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Blackout Explorer
Es gibt Uhren, die man kauft, und es gibt Uhren, die eine Geschichte mitbringen. Die Rolex Explorer 14270 gehört zur zweiten Sorte. Sie ist eine Uhr zwischen den Zeiten: Sie trägt noch den Geist der alten Explorer in sich und zeigt schon, wohin Rolex in den neunziger Jahren wollte.
Die Explorer selbst hat eine Expeditionsgeschichte. Ihren Ursprung führt man auf die Erstbesteigung des Mount Everest 1953 zurück, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay eine robuste, gut ablesbare Uhr brauchten. Daraus entwickelte sich die Linie mit dem schlichten Zifferblatt, das die Ziffern 3, 6 und 9 betont – genau das, was man auf einen Blick lesen muss, wenn die Handschuhe an sind und die Sicht schlecht ist.
Die 1016 führte diese Idee über Jahrzehnte fort. Ab 1963 gebaut, wurde sie zur Uhr für Bergsteiger, Taucher, Forscher und alle, die eine Rolex wollten, aber nicht laut. Plexiglas, mattes Zifferblatt, Kaliber 1570: ein Werkzeug, das nicht nach Werkzeug aussehen wollte.
1989 kam dann die Wende. Auf der Messe in Basel stellte Rolex die 14270 vor. Sie ersetzte die 1016, ohne ihre Proportionen aufzugeben: 36 mm, Oyster-Gehäuse, dieselbe Idee vom klaren Zifferblatt. Aber alles darum herum wurde modern. Gebaut wurde sie bis 2001, also gut elf Jahre lang – eine Zeitspanne, in der sich die Welt der Uhren stark veränderte.
Eckdaten
• Gehäuse: Edelstahl, 36 mm Durchmesser, Höhe rund 11 mm, Lug-to-Lug etwa 43,6 mm, Anstoßbreite 20 mm
• Glas: Saphirglas statt Plexiglas
• Wasserdichte: 100 m
• Werk: Kaliber 3000, Automatik, 27 Steine, 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, Gangreserve etwa 42 Stunden, COSC-zertifiziert
• Zifferblatt: glänzend lackiert, aufgesetzte Indizes mit weiß gefassten Rändern
Die Varianten in Kürze
Sammler unterscheiden die Zifferblätter nach dem Lume-Typ:
• Blackout (ca. 1990 bis 1991): schwarz emaillierte Ziffern 3, 6 und 9, Tritium-Lume. Die kürzeste und seltenste Variante.
• T-Swiss (ca. 1991 bis 1998): weiß gemalte Ziffern, Tritium, Kennzeichnung „T Swiss“ unter der 6.
• Swiss Only (ca. 1998 bis 1999): Luminova.
• Swiss Made (ca. 1999 bis 2001): Super-LumiNova, Schriftzug „Swiss Made“.
Frühe Exemplare haben gebohrte Bandanstöße, die bis etwa 1994 verbaut wurden.
Die Blackout-Story
Die Geschichte des Blackout beginnt mit einer Designentscheidung, die offenbar nicht lange gehalten hat. Die ersten Exemplare der 14270 verließen die Manufaktur mit schwarz emaillierten Ziffern 3, 6 und 9 auf einem glänzenden Zifferblatt. Vermutlich war das die ursprüngliche Idee für die neue Explorer. Dann entschied Rolex wohl, dass die schwarzen Ziffern auf dem dunklen Grund zu wenig lesbar waren, und ersetzte sie kurz darauf durch weiß gefüllte. Dazu gehörte ein Detail, das man heute nur noch an alten Exemplaren sieht: ein besonders langer Sekundenzeiger mit einem weiter außen liegenden Lume-Punkt.
Wie das Stück bei der Vorstellung ankam, ist nicht ganz klar. Immer wieder liest man, die Blackout-Modelle seien damals schlecht aufgenommen worden. Ob das stimmt oder eine Legende ist, lässt sich kaum mehr überprüfen. Sicher ist: Die Produktion war kurz, die Stückzahl gering, und das Zifferblatt war nicht lange Teil des Programms.
Wer heute einen Blackout besitzt, hat oft Glück gehabt. Bei Serviceeinsendungen tauschte Rolex die Zifferblätter nicht selten gegen die Standardversion aus, samt Zeigern. Ein originaler Blackout hat deshalb mehr überlebt, als man bei einer so kurzen Laufzeit erwarten würde. Die Spuren sind aber nicht immer leicht zu lesen: Es gibt frühe Varianten mit silbern gedrucktem Schriftzug, später folgten weiße Drucke, und dazu Unterschiede zwischen flachem und metallischem Silberdruck. Sammler diskutieren diese Feinheiten bis ins Detail.
Am Ende steht ein Epilog. 2016 brachte Rolex mit der 214270 eine Uhr mit lumineszierenden Ziffern 3, 6 und 9 heraus. Manche Sammler sehen darin eine späte Antwort auf den Blackout, andere nur eine Modernisierung. Der Blackout bleibt die Variante, die man sofort erkennt, wenn man sie einmal gesehen hat.
Anhang 370804