Warum der Kauf einer Rolex nicht glücklich macht....und warum wir es immer wieder tun
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am 25.04.2011 um 08:18 (8360 Hits)
So ziemlich jedes Member kennt die Situation...man blickt auf eine wohlgefüllte Uhrenbox....noch vor wenigen Jahren hätte man für den Inhalt gemordet, heute langweilt er eher....
...aber die "grail oder sonst was" watch, die man nicht besitzt, diese würde man so gerne besitzen...dann, ja dann wäre man glücklich...oder zumindest zufrieden...
...ist die "grail watch" einmal erlegt und der Uhrenbox einverleibt, beginnt sie die gleiche blasierte Langeweile auszulösen, wie die anderen Uhren....als ob sie sich angesteckt habe...
und obwohl das Ergebnis doch vorhersehbar ist, durchläuft fast jedes Member diesen Zyklus viele Male.
Warum? Warum Zeit und Geld für eine Uhr aufwenden, die am Ende doch eher langweilt?
....weil wir das Kauf- und Besitzerlebnis systematisch falsch einschätzen...
weil wir uns selbst betrügen...let me explain:
Nehmen wir an, ihr seid Fusbball-Fans. "Euer" Verein könnte die Meisterschaft gewinnen. Pokalspiel in zwei Wochen.
Gefragt wie glücklich ihr sein werdet, wenn euer Verein den Pokal holt, antwortet ihr auf einer Skala von 1-10 mit 9
Nun ist das Pokalspiel. Euer Verein holt den Pokal. Ihr werdet gefragt wie glücklich ihr seid. Ihr antwortet mit 4 von der Skala von 1-10). Warum?
Klar eure Truppe hat den Pokal....aber euer Leben hat sich eben auch kaum verändert. Pokal hin oder her. Bankkonto überzogen, weiter Streit mit der Frau / Freundin und der Chef oder die Kunden nerven immer noch. Und eure Karre muss morgen auch noch zum TüV.
Der Sieg verändert euer Leben leider kaum. Entsprechend moderat euer Glücksempfinden.
Nach zwei Wochen sieht die Sache anders. Ihr habt tausendfach mit euren Kumpels den Sieg diskutiert und nachgespielt...ja wie glücklich ward ihr als euer euer Verein den Titel holte? Aber hallo! Das war eine klare 9 auf der Skala 1-10.
Kurze Zusammenfassung, das ist wichtig!
Eure erwartetes Glück auf den Pokalsieg in der Zukunft: 9
Tatsächliches Glück bei Pokalsieg: 4
Erinnertes Glück an den Pokalsieg der Vergangenheit: 9
Das habe ich mir nicht ausgedacht. Das ist ein solide belegter empirischer Zusammenhang.
Was heisst das?
1. Wir überschätzen das Glück, was ein zukünftiges Ereignis bringt.
2. Auch unsere Erinnerung überschätzt das Glück, welches ein Ereignis gebracht hat.
Der Pokalsieg sollte uns extrem glücklich machen, so erwarten wir das und so erinnern wir es dann später auch. Nur die konkrete Situation erleben wir ganz anders. Nämlich weit weniger aufregend und beglückend.
Der Uhrenkauf soll uns glücklich machen. Der letzte Kauf, was waren wir glücklich! Und deshalb: Wo ist die grail?
Allein das stimmt alles nicht. Tatsächlich täuschen und belügen wir uns. Einzelne Ereignisse, auch gravierende, bestimmen unser Leben weit weniger als wir es erwarten und als wir es erinnern.
Das wirklich spannende ist, wir fälschen im Nachgang unsere Erinnerung. Unsere Erinnerungen sind nicht neutrale Aufzeichnungen der Vergangenheit. Sie verändern sich über die Zeit. Mit der Zeit erinnern wir uns an ein Glück über den Pokalsieg oder Uhrenkauf, dass wir so nie erlebt haben.
Und dies in Kombination mit einer überhöhten Erwartung führt dazu, dass wir Uhren kaufen...wieder und wieder und wieder...in der Erwartung und in der Erinnerung eines kicks, den es nur in unserer Phantasie gibt, den wir nie erlebt haben und nie erleben werden.
Krass, oder?