Faszinierend, in der Tat! Ich kann mich ohnehin des Eindrucks nicht erwehren, dass jede Rolex für sich ein absolutes Einzelstück ist (abgesehen von der Seriennummer). Je tiefer man in den Mikrokosmos abtaucht, je besser die Lupe, die man verwendet - welch Welt würde sich erst unter einem Rasterelektronenmikroskop eröffnen - desto mehr Unterschiede, Fragen und Rätsel tauchen wohl auf und desto mehr Alleinstellungsmerkmale würde man finden. "Im Gehäuse meiner LV befinden sich 2 nichtmetallische Einschlüsse!"......

Jeder von uns hat somit auf die eine oder andere Art und Weise seine "personalisierte" Armbanduhr...ist doch ein immens gutes Gefühl ein Unikat am Armgelenk baumeln zu haben, oder? Wobei ich beim Verkauf dieses Wissen natürlich marketinggerecht verpacken würde:"Endlässiges Tragegefühl durch nichtmetallische Einschlüsse, sensationelles Toolwatchfeeling!"

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass nach zusammengefasst tausenden Arbeitsschritten an hunderten Einzelteilen zwei absolut identische Exemplare das Licht der Welt erblicken? Gepaart mit chaotischer Lagerhaltung (durchaus positiv zu verstehen im Sinne einer optimierten Produktionskette) vor dem finalen Zusammenbau findet - oftmals sogar mit freiem Auge erkennbar - immer ein Zufallsprodukt den Weg in die Weiten des Vertriebssystems.

Ich bin z.B. der stolze Besitzer einer nagelneuen 16610LV in Leichtbauweise: der Kronenschutz wollte nach Gehäusestanzung, dutzenden Schleif-, Schrubb- und finalen Poliervorgängen wohl nicht zu fett ausfallen. Ich weiß, DAMIT kann ich noch nicht punkten, denn in einigen Posts wurde diese "Materialersparnis" bereits angesprochen. Aber gepaart mit einer 43° Abweichung der Krone von der Idealposition im verschraubten Zustand und einem Schließencode/Seriennummer Mismatch gehöre ich sicher schon in einen erlauchten Kreis. ....das wird einmal unbezahlbar...

Die Freude an den kleinen Unterschieden aktueller Modelle (und die Faszination die davon ausgeht) kann ich nur zu gut verstehen, ebenso den Umstand, diese Freude mit anderen teilen und gemeinsam Erklärungen finden zu wollen. Aber sowohl die Enttäuschung über kleine Abweichungen von der Norm der äußeren Erscheinung (wer definiert die normierte, optimale Kombination aller Merkmale?) als auch jeglicher Versuch daraus Legenden zu bilden, erscheint mir übertrieben. Authentisch muss die Zwiebel sein!