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Meine Kamera kann Videos aufnehmen, Hurra!

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Viele moderne Digitalkameras, sowohl die Kompakten, als auch DSLR können heute Videos aufnehmen. Das geht sogar in "HD", aber nicht immer geht aus der Anleitung hervor, welche Einstellung für was gut ist, die Anzahl der Formate ist verwirrend groß und überhaupt, warum können manche Kameras weder Zoom, noch Autofokus im Videomodus?

Ich den folgenden Blogeinträgen will ich mal ein paar dieser Dinge beleuchten. Die Hersteller tun dies erfahrungsgemäß in ihren Anleitung relativ dürftig, vermutlich weil die meisten dieser Kameras eigentlich für Fotos gebaut wurden.


Thema heute: Formate

Auflösung

Kleine Aufkleber prangen wie glitzernde Swarovski Kristalle auf den Kamerafronten. Auf manchen steht 'HD' auf anderen 'Full-HD', aber was hat das Ganze eigentlich zu bedeuten?

In der heutigen Umgangssprache steht HD i.d.R. für eine Videoauflösung mit 720 Linien und Full-HD für eine Videoauflösung von 1080 Linien.
Bei einem üblichen Seitenverhältnis von 16:9 ergeben sich daraus die absoluten Auflösungen 1280x720 Pixel für HD und 1920x1080 Pixel für Full-HD.
Zum Vergleich: PAL mit seinem 4:3 Seitenverhältnis, wie man es z.B. auf DVDs findet hat eine absolute Auflösung von 720x576 Pixeln.

OK, also Kamera auf Full-HD oder HD gestellt und los geht's? Im Prinzip schon ... aber wer am Ende einen tollen Film für DVD, BluRay oder das Internet machen will, sollte genauer hinschauen, was man da noch so einstellen kann, denn während man Auflösungen ganz gut runter rechnen kann gibt es Dinge, da wird es problematischer:

Bildwiederholrate

Eigentlich ein etwas missverständlicher Begriff, denn es geht hier nicht in erster Linie darum gleiche Bilder zu wiederholen, sondern unterschiedliche Bilder hintereinander anzuzeigen, aber lassen wir das ...

Es geht darum, wieviele Bilder die Kamera in einer bestimmten Zeit aufnimmt und auf die Karte schreibt. Damit die Sache nicht ganz so einfach ist, unterscheidet man noch zwischen Halbbildern (Interlaced) und Vollbildern (Progressive) und so kommen dann auch die Bezeichnungen zustande:

24p = 24 Vollbilder/s (Kinofilmstandard und gemäß BluRay Spezifikation mit Full-HD)
25p = 25 Vollbilder/s (Kann als Teiler von 50 gut mit PAL wiedergegeben werden, DVD "tauglich")
50i = 50 Halbbilder/s (PAL bzw. DVD-Standard)
60i = 60 Halbbilder/s (NTSC bzw. DVD-Standard)

Idealer Weise (solange man keine Zeitlupen oder Zeitraffer machen möchte) entspricht die Bildwiederholrate bei der Aufnahme der Bildwiederholrate bei der Wiederhabe, denn so gibt es keine störenden Ruckler.
Logisch eigentlich, aber schon diese scheinbar triviale Erkenntnis führt zum ersten Problem: Womit will ich das Ding eigentlich abspielen? Was können "Renderer" (DVD-Player, BluRay-Player, Apple-TV, Popcorn-Hour, sonstige Mediaplayer) und Wiedergabegerät (Monitor, Fernseher) eigentlich?

A) Computermonitor - die TFTs auf unseren Schreibtischen laufen in der Regel mit 60 Vollbildern pro Sekunde, ideal wäre also Material in 60p oder aber in 30p (dann wird halt jedes Bild doppelt angezeigt, aber durch die Teilbarkeit führt es nicht zwangsläufig zu Rucklern). 60i eignet sich nicht wirklich, weil digital angeschlossene Monitore nicht mit dem Zeilensprungverfahren arbeiten sondern immer Vollbilder ausgeben. Man könnte 60i Material recht einfach "De-Interlacen", also die Halbbilder zu Vollbildern zusammenbauen, aber auch das ist nicht ideal und mit der Kirche ums Dorf gefahren.

B) DVD-Player & Fernseher - wer nach dem Urlaub eine DVD erstellen möchte, die man sich auf einem heimischen Fernseher anschauen kann, der ist mit 50i oder aber 25p bei der Aufzeichnung in Europa am besten bedient. Die Bildraten sind mit der DVD-Spezifikation bezüglich Video konform bzw. lassen sich schnell dazu machen. Auch 60i und 30p und 24p lassen sich ganz gut verarbeiten, allerdings nur in den (etwas kleineren) NTSC Auflösungen.

C) BluRay-Player & Fernseher - Hier gilt es auf die BluRay Spezifikation zu achten: 29.97i, 25i, 24p, 23.976p, 59.94p, 50p alles schön und gut, aber kein 25p und kein 50i, das bei europäischen Digitalkameras sehr beliebt ist. Keine Ahnung, warum diese Raten bei der Spezifikation rausgenommen wurden, uns Europäern hätte es geholfen sie 'drin zu haben.

D) Mediaplayer & Fernseher - Können i.d.R. nahezu alle Formate wiedergeben.

Natürlich kann man mit moderner Software auch Bildwiederholraten "konvertieren" und die meisten günstigen Schnittprogramme machen das schon automatisch irgendwie, aber es ist immer eine Krücke und in manche Richtungen führt es zu unschönen Rucklern bei der Wiedergabe, so dass man lieber andere Wege geht.
Bestes Beispiel ist Kinofilm (24p) auf DVD (25p): Hier wird der ganze Film einfach etwas schneller abgespielt, nämlich genau 1 Bild/s schneller, so dass aus 24p einfach 25p wird (die Tonspur wird natürlich angepasst). Wir nehmen das visuell nicht wirklich wahr, merken höchstens, dass die Spieldauer auf DVD etwas kürzer ist als im Kino. In Heimarbeit ist das ganze nicht so trivial zu bewerkstelligen, weshalb man lieber gleich im richtigen Format aufnehmen sollte.
Wer schnell mal was aufnehmen will, um es bei Youtube einzustellen: Einfach machen, dafür reicht es immer irgendwie.

Mehr zum Thema Filmen mit Digitalkameras, Belichtungszeit beim Filmen und warum 720p manchmal besser ist als 1080p beim nächsten Mal ...

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Kommentare

  1. Avatar von ehemaliges mitglied
    Super Thema, herzlichen Dank!
  2. Avatar von ferryporsche356
    Eos,
    Von Dir kann man wirklich jeden Tag was lernen. Und das Schönste daran: Du erklärst es so dass auch ein DAU wie ich damit was anfangen kann.
  3. Avatar von eos
    Danke für die Blumen! Mich freut 's, wenn jemand was mit anfangen kann.
  4. Avatar von PCS
    Allerdings.
  5. Avatar von orange
    Wow... schliesse mich Charlys Worten an. Deine Beiträge sind wirklich spitze. Endlich kann man Licht in diesem Wald voller verschiedener Standards sehen. Statt sich mühevoll stundenlang durch Foren und Handbücher zu quälen, erklärst du es uns in einigen wenigen, klugen Sätzen....

    Vielen Dank dafür

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