonia zu erwerben.

    Moin,

    das ist ein komplexes Thema und versuche mich mal an einer Antwort:

    L&S fertigt in normalen Jahren zwischen 5000-6000 Uhren. Derzeit wohl aufgrund von Lieferkettenproblemen weniger. Damit ist L&S deutlich exklusiver als Patek oder AP. Die Uhren selbst sind technisch/handwerklich auf höchstem Niveau und nicht wenige sehen die Substanz von L&S sogar über Patek.

    In Bezug auf Image und Bekanntheit hingegen lag L&S gut 20 Jahre deutlich hinter Patek und AP (da machen sich Jahrzehnte Nicht-Existenz durch die DDR-Zeit bemerkbar) und war im Markt eher eine Understatement-Marke für wirkliche Uhren-Liebhaber. Noch dazu hat sich L&S an Kunden gerichtet, die eher der Gruppe "Altes Geld" zugerechnet werden könnten und im Vergleich zu "Neu-Reichen" materielle Dinge für den persönlichen Genuss kaufen und weniger für's Show-off. Diese Kunden gehen dann zum Konzi und kaufen neu und suchen weniger gebrauchte Uhren im Zweitmarkt. Das ist alles natürlich sehr pauschalisiert, trifft aber m.E. den Kern des Themas. Aus meiner Sicht waren daher die Preise auf Zweitmarkt wie von dir beschrieben - Abschläge von ca. 50% vom Listenpreis waren die Regel, da schlicht die Nachfrage sehr niedrig war. So waren z.B. auch solche Ikonen wie der Datograph teilweise für Preise um die 30k zu finden.

    Dann setzte der Sachwert-Hype ein, der bekanntlich auch die Uhrenbranche erwischte. L&S schlug - wie andere Marken auch - den Weg der eigenen Boutiquen ein, um einerseits die Schnittstelle zum Kunden selbst zu beherrschen, als auch die Preishoheit zu bekommen bzw. die Retail-Margen selbst zu verbuchen. Etwas zeitversetzt begann die Marke dann auch, die Social Media Kanäle immer aktiver zu "bespielen" und den Share of Vocie zu erhöhen. Im Fokus standen dabei vor allem Ikonen wie die L1, der Datograph, die Zeitwerk und einige andere Modelle. Parallel dazu - so die Gerüchte aus dem Markt - fing Watchfinder (Gebrauchtuhren-Plattform, die von L&S Mutterkonzern Richemont gekauft wurde) an, gezielt Lange Modelle aufzukaufen (z.B. Datograph) und so die Preise nach oben zu treiben. Bei internationalen Auktionen von Christie's & Co. kletterten in der Folge die erzielten Auktionspreise auch, wurden öffentlich sichtbar und trugen so ebenfalls zum steigenden Hype um L&S Uhren bei.

    Dann kam die Odysseus als erste L&S Stahl-Sportuhr - gerade passend in der Zeit um den Mega-Hype bei der Nautilus und der RO. Und da die Uhr in sehr kleinen Stückzahlen/Jahr gefertigt wird, dauert es keine 12 Monate und auch die Zweitmarktpreise der Odysseus schossen durch die Decke.

    Parallel zu all dem führte L&S eine neue Vertriebspolitik ein. Die Odysseus gab es von Beginn an nur in Boutiquen und nach kurzer Zeit auch nur noch für Kunden, die zuvor in der Boutique ordentlich Umsatz gemacht hatten. Für andere Limited Editions galt gleiches. Und jetzt folgt der nächste Schritt: Konzessionen werden eingezogen, immer mehr auf die Boutiquen fokussiert und kompliziertere Uhren wie Chronos, Zeitwerk u.ä. soll es künftig nur noch in Boutiquen geben.

    Alles in allem sieht das aus wie ein gut-orchestrierter Ansatz, Begehrlichkeit, Image und Bekanntheit nachhaltig zu steigern. Die Werthaltigkeit von Ikonen wie dem Datograph, Zeitwerk & Co hat sich signifikant erhöht. Auch die Preise für gebrauchte L1 (von der wohl die höchsten Stückzahlen im Markt sind) ziehen deutlich an. Und ich gehe davon aus, dass über die Zeit auch die Preise für die Saxonia in diesem Fahrwasser anziehen werden, wenn auch nicht mit einer vergleichbaren Intensität. L&S befindet sich da noch ein Stück weit hinter Rolex, Patek und AP und ist noch immer im Prozess, aufzuschließen.

    Traurig dabei ist, dass L&S mit ihrer Vertriebspolitik langjährige Kunden von offiziellen Händlern vor den Kopf stößt und keine Wertschätzung beimisst, da die Kundenhistorie bei Händlern in den Boutiquen rein gar nichts zählt und es so zu absurden Aufforderungen kommt, z.B. vor der Zuteilung einer Odysseus doch gefälligst erst mal eine Lange 1 oder eine 1815 auf/ab zu kaufen, obwohl der Kunde diese längst besitzt, nur eben nicht in einer L&S Boutique gekauft hat. Aber die Arroganz leistet sich die Marke, weil es genügend Wohlhabende gibt, die L&S gerade erst für sich entdecken und daher die Kasse ausreichend klingelt.
    Geändert von Flopi (20.05.2022 um 09:46 Uhr)
    Viele Grüße
    Ralf

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